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01.08.2003 | Weiterbildung

Die neuen Qualifikationswege in der novellierten Muster-Weiterbildungsordnung

Der Deutsche Ärztetag hat im Mai diesen Jahres eine novellierte Muster-Weiterbildungsordnung (M-WBO) beschlossen (siehe auch "Chefärzte-Brief" Nr. 6/2003). Der Vorstand der Bundesärztekammer hat am 18. Juli auftragsgemäß auch die Details zu den inhaltlichen Anforderungen in den verschiedenen Weiterbildungsgängen verabschiedet. Somit ist die Novelle nun komplett und gültig und wird den Landesärztekammern zur Übernahme in deren jeweiligen Zuständigkeitsbereichen empfohlen (Den vollständigen Text erhalten Sie unter: www.bundesaerztekammer.de; Themen A bis Z; Weiterbildung; Novelle). Es wird damit gerechnet, dass innerhalb eines Jahres diese Mustervorgabe von allen Landesärztekammern nahezu identisch übernommen wird.

Die Richtlinien über Weiterbildungsinhalte stehen noch aus

Bis dahin sollen in Richtlinien über den Inhalt der Weiterbildung differenzierte und quantifizierte Anforderungen - beispielsweise in Form von OP-Katalogen - zur Verfügung stehen. Diese dienen dem Weiterbilder und den Ärztekammern dazu, das Weiterbildungsniveau messbar und transparent zu machen. Insbesondere auch an diesen Mengengerüsten werden sich die Weiterbildungsbefugnisse orientieren.

Der aktuell gültige Richtlinienkatalog enthält teilweise überholte Inhalte und unrealistische Mindestzahlen. In Zeiten der Leistungstransparenz mittels Prozedurenverschlüsselung würden überhöhte Mindestzahlen Fragen zur Sinnhaltigkeit solcher Regelungen im ärztlichen Bildungssystem aufwerfen müssen. Letztlich kann der von der Ärztekammer befugte Weiterbilder am besten die Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten seines Weiterbildungsassistenten beurteilen. Kataloge haben demgegenüber einen sehr begrenzten Wert und auch die Prüfungskommissionen bei den Landesärztekammern können die Urteilskraft des persönlichen Weiterbilders nicht annähernd aufwiegen.

Die Abschlüsse nach altem Weiterbildungsrecht behalten ihre Gültigkeit

Die nach der dann alten Weiterbildungsordnung erworbenen Weiterbildungsbezeichnungen - die nicht mehr Gegenstand der neuen Weiterbildungsordnung sind - dürfen weitergeführt werden. Alle Qualifikationsnachweise behalten grundsätzlich ihre Gültigkeit. Als Gebiet wird nur die Nervenheilkunde - deren Facharztweiterbildung eine Mischung aus drei Jahren Neurologie sowie drei Jahren Psychiatrie und Psychotherapie darstellt - ersatzlos aus dem Fächerkanon gestrichen. Bei den Bereichen fallen die Zusatzbezeichnungen Bluttransfusionswesen, Medizinische Genetik und Umweltmedizin aus dem Weiterbildungsrecht heraus. Alle anderen bisherigen Weiterbildungsbezeichnungen finden sich entweder identisch oder modifiziert auch in der neuen M-WBO.

Was ist mit den Ärzten, die sich mitten in einer Weiterbildung befinden?

Wer sich bei In-Kraft-Treten der neuen Weiterbildungsordnung in einer Facharztweiterbildung befindet, kann diese innerhalb einer Frist von sieben Jahren nach den alten Bestimmungen abschließen. Wer sich nach Facharztanerkennung bereits in einer Weiterbildung zum Schwerpunkt befindet, kann diese noch innerhalb einer Frist von drei Jahren nach den alten Bestimmungen abschließen. Wer also noch keinen anerkannten Facharzt hat und den Schwerpunkt unbedingt nach altem Recht machen möchte, der sollte seine Facharztprüfung möglichst innerhalb des nächsten Jahres ablegen. Wer sich in der Weiterbildung in einem Bereich befindet, hat ebenfalls noch eine Frist von drei Jahren für einen Abschluss nach altem Recht. Wer sich nach Facharztanerkennung in der Weiterbildung zu einer Fakultativen Weiterbildung oder einer Fachkunde befindet, kann diese innerhalb einer Frist von zwei Jahren nach den alten Bestimmungen abschließen. Diese beiden Qualifikationsebenen fallen in der neuen Weiterbildungsordnung weg. Erworbene Zertifikate behalten natürlich ihre Gültigkeit und dürften mittlerweile auch öffentlich geführt werden.

