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  • · Fachbeitrag · Patientensicherheit

    Krankenhaushygiene zahlt sich aus ‒ auch ökonomisch!

    von Prof. Dr. Irit Nachtigall, MHBA, Vivantes Netzwerk für Gesundheit, Berlin, vivantes.de

    Die Prävention nosokomialer Infektionen (NI) ist zentraler Bestandteil der stationären Versorgung. NI führen zu verlängerten Aufenthalten, zusätzlicher Diagnostik und Therapie sowie zu erheblichen Belastungen für Personal und Infrastruktur. Präventionsmaßnahmen reduzieren diese Effekte erheblich. Gleichzeitig gewinnen digitale Systeme an Bedeutung, die Abläufe unterstützen und Datenstrukturen verbessern. Prävention, Surveillance und Digitalisierung wirken dabei synergistisch in der Praxis, wobei die Digitalisierung vor allem zur Arbeitserleichterung beiträgt.

    Ökonomische Bedeutung klassischer Präventionsmaßnahmen

    Nosokomiale Infektionen verursachen erhebliche direkte und indirekte Zusatzkosten. Verschiedene ökonomische Analysen zeigen, dass die Mehrkosten pro Infektion ‒ abhängig von Infektionstyp und Behandlungsumfeld ‒ im Bereich von 5.000 bis 25.000 Euro liegen. Besonders kostenintensiv sind gerade die besonders häufigen NI wie Blutstrominfektionen, ventilatorassoziierte Pneumonien, postoperative Wundinfektionen. Häufig sind daran multiresistente Erreger beteiligt, die in den letzten Jahren erheblich zunehmen, was u.a. mit unsachgemäßem Antibiotikagebrauch zu tun hat. Vor allem Blutstrominfektionen verursachen Mehrkosten von über 20.000 Euro pro Fall, postoperative Wundinfektionen bewegen sich meist im Bereich von 6.000 bis 12.000 Euro, und Clostridioides-difficile-Infektionen liegen ‒ abhängig vom Schweregrad ‒ im vier- bis fünfstelligen Bereich, wobei dies mit den häufigen Rezidiven noch deutlich kostenintensiver werden kann.

     

    Prävention kann diese Belastung substantiell reduzieren. Systematische Übersichtsarbeiten zeigen, dass zwischen 20 und 70 Prozent bestimmter Infektionen prinzipiell vermeidbar sind. Dabei kommt es auch auf die Ausgangslage an: Je schlechter diese ist, desto größer der Maßnahmeneffekt. Händehygieneprogramme, standardisierte Maßnahmenbündel und strukturierte Surveillance zeigen in verschiedenen Einrichtungen Rückgänge nosokomialer Infektionsraten zwischen 20 und 50 Prozent. Bei zentralvenenkatheterassoziierten Infektionen, Harnwegsinfektionen oder postoperativen Infektionen wurden je nach Ausgangsniveau Reduktionen zwischen 30 und 70 Prozent beschrieben.