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·Fachbeitrag ·Vergütungsstudie

Einkommen: Internisten überholen Radiologen

von Sylvia Löbach, Kienbaum Management Consultants GmbH, Gummersbach, www.kienbaum.de

| Internistische Chefärzte haben 2013 im Durchschnitt 321.000 Euro verdient - und damit radiologische Chefärzte (308.000 Euro) als letztjährige Spitzenverdiener überflügelt. Die Jahresgesamtvergütung von Chefärzten hat sich indes mit durchschnittlich 278.000 Euro im Vergleich zum Vorjahr (279.000 Euro) kaum verändert. Dies sind die Eckdaten des Kienbaum-Vergütungsreports 2013 mit Daten von 123 Krankenhäusern und Vergütungsinformationen von 724 nichtärztlichen Führungskräften sowie 2.180 Ärzten. |

Chefärzte sind die Spitzenverdiener in Krankenhäusern

Chefärzte führen das Vergütungsgefüge in Krankenhäusern typischerweise an. Mit einer durchschnittlichen Jahresgesamtvergütung von 278.000 Euro erhalten sie das 1,5-Fache der Klinik-Geschäftsführer, die durchschnittlich 182.000 Euro verdienen. Damit liegen sie auch deutlich vor den kaufmännischen Direktoren (128.000 Euro) und den Oberärzten (120.000 Euro).

 

  • Durchschnittliche Jahresgesamtvergütung in der Klinik (in Tsd. Euro) 
 

Der Median der Gesamtvergütung liegt für Chefärzte bei 210.000 Euro: Die eine Hälfte verdient also mehr als 210.000 Euro, die andere Hälfte weniger.

 

  • Spannen der Gesamtdirektvergütung nach Positionen (in Tsd. Euro)
Position
Unteres Quartil
Median
Oberes Quartil
Durchschnitt

01

Geschäftsführer/Vorstand

130

169

200

182

02

Verwaltungsdirektor/Kaufmännischer Direktor

96

115

145

128

03

Ärztlicher Direktor

95

104

156

134

04

Pflegedirektor

66

76

95

83

05

Abteilungsleiter

59

70

88

75

06

Chefarzt

151

210

307

278

07

Oberarzt

97

115

135

120

 

Die Vergütung im Vergleich zu anderen Branchen

Im Bereich von Geschäftsleitung und Verwaltung ist die Vergütung in Kliniken deutlich geringer als in der Wirtschaft: Während Geschäftsführer eines Wirtschaftsunternehmens 2013 im Durchschnitt 372.000 Euro verdienten, kamen Geschäftsführer von Krankenhäusern auf nur rund 182.000 Euro.

 

  • Durchschnittliche Jahresgesamtvergütung im Vergleich (in Tsd. Euro) 
 

Einflussfaktoren der Chefarzt-Vergütung

Die Spannbreite der Jahresgesamtvergütung von Chefärzten ist beträchtlich: Sie realisieren Einkommen von unter 80.000 Euro bis über 750.000 Euro. Für die Höhe der Chefarzt-Vergütung sind verschiedene Merkmale des Krankenhauses und des jeweiligen Positionsinhabers ausschlaggebend. Vergütungsrelevante Faktoren sind neben Größe und Standort der Klinik vor allem die Berufserfahrung, Fachrichtung und Reputation des Chefarztes.

 

Größe und Standort des Krankenhauses

Ein Chefarzt in einem Krankenhaus mit bis zu 250 Beschäftigten verdient durchschnittlich 233.000 Euro und damit nur 62 Prozent dessen, was sein Kollege in einem Haus mit mehr als 2.000 Beschäftigten erhält. Große Unterschiede bestehen nach wie vor zwischen den alten und neuen Bundesländern: Chefärzte in den neuen Ländern verdienen durchschnittlich 22 Prozent weniger als ihre Kollegen aus den alten Bundesländern.

 

Diese Unterschiede rühren zum Teil daher, dass in Ostdeutschland den Chefärzten wesentlich seltener ein Liquidationsrecht eingeräumt wird und die Höhe der Privatliquidationen geringer ausfällt als im Westen. In den letzten Jahren ist aber eine Annäherung der Einkommen festzustellen.

 

Berufserfahrung des Chefarztes

Chefärzte mit bis zu 16 Jahren Berufserfahrung erhalten eine Jahresgesamtvergütung von durchschnittlich 184.000 Euro, Kollegen mit über 20 Jahren Berufserfahrung dagegen 295.000 Euro. Der enorme Unterschied ist dabei nicht allein auf den Erfahrungszuwachs zurückzuführen, der sich typischerweise auch in der Gehaltsentwicklung niederschlägt: Hauptgrund ist vielmehr, dass in älteren Dienstverträgen das Privatliquidationsrecht mit seinem teilweise enormen Einkommenspotenzial deutlich stärker verbreitet war.

 

Fachrichtung und Reputation

Auch Fachrichtung und Reputation des Chefarztes haben einen erheblichen Einfluss auf die Vergütungshöhe. Die höchsten Einkommen unter Chefärzten können Internisten, Radiologen und Chirurgen realisieren. Dabei ist die Spanne bei Radiologen mit einer Jahresgesamtvergütung von 138.000 Euro (unteres Quartil) bis 439.000 Euro (oberes Quartil) am größten.

