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01.07.2007 | Weiterbildung

Die wichtigsten Voraussetzungen für die Erteilung einer Weiterbildungsbefugnis

Fast alle Chefärzte streben sie schon kurz nach Beginn ihrer Tätigkeit an, für viele ist sie sogar Bestandteil des Arbeitsvertrages: die Weiterbildungsbefugnis. Eine möglichst weitreichende Befugnis erhöht das Prestige des Chefarztes und der Klinik. Assistenzärzte bewerben sich eher in Kliniken mit voller Weiterbildungsbefugnis – in Zeiten des Ärztemangels ein echter Wettbewerbsvorteil. 

 

Wie erhält man eine umfassende Weiterbildungsbefugnis? Wer bei dieser Frage zunächst an gute Kontakte zum Präsidenten seiner Ärztekammer denkt, liegt falsch. Gute Beziehungen zur Ärztekammer helfen vielleicht bei einer beschleunigten Bearbeitung eines Antrages. Für die Erteilung einer Weiterbildungsbefugnis gelten aber Spielregeln, die in den Weiterbildungsordnungen (WBO) der Ärztekammern festgehalten sind. Anhand der Musterweiterbildungsordnung werden hier die wesentlichen Inhalte erläutert. 

 

Welche Voraussetzungen für die Erteilung einer Weiterbildungsbefugnis gibt es? § 5 WBO nennt folgende Bedingungen: 

1. Die fachliche und persönliche Eignung

Ein „weiches“ Kriterium, das in der Praxis nur selten, dann aber meist in einem negativen Kontext angewendet wird. Beispiele hierfür sind: rassistische Äußerungen gegenüber ausländischen Patienten, sexuell anzügliches Fehlverhalten gegenüber Patienten und Schutzbefohlenen, wiederholte unsachliche – beleidigende – Kritik an Assistenzärzten vor den Patienten. Gravierendes Fehlverhalten gegenüber Patienten oder Kollegen – hierzu zählen auch Assistenzärzte in Weiterbildung – kann den Entzug der Weiterbildungsbefugnis nach sich ziehen.  

2. Die mehrjährige Tätigkeit nach Abschluss derentsprechenden Weiterbildung

Ein hartes Kriterium. Für die „großen“ Gebietsbezeichnungen in der Praxis kein Problem, da vor Antritt einer Chefarztposition eine mehrjährige Tätigkeit als Oberarzt und Facharzt die Regel ist. Anders sieht dies bei Zusatzbezeichnungen aus. Vielfach werden Zusatzbezeichnungen von Chefärzten erst im Laufe ihrer Tätigkeit als Chefarzt erworben. Die Erteilung einer Weiterbildungsbefugnis unmittelbar nach Erwerb der neuen Zusatzbezeichnung ist eigentlich ausgeschlossen. 

 

Praxistipp

Viele Kammern gewähren eine zumindest eingeschränkte Weiterbildungsbefugnis bereits kurzfristig nach dem Erwerb einer neuen Zusatzbezeichnung, wenn die entsprechende Tätigkeit schon langjährig ausgeübt wurde und darin weitergebildet wird.  

Beispiel

Prof. Sauerbruch jun. ist schon seit langem Facharzt für Chirurgie mit der Schwerpunktbezeichnung „Unfallchirurgie“. Er leitet bereits seit mehreren Jahren eine Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie. Vor zwei Monaten hat er die Zusatzweiterbildung „Spezielle Unfallchirurgie“ nach der neuen Weiterbildungsordnung erworben. Da er diese Tätigkeit schon seit Jahren ausübt und weiterbildet, erhält er hierfür auch zügig eine Weiterbildungsbefugnis.  

3. Befugnis nur für eine Facharztweiterbildung und/oder einen Schwerpunkt und/oder eine Zusatz-Weiterbildung

Erneut ein hartes Kriterium. Wichtig ist die Beachtung des Wortes „grundsätzlich“. Entgegen der umgangssprachlichen Bedeutung heißt dies nämlich: begründete Ausnahmen sind möglich.  

