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·Fachbeitrag ·Vergütung

Einkommen der Chefärzte 2012 im Schnitt um 13.000 auf 279.000 Euro gestiegen

von Jürgen Schoder, Kienbaum Management Consultants GmbH, Gummersbach, www.kienbaum.de 

| Die durchschnittlichen Gesamtbezüge der Chefärzte sind 2012 von zuvor 266.000 Euro auf 279.000 Euro gestiegen. Während die Einkommen im Westen 305.000 Euro erreichten, sind sie im Osten leicht zurückgegangen - auf 218.000 Euro. Die Chefarzt-Grundgehälter stiegen 2012 im Schnitt um 1,7 Prozent, während die Einkommen der Ärzte insgesamt um 2,7 Prozent höher lagen als 2011. Dies sind die Eckdaten des Kienbaum-Vergütungsreports 2012 mit Daten von 146 Krankenhäusern und Vergütungsinformationen von 786 nichtärztlichen Führungskräften sowie 1.807 Ärzten. | Vergütung in Kliniken und Wirtschaftsunternehmen (in Tsd. Euro)

Vergleich der Chefarztvergütung mit anderen Positionen

Mit ihren Durchschnittseinkommen von 279.000 Euro sind die Chefärzte die mit Abstand am besten verdienende Gruppe im Krankenhaus. Sie erhalten das 1,8-fache der Klinik-Geschäftsführer, die im Durchsschnitt bei 157.000 Euro liegen, bleiben aber um 55.000 Euro unter den Einkommen von Vorständen und Geschäftsführern von Wirtschaftsunternehmen. Diese erzielen eine durchschnittliche Jahresvergütung von 334.000 Euro.

 

Bestandteile der Chefarztvergütung

Das Gesamteinkommen der Chefärzte setzt sich aus drei Teilbereichen zusammen: den Jahresgrundbezügen, der variablen Vergütung sowie den Einkommen aus Nebentätigkeiten. Dabei haben die Grundbezüge mit 42 Prozent und die variable Vergütung mit 41 Prozent einen fast gleichen Anteil, während die Nebentätigkeiten des Chefarztes mit durchschnittlich 17 Prozent deutlich weniger zur durchschnittlichen Gesamtvergütung beitragen.

Variabler Anteil an der Vergütung

Der variable Anteil an der Jahresgesamtvergütung des Chefarztes ist von 52 Prozent im Vorjahr auf aktuell 41 Prozent gesunken. Moderater gefallen ist er bei Geschäftsführern in Wirtschaftsunternehmen: von 33 auf 31 Prozent.

 

Gestaltungsvarianten der variablen Vergütung

Für die Gestaltung der variablen Vergütung von Chefärzten lassen sich drei Hauptformen unterscheiden:

 

  • Das Liquidationsrecht ist mit 49 Prozent immer noch die dominierende Gestaltungsform der variablen Vergütung von Chefärzten. Allerdings sinkt der Prozentsatz von Jahr zu Jahr: 2011 lag er noch bei 51 Prozent. Für die Einräumung des Liquidationsrechts muss der Chefarzt in aller Regel einen Vorteilsausgleich an das Krankenhaus leisten - dieser liegt 2012 im Durchschnitt bei 22 Prozent der Liquidationseinnahmen. Zusätzlich werden die Mitarbeiter der Chefarztabteilung häufig über eine Poolverpflichtung an diesen Einnahmen beteiligt.

 

  • Die Beteiligungsvergütung sehen 14 Prozent der Chefarztverträge vor. Dieser Anteil hat sich in den letzten zehn Jahren um rund 10 Prozent erhöht. Hierbei erhält der Chefarzt einen vertraglich fixierten Anteil an den Einnahmen des Krankenhauses, der aus der gesonderten Berechnung zum Beispiel wahlärztlicher Leistungen hervorgeht. Die Beteiligungsvergütung erreicht im Durchschnitt einen Wert von 113.000 Euro - im Vorjahr waren es noch 115.000 Euro. Sie liegt damit über dem Einkommen aus der Bonusvereinbarung, die 73.000 Euro (Vorjahr: 79.000 Euro) ausweist, erreicht aber nur 62 Prozent der Einkünfte durch das Liquidationsrecht.

