· Fachbeitrag · Arzthaftung
Wann ist eine unterbliebene Weiterverlegung ein Haftungsgrund? OLG definiert Kriterien
von FA MedR Dr. Rainer Hellweg, Hannover
Wenn ein Patient ein spezielles Beschwerdebild aufweist, ist bisweilen eine Verlegung auf eine spezialisierte Abteilung oder gar in ein spezialisiertes Krankenhaus angezeigt. Doch in welchen Fällen ist eine Verlegung nicht nur medizinisch sinnvoll, sondern sogar rechtlich geboten? Hierzu liefert eine aktuell veröffentlichte Entscheidung des Oberlandesgerichts (OLG) Dresden (Beschluss vom 26.02.2025, Az. 4 U 1225/24) wertvolle Hinweise. Instruieren Sie als Chefarzt Ihre Abteilung entsprechend!
Verpasste Warnsignale führen zu mehreren Infarkten
Eine 77-jährige Patientin wurde notfallmäßig in der Klinik aufgenommen. Eingeliefert wurde sie durch den Notarzt wegen seit einigen Tagen aufgetretenen Schwindels verbunden mit Übelkeit. Aufgrund anamnestisch festgestellter Armschwäche sowie Fallneigung wurde ein Kopf-/Hals-CT durchgeführt. Es wurden keine Blutung und kein Gefäßverschluss, jedoch eine hochgradige Stenose der Arteria vertebralis beidseits diagnostiziert. Im neurologischen Konsil wurde eine transitorisch ischämische Attacke (TIA) als Diagnose festgehalten. Es wurde eine Therapie mit ASS und Simvastatin begonnen.
Nach zwei Tagen wurde die Patientin dann in eine psychiatrische Klinik verlegt aufgrund des Verdachts auf depressive hypoaktive delirante Symptomatik. In den Folgetagen kam es jedoch zu einer Zunahme der schon latent vorhandenen Symptome mit Übelkeit, Schwindel und Gangunsicherheit. Eine aufgrund einer Temperaturerhöhung vorgenommene Laboruntersuchung zeigte erhöhte Entzündungswerte. Zudem stellten sich ein links schwächerer Faustschluss und eine Fallneigung beim Sitzen ein. Das eingeleitete Kopf-/Hals-MRT ergab schließlich, dass sich multiple subakute Infarkte im Bereich der Arterie vertebralis und im Mediastromgebiet ereignet hatten. Die Patientin wurde daraufhin auf die Stroke Unit verlegt – über eine Woche nach der notfallmäßigen Aufnahme in der erst angegangenen Klinik. Dort erfolgte die weitere Versorgung der Patientin, die problematisch verlief. Die weitere Diagnostik mittels cMRT bestätigte zahlreiche neu aufgetretene sowie ältere Infarkte.
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