Die Fristen haben wir in der folgenden Tabelle noch einmal dargestellt:

Wenn sich der Arzt nach In-Kraft-Treten der neuen M-WBO in einer Weiterbildung nach alten Bestimmungen befindet: Die Fristen im Überblick
WeiterbildungFrist
Facharztweiterbildunginnerhalb von sieben Jahren
Weiterbildung zum Schwerpunktinnerhalb von drei Jahren
Weiterbildung in einem Bereichinnerhalb von drei Jahren
Weiterbildung für eine Fakultative Weiterbildung oder eine Fachkundeinnerhalb von zwei Jahren

Die Rechtsprechung gewichtet das Recht zur informationellen Selbstbestimmung des Patienten höher als restriktive berufsrechtliche Standesregelungen. Zumindest gilt dies für Qualifikationsnachweise von öffentlich-rechtlichen Institutionen - wie zum Beispiel Landesärztekammern. Aber das Informationsrecht lässt sich grundsätzlich auch für Zertifikate von wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Anspruch nehmen.

So läuft es bei den neuen Weiterbildungsgängen ab

Wer bei Einführung einer gänzlich neuen Qualifikation im Weiterbildungsrecht (siehe dazu die Tabellen auf den Seiten 12 und 13) auf diesem neuen Gebiet, im neuen Schwerpunkt oder in der neuen Zusatz-Weiterbildung bereits tätig war, kann innerhalb einer Frist von drei Jahren die Zulassung zur Prüfung darin beantragen.

Bei Antragstellung muss nachgewiesen werden, dass innerhalb der letzten acht Jahre vor der Neueinführung wenigstens im gleichen Umfang der neuen regulären Mindestweiterbildungszeiten eine regelmäßige Tätigkeit an Weiterbildungsstätten bzw. vergleichbaren Einrichtungen erfolgte. Aus dem Nachweis muss hervorgehen, dass der Antragsteller in dieser Zeit überwiegend im betreffenden neuen Gebiet, Schwerpunkt oder der entsprechenden Zusatz-Weiterbildung tätig gewesen ist und dabei umfassende Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten erworben hat.

Dabei können zusätzlich zu den acht zurückliegenden Jahren auch Tätigkeitsabschnitte innerhalb der dreijährigen Antragsfrist berücksichtigt werden. Die Mitglieder der ersten Prüfungskommissionen müssen allerdings "per Ritterschlag" ernannt werden, da sie naturgemäß selbst noch keine Prüfer finden können. Wer also eine neue Weiterbildungsbezeichnung renommiert besetzt, sollte sich der Landesärztekammer rechtzeitig zu erkennen geben.