 

  • Spannen der Jahresgesamtvergütung von Chefärzten nach Fachabteilungen (in Tsd. Euro)
Jahresgesamtvergütung
Innere Medizin
Radiologie
Chirurgie
Anästhesie/
Intensiv
Gynäkologie/ Geburtshilfe
Pädiatrie/ Kinderklinik

Unteres Quartil

159

138

170

137

145

134

Median

210

221

219

167

189

157

Oberes Quartil

387

439

323

293

248

210

Durchschnitt

321

308

289

277

230

186

 

Variable Vergütungsanteile bei Chefärzten im Vergleich

Der variable Anteil an der gesamten jährlichen Vergütung ist mit durchschnittlich 47 Prozent um insgesamt 6 Prozentpunkte höher als im Vorjahr. Dabei überwiegt nach wie vor das Liquidationsrecht, andere Formen der variablen Vergütung nehmen aber immer mehr an Bedeutung zu.

 

Für die Gestaltung der variablen Vergütung lassen sich das Liquidationsrecht, die Beteiligungsvergütung und die Bonusvereinbarung unterscheiden.

 

  • Für das Liquidationsrecht muss der Chefarzt in aller Regel einen Vorteilsausgleich an die Klinik leisten - dieser lag 2013 im Schnitt bei 26 Prozent der Liquidationseinnahmen. Zudem werden Mitarbeiter der Chefarztabteilung häufig über eine Poolverpflichtung an diesen Einnahmen beteiligt. Chefärzten, denen als variabler Vergütungsanteil ausschließlich das Liquidationsrecht zuerkannt war, verdienten hierdurch neben dem Grundgehalt im Durchschnitt 187.000 Euro zusätzlich - der Median lag bei 107.000 Euro.

 

  • Die Beteiligungsvergütung als einzigen variablen Vergütungsanteil sehen 9 Prozent der Chefarztverträge vor. Hierbei erhält der Chefarzt einen vertraglich fixierten Anteil an den Klinikeinnahmen - zum Beispiel aus der gesonderten Berechnung wahlärztlichen Leistungen. Neben der Grundvergütung erhielten Chefärzte, deren variabler Anteil ausschließlich aus einer Beteiligungsvergütung bestand, hierdurch durchschnittliche Zusatzeinnahmen in Höhe von 101.000 Euro - bei einem Median von 80.000 Euro.

 

  • Bei der Bonusvereinbarung können die zu erreichenden Ziele entweder quantitativer Natur sein - etwa Fallzahlen, Betriebsergebnis oder Patientenbelegung - oder qualitativ bestimmt werden, zum Beispiel nach der Qualität erbrachter Leistungen oder der Patientenzufriedenheit. Chef-?ärzte, deren variable Vergütung ausschließlich aus einem Bonus bestand, erreichten im Schnitt 69.000 Euro Mehreinnahmen (Median: 40.000 Euro).

 

  • Variable Vergütung nach Gestaltungsform (in Tsd. Euro)
Liquidations- recht *
Beteiligungsvergütung
Bonusvereinbarung
Insgesamt

Unteres Quartil

22

31

15

20

Median

107

80

40

56

Oberes Quartil

223

160

85

148

Durchschnitt

187

101

69

130

 

*) nach Abzug von Kostenerstattung, Vorteilsausgleich und Poolverpflichtung

 

Die Ausgestaltung der variablen Vergütung hat sich deutlich verändert: Hatte vor 15 Jahren noch die überwiegende Mehrheit der Chefärzte (92 Prozent) ein Liquidationsrecht, so liegt dieser Prozentsatz bei den Verträgen, die nicht älter als 3 Jahre sind, inzwischen bei nur noch 32 Prozent.

 

Gleichzeitig hat sich die Verbreitung der Bonusvereinbarung seit 1995 von unter 5 Prozent auf fast 50 Prozent bei Neuverträgen erhöht. Die absolute Höhe der variablen Vergütung ist im Zuge dieser Entwicklung abnehmend, wie ein Vergleich nach Vertragsalter zeigt: Im Durchschnitt erzielten die Chefärzte mit alten Verträgen 2013 rund 250.000 Euro mehr aus ihrer variablen Vergütung als die Kollegen mit neuen Verträgen.

 

  • Variable Vergütung nach Vertragsalter (in Tsd. Euro)
Alter des
Chefarztvertrages
Variable Vergütung
Durchschnitt

Unteres Quartil

Median

Oberes Quartil

unter 1 Jahr

10

31

55

52

1 - 3 Jahre

11

30

87

65

3 - 5 Jahre

23

67

117

89

5 - 10 Jahre

25

76

189

153

10 - 15 Jahre

31

114

206

186

über 15 Jahre

87

280

459

332

Insgesamt

20

56

148

130

 

Hinweis | Neben der variablen Vergütung können manche Chefärzte ihr ?Einkommen durch Nebentätigkeiten erhöhen. Hierzu gehören zum Beispiel die ambulante Beratung und Behandlung sowie Gutachtertätigkeiten. Die Höhe der Einkommen schwankt zwischen wenigen Tausend Euro im Jahr ?- zum Beispiel in der Geriatrie - bis zu über 200.000 Euro (Radiologie).

 

Weiterführender Hinweis

  • Die Studie ist zum Preis von 800 Euro (zuzüglich Mehrwertsteuer) zu beziehen bei der Kienbaum Vergütungsberatung (www.kienbaum.de), Ahlefelder Str. 47, 51645 Gummersbach, Telefon-Nr. 02261 / 703-200, Fax-Nr. 02261 / 703-201.
Quelle: Ausgabe 12 / 2013 | Seite 1 | ID 42415141