 

  • Bei der Bonusvereinbarung hat der Chefarzt Anspruch auf eine vertraglich fixierte Vergütung auf Basis einer vereinbarten Berechnungsgrundlage. Dies sind häufig quantitative Kennziffern wie Fallzahlen oder Patientenbelegung oder betriebswirtschaftliche Größen wie Betriebsergebnis, Kosten- und Erlösbudget. Die Kliniken forcieren diese Art der variablen Vergütung, da die Träger darauf angewiesen sind, wirksame Instrumente zur Steuerung der Krankenhäuser einsetzen zu können.

 

  • Variable Vergütungen der Chefärzte 2012 (in Tsd. Euro)
Liquidationsrecht*
Beteiligungsvergütung
Bonusvereinbarung
Kombinationen
Insgesamt

Unteres Quartil

31

27

20

15

19

Median

109

52

50

35

59

Oberes Quartil

240

166

95

94

155

Durchschnitt

181

113

73

82

127

* nach Abzug von Kostenerstattung, Vorteilsausgleich und Poolverpflichtung

 

Wie die Tabelle zeigt, werden Chefärzte mit einer Kombination aus Liquidationsrecht bzw. Beteiligungsvergütung und Bonus wesentlich schlechter vergütet als Kollegen, die etwa eine „reine“ Beteiligungsvergütung erhalten.

 

Entwicklungen bei den Gestaltungsvarianten

Bei Chefarztverträgen neueren Datums ist festzustellen, dass der Anteil des Liquidationsrechts zugunsten anderer Gestaltungsformen abnimmt. Hatten vor 15 Jahren noch 92 Prozent der Chefärzte ein Liquidationsrecht, so liegt dieser Prozentsatz bei den Verträgen, die nicht älter als drei Jahre sind, inzwischen bei nur noch 26 Prozent (Vorjahr: 30 Prozent). Gleichzeitig hat sich die Verbreitung der Bonusvereinbarung seit 1995 von unter 5 Prozent auf fast 50 Prozent bei Neuverträgen (Vorjahr: 45 Prozent) erhöht. Im Durchschnitt erzielten die Chefärzte, deren Verträge seit über 15 Jahren bestehen, eine variable Vergütung von insgesamt 310.000 Euro und damit 262.000 Euro mehr als Kollegen, deren Vertrag vor weniger als einem Jahr geschlossen wurde, wie die nachstehende Tabelle zeigt.

 

  • Variable Vergütung nach Vertragsalter (in Tsd. Euro)
Variable Vergütung
Alter desChefarztvertrages
Unteres Quartil
Median
Oberes Quartil
Insgesamt

Unter einem Jahr

7

29

55

48

1 bis 3 Jahre

11

30

90

74

3 bis 5 Jahre

25

60

137

91

5 bis 10 Jahre

24

93

213

146

10 bis 15 Jahre

33

131

250

180

Über 15 Jahre

89

211

436

310

Insgesamt

19

59

155

127

Chefarzteinkünfte aus Nebentätigkeiten

Neben der variablen Vergütung besteht für Chefärzte die Möglichkeit, ihre Jahresgrundbezüge durch Einkommen aus Nebentätigkeiten zu erhöhen. Voraussetzung dafür ist eine Nebentätigkeitserlaubnis, die allerdings die überwiegende Zahl der Positionsinhaber besitzt. Zu den vereinbarten Nebentätigkeiten gehören zum Beispiel die ambulante Beratung und Behandlung sowie nichtstationäre Gutachtertätigkeiten. Die Höhe der Einkommen aus Nebentätigkeiten schwankt enorm: Hierbei werden pro Jahr Werte von wenigen tausend Euro, etwa in der Geriatrie, bis hin zu Beträgen von über 180.000 Euro in der Radiologie erreicht.

