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·Fachbeitrag ·Weiterbildungsrecht

So vermeiden Sie typische Fehler bei der Erstellung von Weiterbildungszeugnissen

von Dr. Wolf Rommel, LL.M., Ärztekammer Westfalen-Lippe, www.aekwl.de

| Weiterbildungszeugnisse bleiben ein Dauerthema für Chefärzte. Sie sind auf Antrag des Weiterbildungsassistenten innerhalb von drei Monaten zu erstellen - nach seinem Ausscheiden sogar unverzüglich! Oft geschieht dies unter großem Zeitdruck, doch Vorsicht: Viele Zeugnisse entsprechen nicht den formellen Anforderungen. So kann der ausstellende Chefarzt bei unrichtigen Zeugnissen in die Haftungsfalle geraten oder seine Weiterbildungsbefugnis verlieren! Wie sollte sich der Chefarzt beim Thema Weiterbildung organisieren und welche Kriterien muss das Zeugnis erfüllen? |

Bedeutung des Weiterbildungszeugnisses

In erster Linie ist das Weiterbildungszeugnis für den Weiterbildungsassistenten von herausragender Bedeutung. Doch zugleich ist es auch ein Aushängeschild für den ausstellenden Arzt, denn das Zeugnis wird neben der Ärztekammer auch vielen weiteren Leitenden Ärzten und Chefärzten als Nachweis für erlernte Kompetenzen vorgelegt. Daher sollte es sehr sorgfältig erstellt werden - mit folgenden Prämissen:

 

  • Das Zeugnis sollte nur relevante Aussagen im Zusammenhang mit der Weiterbildungsordnung treffen. Ausschweifungen - insbesondere über das Leistungsspektrum der eigenen Abteilung - sind zu vermeiden. Gleiches gilt für eine (oft missverständliche) blumige Ausdrucksweise.
  • Es muss Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten des Weiterbildungsassistenten wahrheitsgemäß darlegen.
  • Das Weiterbildungszeugnis ist kein Arbeitszeugnis! Bewertungen von Arbeitsleistung, Arbeitsweise und Verhalten sind daher nicht angezeigt.

Aufbau und Formalien

Für das Weiterbildungszeugnis ist ein offizieller Geschäftsbogen zu verwenden: Dies ist entweder der Bogen des weiterbildungsbefugten Arztes oder der Bogen eines weiteren gemeinsam weiterbildungsbefugten Arztes - in der Regel der des hierarchisch höherstehenden Kollegen. Zu beachten sind zudem folgende weitere Aspekte:

 

  • Name und Geburtsdatum des Assistenten sind eindeutig zu bezeichnen.
  • Der Weiterbildungszeitraum, der bei jedem der unterzeichnenden Weiterbildungsbefugten absolviert wurde, ist klar darzustellen.
  • Der Verweis auf die hauptberufliche Tätigkeit des weiterbildenden Arztes und eine reguläre arbeitsvertragliche bzw. tarifliche Tätigkeit ist im Hinblick auf § 4 Abs. 5 Muster-Weiterbildungsordnung (MWBO) erforderlich.
  • Es ist auszuweisen, ob und in welchem Umfang sowie in welchem Zeitraum die Weiterbildung in Voll- oder Teilzeittätigkeit absolviert wurde.

 

PRAXISHINWEIS | Die Beschäftigung von Gastärzten zur Facharzt-Weiterbildung ist definitiv ausgeschlossen. Ein unentgeltlicher oder minder bezahlter Gastarzt-Status für Weiterbildungsassistenten ist mit den neueren Regelungen zum Mindestlohn unvereinbar und tarifrechtlich nicht möglich. Die Verantwortlichen - Chefärzte eingeschlossen - setzen sich zudem der Gefahr aus, dass ihnen die Hinterziehung von Steuern und Sozialabgaben vorgeworfen wird. Im Extremfall kann dies zu erheblichen strafrechtlichen Konsequenzen führen. Verboten ist auch die Tätigkeit eines Arztes in Weiterbildung im Praktikanten-Status.

 

Rundungen der Fallzahlen vermeiden

Leistungskataloge können in den eigentlichen Zeugnistext integriert oder in Form einer Anlage gestaltet werden. Wichtig: Die genannten Fallzahlen dürfen keinesfalls gerundet oder mit „größer als>“-Zeichen versehen werden. Derartige Darstellungen lassen vermuten, dass nur grob geschätzt wurde und Weiterbildungsassistent wie -befugter den Überblick über den Stand der Weiterbildung verloren haben müssen.

 

Weiterbildungsassistent darf nicht im Regen stehen gelassen werden

Unzulässig ist es, wenn der Chefarzt als Weiterbildungsbefugter seinem Assistenten entsprechende Leistungskataloge im Zeugnis nur gegen schriftlichen Einzelnachweis ausstellt. Der Grund: Weiterbildungsbefugte sind verpflichtet, die Weiterbildung durchzuführen und mit entsprechender Anleitung der Assistenten die genehmigten Weiterbildungskonzepte umzusetzen. Erkennt der weiterbildungsbefugte Arzt Defizite, muss er aktiv und unterstützend gegensteuern. Der Weiterbildungsbefugte darf also das Zeugnis oder die Erstellung des Leistungskatalogs nicht mit dem Argument verweigern, der Assistent habe eine ordentliche Dokumentation versäumt!

