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  • · Fachbeitrag · coliquio-Gehaltsreport und Stimmungsbarometer 2025

    Paradox: Versorgung wird weiblich – Strukturen und Gehälter weiterhin männlich geprägt

    Neue coliquio-Reports 2025 zeigen massive Diskrepanzen: Während Ärztinnen erstmals die Mehrheit in der Versorgung stellen, offenbart der Gehaltsvergleich eine Lücke von 32 Prozent zu ihren männlichen Kollegen. Gleichzeitig leiden alle ärztlich Tätigen unter systembedingter Überlastung: 57 Prozent bewerten ihren Stresspegel als hoch bis sehr hoch.

     

    Die deutsche Ärzteschaft hat einen historischen Wendepunkt erreicht: Laut Bundesärztekammer sind erstmals über 50 Prozent der Berufstätigen weiblich. Die Auswertungen des neuesten Gehaltsreports 2025 (online unter iww.de/s15258) und dem aktuellen Stimmungsbarometer des Ärztenetzwerks coliquio (online unter iww.de/s15259) lassen das Bild einer Berufsgruppe erkennen, in der Ärztinnen strukturell benachteiligt werden – finanziell wie organisatorisch.

    Der 67.000-Euro-Graben zwischen Ärzten und Ärztinnen

    Zwar liegt nach Angabe der Befragten das durchschnittliche Bruttojahresgehalt über alle Fachgruppen hinweg bei soliden 155.300 Euro. Doch der Durchschnitt verdeckt eine tiefe Kluft zwischen den Geschlechtern. Während Ärzte im Schnitt 182.100 Euro erzielen, kommen Ärztinnen nur auf 114.800 Euro – eine Differenz von rund 67.300 Euro jährlich.

     

    Besonders alarmierend: Dieser „Gender Pay Gap“ lässt sich nicht allein durch die höhere Teilzeitquote bei Frauen (46 % vs. 18 % bei Männern) erklären. Selbst im direkten Vergleich von Vollzeitkräften verdienen Ärztinnen im Schnitt 32 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen (138.600 Euro vs. 203.700 Euro).

    Die „übersehene Hälfte“ fühlt sich unfair behandelt

    Diese harten Zahlen korrelieren stark mit der gefühlten Realität. Das coliquio-Stimmungsbarometer zeigt, dass sich Ärztinnen signifikant häufiger unfair vergütet fühlen als Ärzte. „Die Medizin ist weiblich geworden, aber die Karrierestrukturen und Vergütungsmodelle bilden diese Realität oft noch nicht ab“, ordnet die coliquio-Redaktion die Ergebnisse ein. „Ärztinnen sind eine tragende Säule der Versorgung. Dennoch berichten sie überproportional oft von fehlender Wertschätzung und strukturellen Hürden.“

    Systemischer Burnout: Belastung eint die Geschlechter

    Unabhängig vom Geschlecht zeigt das Stimmungsbarometer, dass die Belastungsgrenze vielerorts erreicht ist. 57 Prozent der Ärztinnen und Ärzte empfinden ihre Arbeitslast als „hoch“ oder „sehr hoch“. Die Ursachen verorten die Befragten nicht bei sich selbst, sondern im System. Die Top-Stressfaktoren sind:

    • „Luftarbeit“: Überbordende Bürokratie und Dokumentationspflichten rauben Zeit für die Medizin.
    • Personalmangel: Fehlende Fachkräfte in Pflege und Praxismanagement erhöhen den Druck auf das ärztliche Personal.
    • IT-Frust: Statt zu entlasten, sorgt eine instabile digitale Infrastruktur (Stichwort: TI-Ausfälle) für zusätzlichen Stress.

    Fachgruppen-Ranking und regionale Gefälle

    Der Report liefert zudem detaillierte Einblicke in die Verdienstmöglichkeiten nach Fachrichtung und Standort:

    • Spitzenreiter: Wer in der Augenheilkunde, Radiologie oder Kardiologie tätig ist, liegt gehaltlich weit vorne.
    • Schlusslichter: Am unteren Ende der Skala finden sich Fachgebiete wie die Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.
    • Standortfaktor: Baden-Württemberg führt das Gehaltsranking mit durchschnittlich 182.000 Euro an, während Ärztinnen und Ärzte in Berlin (131.100 Euro) und Sachsen-Anhalt (130.100 Euro) deutlich weniger verdienen.

    Appell an Politik und Industrie

    Die Ergebnisse der beiden Reports sind ein Weckruf – nicht nur für die Gesundheitspolitik, sondern auch für Healthcare-Unternehmen. Wer Ärztinnen und Ärzte erreichen will, muss verstehen, dass die Zielgruppe heterogener und belasteter ist als oft angenommen. Der Wunsch nach „weniger Papierkram“, „fairer Vergütung“ und „funktionierender IT“ dominiert die Wunschliste der gesamten Ärzteschaft deutlich vor anderen Faktoren.

    Quelle: ID 50664341