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Wann sind „versuchte Leistungen“ berechnungsfähig?

Von einer unvollständig erbrachten Leistung zu unterscheiden ist die sogenannte versuchte Leistungserbringung. Das heißt: Es wurde versucht, die Leistung nach dem Inhalt der Gebührenposition zu erbringen, das war jedoch nicht möglich.

 

Die GOÄ kennt nur wenige Leistungen, die „Versuche“ vergüten, zum Beispiel Nr. 429 (Wiederbelebungsversuch) oder Nr. 3282 (Zurückbringen oder Versuch des Zurückbringens eines eingeklemmten Bruches).

 

Grundsätzlich gilt, dass der Arzt eine Leistung auch dann berechnen kann, wenn er versucht hat, sie vollständig zu erbringen, aber nur zum Teil durchführen konnte und der Grund für die unvollständige Leistungserbringung nicht vom Arzt zu verantworten ist. Der Arzt muss dabei nach den „Regeln der ärztlichen Kunst“ vorgegangen sein und die Leistung wenigstens in für sie charakteristischen Teilen durchgeführt haben. Das schließt aus, dass der Arzt die Leistung berechnet, wenn sie zum Beispiel aufgrund von Gerätefehlern oder Organisationsmängeln nicht vollständig erbracht werden konnte. Wenn aber die zuvor genannten Voraussetzungen zutreffen, ist auch eine unvollständig erbrachte Leistung berechenbar.

 

Manchmal ist dann möglich, anstelle der ursprünglich angestrebten vollständigen Leistung eine andere, dem erbrachten Teilbereich entsprechende Leistung mit einer „Ausweichziffer“ zu berechnen.

 

  • Beispiel

Eine hohe Koloskopie (Nr. 687 GOÄ) muss im Bereich der linken Flexur wegen unüberwindbarer Verunreinigung abgebrochen werden. Hier kann die Nr. 688 (partielle Koloskopie) berechnet werden.

 

Meist gibt es aber keine solche „Ausweichziffer“. Dann kann die ursprünglich angestrebte Leistung analog berechnet werden. Der besondere Umstand der unvollständigen Leistung muss dann bei der Wahl des Faktors berücksichtigt werden. Eine Berechnung unterhalb des Schwellenwertes ist dann angemessen, wenn Zeitaufwand und/oder Schwierigkeit geringer waren als sie bei vollständiger Leistung gewesen wären. Manchmal sind jedoch gerade bei unvollständiger Leistung der Zeitaufwand und/oder die Schwierigkeit höher als im „Normalfall“. Hier muss dann abgewogen werden, was wie schwer wiegt - die „Leistungsersparnis“ durch die Unvollständigkeit der Leistung oder die höhere Schwierigkeit/Zeitaufwand. Dann kann sogar nicht nur der Schwellenwert, sondern ggf. auch ein höherer Faktor angemessen sein.

 

Auf jeden Fall sollten die Umstände, die die vollständige Leistungserbringung unmöglich machten, gut dokumentiert werden. Außerdem sind die Analogkennzeichnung und zum Faktor ggf. die Begründungspflicht in der Rechnung zu beachten. Es versteht sich, dass der Patient über den besonderen Umstand der durchgeführten Leistung informiert wird.

Quelle: Ausgabe 03 / 2012 | Seite 20 | ID 32140060