 

Beispiel

Ein Facharzt für Viszeralchirurgie und Gefäßchirurgie kann eine Weiterbildungsbefugnis nur für einen dieser beiden Schwerpunkte erhalten. Wenn das Leistungsspektrum der Abteilung es zulässt und ein besonderes Engagement in der Weiterbildung vorliegt, könnten jedoch zwei Befugnisse für die Vermittlung der Zusatzbezeichnungen „Medikamentöse Tumortherapie“ und „Proktologie“ erteilt werden. 

4. Die persönliche Leitung

Die Weiterbildung muss nicht ausschließlich höchstpersönlich vermittelt werden, sie kann auch delegiert werden. Der Weiterbildungsbefugte trägt jedoch die Verantwortung für die inhaltliche Ausgestaltung und Umsetzung. Kein Weiterbildungsbefugter sollte Assistenzärzte in die Facharztprüfung schicken, von deren Qualifikation er sich nicht zuvor persönlich überzeugt hat. Peinliche Diskrepanzen zwischen blumigen Aussagen im Weiterbildungszeugnis und den Prüfungsleistungen eines Kandidaten können sonst zur Reduzierung oder sogar zum Entzug der Weiterbildungsbefugnis führen. 

5. Die inhaltliche Gestaltung entsprechend derWeiterbildungsordnung

Leider keine Selbstverständlichkeit: Immer wieder müssen Ärztekammern feststellen, dass – insbesondere in operativen Fächern – die Vorgaben der Weiterbildungsordnung und die tatsächlich vermittelten Kenntnisse und Fertigkeiten nicht übereinstimmen.  

6. Der Umfang der Befugnis

Ein wichtiger Punkt. Hierzu heißt es in der WBO: „Für den Umfang der Befugnis ist maßgebend, inwieweit die an Inhalt, Ablauf und Zielsetzung der Weiterbildung gestellten Anforderungen durch den befugten Arzt unter Berücksichtigung des Versorgungsauftrages, der Leistungsstatistik sowie der personellen und materiellen Ausstattung der Weiterbildungsstätte erfüllt werden können.“ 

 

Als Faustregel kann hier gelten: Wer die gesamte Breite des Leistungsspektrums in so ausreichender Fallzahl mit seiner Abteilung erbringt, dass die Facharztqualifikation ohne Probleme vermittelt werden kann, hat Anspruch auf die volle Weiterbildungsbefugnis.  

 

Wichtig: Bei der Angabe der Leistungsstatistik keine Schätzungen und gerundete Zahlen nennen, sondern zumindest bei den relevanten Eingriffen exakte Angaben machen. Ausführungen wie „Ösophagusresektionen: ca. 50“ oder „ERCPs: mehr als 250“ führen zu Nachfragen.  

7. Das gegliederte Programm für die Weiterbildung zum Facharzt

In anderen Länder ist es längst Standard, in Deutschland nun auch Bestandteil der neuen WBO: Wer eine Befugnis beantragt, muss seinem Antrag ein gegliedertes Programm beifügen. Die Programme müssen klinikindividuell erstellt werden. Darin ist zum Beispiel aufzuführen, welche Inhalte der WBO in welchem Abschnitt der Weiterbildung vermittelt werden, wann Rotationen in Funktionseinheiten – wie Endoskopie oder Intensivstation – vorgesehen sind etc. Wichtig: „Der zur Weiterbildung befugte Arzt muss dieses gegliederte Programm den unter seiner Verantwortung Weiterzubildenden aushändigen“. 

 

Noch verlangen nicht alle Ärztekammern diese gegliederten Programme. Mit fortschreitender Umsetzung der neuen WBO wird jedoch verstärkt auf die Erfüllung dieser Pflicht geachtet werden. 

 

Quelle: Ausgabe 07 / 2007 | Seite 10 | ID 109989