 Neue Qualifikationswege im Weiterbildungsrecht 

Weiterbildungs-bezeichnungQualifikations-ebeneVoraussetzungMindestzeit
Innere und AllgemeinmedizinFacharztArzt60 Monate
Orthopädie und UnfallchirurgieFacharztArzt72 Monate
Psychosomatische Medizin und PsychotherapieFacharztArzt60 Monate
ForensischePsychiatrieSchwerpunktFacharzt für Psychiatrie und Psychotherapie36 Monate
Gynäkologische OnkologieSchwerpunktFacharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe36 Monate
Kinder-Hämatologie und -OnkologieSchwerpunktFacharzt für Kinder- und Jugendmedizin36 Monate
NeuropädiatrieSchwerpunktFacharzt für Kinder- und Jugendmedizin36 Monate
AkupunkturZusatz-
Weiterbildung
Facharzt200 Stunden
AndrologieZusatz-
Weiterbildung
Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten, Urologie oder Innere Medizin mit Schwerpunkt Endokrinologie und Diabetologie18 Monate
DiabetologieZusatz-
Weiterbildung
Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Innere und Allgemeinmedizin oder Innere und Schwerpunkt*18 Monate
DermatohistologieZusatz-
Weiterbildung
Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten **24 Monate
HämostaseologieZusatz-
Weiterbildung
Facharzt für Anästhesiologie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Kinder- und Jugendmedizin, Laboratoriumsmedizin, Neurologie, Transfusionsmedizin, Innere und Allgemeinmedizin, Innere und Schwerpunkt oder im Gebiet Chirurgie12 Monate
InfektiologieZusatz-
Weiterbildung
Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Innere und Allgemeinmedizin oder Innere und Schwerpunkt12 Monate
Kinder-
Endokrinologie und
Diabetologie
Gastroenterologie

Nephrologie

Pneumologie

Rheumatologie

Zusatz-
Weiterbildung
Zusatz-
Weiterbildung
Zusatz-
Weiterbildung
Zusatz-
Weiterbildung
Zusatz-
Weiterbildung

Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin

36 Monate

18 Monate

36 Monate

36 Monate

18 Monate
Kinder-OrthopädieZusatz-
Weiterbildung
Facharzt für Kinderchirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie oder auch für Chirurgie bzw. Orthopädie mit Schwerpunkt Unfallchirurgie18 Monate
Magnetresonanz-tomographie (fachgebunden)Zusatz-
Weiterbildung
Facharzt***24 Monate
Medikamentöse
Tumortherapie
Zusatz-
Weiterbildung
Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Neurologie, Urologie, Innere Medizin und Allgemeinmedizin, Innere Medizin und Schwerpunkt oder in einem chirurgischen Fach****12 Monate
NotfallmedizinZusatz-
Weiterbildung
24 Monate Weiterbildung6 Monate und 80 Stunden, 50 Einsätze
PalliativmedizinZusatz-
Weiterbildung
Facharzt12 Monate(ersatzweise auch 120 Stunden) und 40 Stunden
ProktologieZusatz-
Weiterbildung
Facharzt für Allgemeine Chirurgie, Kinderchirurgie, Visceralchirurgie, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Innere und Allgemeinmedizin, Innere Medizin und Gastroenterologie oder Urologie12 Monate
SchlafmedizinZusatz-
Weiterbildung
Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Innere Medizin und Pneumologie, Kinder- und Jugendmedizin, Neurologie oder Psychiatrie und Psychotherapie18 Monate
Spezielle
Unfallchirurgie
Zusatz-
Weiterbildung
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie oder auch für Chirurgie bzw. Orthopädie mit Schwerpunkt Unfallchirurgie36 Monate

* obligater Bestandteil der Schwerpunktweiterbildung in Endokrinologie und Diabetologie

** obligater Bestandteil der Facharztweiterbildung in Pathologie

*** obligater Bestandteil der Facharztweiterbildung in Radiologie

**** obligater Bestandteil der Facharztweiterbildung in Strahlentherapie und in den
internistischen Schwerpunktweiterbildungen in Gastroenterologie, Hämatologie und
Onkologie, Pneumologie sowie in Kinder-Hämatologie und -Onkologie und in
Gynäkologische Onkologie

Ausblick

In einer der nächsten Ausgaben des "Chefärzte-Brief" werden wir Ihnen aufzeigen, welche Möglichkeiten Sie bei der Umbenennung von alten in neue Weiterbildungsbezeichnungen auf dem Boden spezieller Übergangsbestimmungen für veränderte bzw. zusammengefasste Weiterbildungsgänge haben.

Quelle: Ausgabe 08 / 2003 | Seite 10 | ID 96814