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·Fachbeitrag ·Fortbildungspflicht

Fortbildungs-Richtlinie überarbeitet:Worauf Ärzte jetzt achten sollten!

| Der Gemeinsame Bundesausschuss hat die Richtlinie zur Fortbildungspflicht der Fachärztinnen und Fachärzte im Krankenhaus überarbeitet. Unklarheiten zum betroffenen Personenkreis, zu Zeitraum und Umfang der Fortbildungsverpflichtung sowie zum Nachweisverfahren wurden konkretisiert. Die neuen Regelungen gelten ab dem 1. Januar 2013. |

Hintergrund

Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) ist das oberste Beschlussorgan der Selbstverwaltung von Ärzten, Zahnärzten, Psychotherapeuten, Krankenhäusern und Krankenkassen. Er bestimmt unter anderem den Leistungskatalog für die rund 70 Mio. GKV-Versicherten. Nach § 137 Abs. 3 S. 1 Nr. 1 SGB V ist er verpflichtet, für zugelassene Krankenhäuser Beschlüsse über die zu erbringenden Fortbildungsnachweise der Ärzte zu fassen. Die entsprechenden Richtlinien haben Normcharakter und sind daher bindend.

Für wen gilt die Fortbildungspflicht?

Wie bisher gilt die Fortbildungspflicht für alle Fachärzte an „zugelassenen“ Krankenhäusern, also an solchen, die im Krankenhausplan eines Bundeslandes verzeichnet sind oder Versorgungsverträge mit den Krankenkassen geschlossen haben.

 

Psychotherapeuten und Jugendlichenpsychotherapeuten betroffen

Wichtig für Chefärzte an psychiatrischen bzw. psychosomatischen Kliniken: Psychologische Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sind von den Regelungen ebenfalls betroffen. Konkretisiert wird in der neuen Richtlinie die Fortbildungsverpflichtung für Ärzte in Teilzeitbeschäftigung sowie für Ärzte, die im Krankenhaus eine Verwaltungstätigkeit ausüben. Die Fortbildungspflicht gilt jeweils in vollem Umfang, und zwar „unabhängig vom zeitlichen Umfang und der Dauer“ der Tätigkeit.

 

PRAXISHINWEIS | Auch Ärzte, die nur in Teilzeit im Krankenhaus arbeiten, müssen somit die Fortbildungspflichten ohne Abstriche beachten - einen arbeitszeitbedingten „Rabatt“ gibt es also nicht.

Medizinische Tätigkeit entscheidet über Anwendung

Fachärzte im Controlling oder in anderen Bereichen der Klinik-Verwaltung unterliegen nicht der Fortbildungspflicht, wenn sie nicht in Diagnostik und Therapie eingebunden sind. Aber die Richtlinie besagt auch ausdrücklich: „Im Zweifel“ gilt die Fortbildungspflicht. Auch wer also als Facharzt für das Qualitätsmanagement des Krankenhauses verantwortlich ist und nur noch gelegentlich Dienste übernimmt, unterliegt der Fortbildungspflicht.

Wie und wann sind die Fortbildungen nachzuweisen?

Innerhalb von fünf Jahren müssen mindestens 250 Fortbildungspunkte erworben werden. Die Fortbildungen müssen „überwiegend fachgebietsspezifisch“ durchgeführt werden - in der alten Richtlinie war noch ein Wert von 150 Punkten angegeben. Wer unterscheidet jedoch zwischen fachgebietsspezifischer und sonstiger Fortbildung? Nach dem Text der neuen Richtlinie ist dies der „fortbildungsverpflichteten Person“ selbst vorbehalten.

 

Stellenwechsel und Neuaufnahme einer Tätigkeit

Grundsätzlich sind die Nachweise durch Fortbildungszertifikate der Ärztekammern im Abstand von fünf Jahren vorzulegen. Auch beim Stellenwechsel oder bei der ersten Aufnahme einer Krankenhaus-Tätigkeit ist das Fortbildungszertifikat vorzulegen. Es ist hingegen nicht vorzuweisen, wenn nach dem Erwerb der Facharztbezeichnung noch keine fünf Jahre vergangen sind.

 

Ausländische Ärzte und deutsche Rückkehrer aus dem Ausland

Keine konkrete Aussage trifft die Richtlinie zu ausländischen Kollegen, die bereits Fachärzte sind und in Deutschland neu anfangen, sowie zu deutschen Fachärzten, die aus dem Ausland zurückkehren. Die Mustersatzung der Ärztekammern zur Fortbildung besagen jedoch in § 12: „Im Ausland durchgeführte Fortbildungsmaßnahmen werden anerkannt, wenn sie den Voraussetzungen dieser Fortbildungsordnung ihrem Wesen nach entsprechen.“ Also gilt es in einem solchen Fall, entsprechende Nachweise zu sammeln.

 

Krankheit und Elternzeit

Der Zeitpunkt für den Fortbildungsnachweis kann für maximal zwei Jahre verschoben werden, wenn eine krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Monaten vorlag. Das Gleiche gilt für Fehlzeiten nach dem Mutterschutzgesetz sowie bei Elternzeit oder Pflegezeit.

Wer kontrolliert die Fortbildungsverpflichtung?

Die ärztliche Leitung eines Krankenhauses ist verantwortlich für die Einhaltung der Fortbildungsverpflichtungen. Sie muss mindestens einmal jährlich sicherstellen, dass für jeden Facharzt ein gültiges Fortbildungszertifikat vorliegt, das nicht älter als fünf Jahre ist. Die Umsetzung der Prüfpflicht muss im Qualitätsbericht des Krankenhauses dargestellt werden.

 

Bei Vertragsärzten kann die fortgesetzte Nichtbeachtung der Fortbildungspflicht zu Honorarkürzungen führen. Hingegen benennt die Richtlinie für den Bereich des Krankenhauses keine Sanktionen. Aber Krankenkassen und Krankenhausaufsicht - wahrgenommen zum Beispiel durch die zuständigen Bezirksregierungen - können unangenehme Fragen stellen.

 

PRAXISHINWEIS | Tumorkonferenzen, Qualitätszirkel, Morbiditäts- und Mortalitätsbesprechungen (sogenannte M&M-Konferenzen), Journal-Clubs und krankenhausinterne Fortbildungen bringen ebenfalls Fortbildungspunkte, wenn sie vorher bei den Ärztekammern angemeldet werden.

Quelle: Ausgabe 12 / 2012 | Seite 5 | ID 36965060