Gründe für die großen Vergütungsunterschiede

Für die Höhe der Chefarztvergütung spielen die Größe und der Standort der Klinik, die persönlichen Merkmale des Chefarztes sowie die ärztliche Fachrichtung und die Reputation eine erhebliche Rolle.

 

Größe und Standort des Krankenhauses

Ein Chefarzt in einem Krankenhaus mit bis zu 250 Beschäftigten verdient durchschnittlich 210.000 Euro und damit nur 56 Prozent von dem, was sein Kollege in einem Haus mit mehr als 2.000 Beschäftigten erhält.

 

Große Vergütungsunterschiede bestehen nach wie vor zwischen den alten und neuen Bundesländern. Die deutlich niedrigeren Chefarzteinkommen in den neuen Bundesländern (durchschnittlich 218.000 Euro) sind darin begründet, dass dort den Chefärzten wesentlich seltener ein Liquidationsrecht eingeräumt wird und die Höhe der Privatliquidationen geringer ausfällt. In Bereichen, in denen dies keine große Rolle spielt - etwa in der Geriatrie -, werden auch im Osten vergleichbare Vergütungen gezahlt.

 

Persönliche Merkmale

Bei den personenspezifischen Merkmalen ist besonders die Berufserfahrung ein Kriterium, das sich auf das Einkommen auswirkt. So erhält ein Chefarzt, der seine Position noch keine drei Jahre bekleidet, ein Jahreseinkommen von durchschnittlich 233.000 Euro. Sein Kollege, der schon über 20 Jahren Chefarzt ist, verdient 408.000 Euro.

 

Fachrichtung und Reputation

Auch die Fachrichtung und die Reputation beeinflussen die Vergütungshöhe erheblich. Die nachfolgende Tabelle zeigt am Beispiel der Inneren Medizin die Streuung der Einkommen in einer Fachabteilung und die unterschiedlichen durchschnittlichen Einkommen in verschiedenen Fachbereichen.

 

  • Einkommen der Chefärzte nach Fachabteilungen (in Tsd. Euro)
Innere Medizin
Grund-bezüge
Variable Vergütung
Neben-tätigkeit
Gesamt-
bezüge

Unteres Quartil

87

28

2

182

Median

122

124

18

249

Oberes Quartil

181

239

83

487

Durchschnitt

146

185

60

350

Chirurgie (Durchschnitt)

135

121

43

278

Gynäkologie/Geburtshilfe (Durchschnitt)

134

80

63

225

Radiologie (Durchschnitt)

124

227

130

380

Neurologie/Neurochirurgie/Psychiatrie/Psychosomatik (Durchschnitt)

115

61

33

197

Pädiatrie/Kinderklinik (Durchschnitt)

127

59

24

208

 

Die ausgewiesenen Werte für den Bereich Innere Medizin zeigen, dass der Durchschnitt immer über dem Median (der mittlere Wert aller Nennungen) liegt. Dies ist im Wesentlichen darin begründet, dass die Durchschnittswerte durch den Einfluss einzelner, sehr hoher Einkommen nach oben gezogen werden. Die Werte des unteren bzw. oberen Quartils bedeuten, dass jeweils 25 Prozent der Chefärzte noch unter bzw. über diesen Werten liegen.

 

Weiterführender Hinweis

  • Dieser Artikel basiert auf dem Kienbaum-Vergütungsreport „Führungs- und Fachkräfte in Krankenhäusern 2012“. Die Studie ist zum Preis von 800,- Euro (zzgl. USt.) zu beziehen bei der Kienbaum Vergütungsberatung, Ahlefelder Str. 47, 51645 Gummersbach, Tel. 02261 / 703-200, Fax 02261 / 703-201, www.kienbaum.de.
Quelle: Ausgabe 12 / 2012 | Seite 1 | ID 36952650