 

PRAXISHINWEIS | Die abschließende Stellungnahme zur fachlichen Eignung im Weiterbildungszeugnis darf nicht mit der für ein Arbeitszeugnis typischen Bewertung von Arbeitsleistung, Arbeitsweise und Verhalten kombiniert werden. Die fachliche Eignung bezieht sich ausschließlich auf die vernetzende intellektuelle Fähigkeit und das haptische Vermögen des Assistenten, auch komplexe manuelle Tätigkeiten mit der Sorgfalt eines Facharztes ausüben zu können.

 

Zeugniserstellung bei ungeeigneten Assistenzärzten

Müssen Weiterbildungszeugnisse immer wohlwollend formuliert sein? - Nein! Sie müssen authentische und wahre Inhalte wiedergeben. Die Ausstellung eines unrichtigen Zeugnisses - sei es aus Wohlwollen, aus Klinikinteresse oder aus sonstigen Gründen - stellt ein Berufsvergehen dar. Konkret wird gegen die Pflicht zu standesgemäßem Verhalten verstoßen.

 

Wird eine Zeugnismanipulation nachgewiesen, drohen berufsgerichtliche Sanktionen; zudem wird meist die Weiterbildungsbefugnis aberkannt. Verhilft das Zeugnis ungerechtfertigt zur Anerkennung des Facharztes und werden Patienten geschädigt, weil auf die formal nachgewiesene, tatsächlich aber fehlende Kompetenz des Facharztes vertraut wurde, muss der Zeugnisaussteller sogar mit straf- und haftungsrechtlichen Konsequenzen rechnen.

 

Regelmäßige Weiterbildungsgespräche veranlassen

Ohne regelmäßige Weiterbildungsgespräche ist eine ordnungsgemäße, strukturierte und planmäßige Weiterbildung nicht möglich. Diese Gespräche sind gemäß § 8 Abs. 2 MWBO nach Ende jedes Weiterbildungsabschnitts oder zumindest einmal jährlich zu dokumentieren. Sie werden dem Antrag zur Zulassung zur Prüfung beigefügt. Die Angaben sollten nicht erheblich und unbegründet von dem genehmigten Weiterbildungskonzept abweichen.

 

PRAXISHINWEIS | Besonders hilfreich sind Logbücher, um sich regelmäßig den Stand der Weiterbildung zu vergegenwärtigen. Ohne Kenntnis des Ist-Zustands ist die folgende individuelle Weiterbildungsplanung nicht möglich. Sehr hilfreich sind auch elektronische Dokumentationen, die dem Assistenten die von ihm durchgeführten Prozeduren und Maßnahmen automatisiert aus dem KIS heraus zuordnen. Diese EDV-Lösungen sind oft individuell programmiert verfügbar. Es können aber auch kommerzielle Software-Lösungen eingekauft werden, die sogar wissenschaftliche Datenbanken zu einem didaktischen Gesamtkonzept verknüpfen (z.B. „WDoku“ von Thieme). Personalisierte Ausdrucke dieser EDV- Listen werden mit der Unterschrift des Weiterbildungsbefugten direkt als Leistungskatalog anerkannt. Sie können direkt bei der Kammer eingereicht werden. Gleiches gilt für elektronisch dokumentierte Weiterbildungsgesprächsprotokolle.

 

 

Folgende Unterlagen sind bei einem Antrag auf Zulassung zur Prüfung bzw. zur Facharztanerkennung auszustellen und einzureichen:

 

  • Weiterbildungszeugnis/se
  • Leistungskatalog/e
  • Protokolle über Weiterbildungsgespräche

 

Diese Einzeldokumente können in ein Zeugnisdokument integriert werden.

Was ist bei Auslandsanerkennungen zu beachten?

Bevor ein Zeugnis zur Auslandsanerkennung ausgestellt wird, sollte mit der Kammer gesprochen werden. Problematisch sind Zeugnisse von Chefärzten, die sich auf behördlich nicht geprüfte Bescheinigungen Dritter beziehen - etwa ausländische Chefärzte. Aufgrund der enorm komplexen Sach- und Rechtslage je nach Land sollten Weiterbildungsbefugte jeden Einzelfall persönlich begleiten. Viele Ungereimtheiten können so vermieden werden.

Exkurs: Arbeitszeugnisse

Die Pflicht zur Zeugniserstellung betrifft auch Arbeitszeugnisse. Eine Vermischung von Arbeits- und Weiterbildungszeugnissen muss vermieden werden. Während das Weiterbildungszeugnis in den Bereich des Weiterbildungsbefugten fällt, gehören Arbeitszeugnisse nicht zu seinem Kerngebiet. Deren Erstellung sollte der Personalabteilung überlassen werden. Inhaltlich muss sich der Chefarzt beteiligen, indem er die erforderliche Information weitergibt. Will der Chefarzt eine besondere Wertschätzung ausdrücken, kann er das Arbeitszeugnis mit unterzeichnen - meist neben dem Personalchef.

Quelle: Ausgabe 01 / 2016 | Seite 13 | ID 43673633