logo logo
Meine Produkte: Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen. Anmelden
Menu Menu
MyIww MyIww
Jetzt testen

01.11.2003 | Qualitätsmanagement

KPQR - ein neues Zertifizierungssystem auch für Klinikambulanzen

Während Qualitätsmanagement (QM) und Zertifizierung für stationäre Einrichtungen im Gesundheitswesen schon länger ein Thema sind, verhielten sich die ambulant tätigen Ärzte eher zurückhaltend. Die kleinen ambulanten Einheiten, die zur Zeit genau wie die Kliniken unter erheblichem finanziellen Druck stehen, scheuen besonders den zum Teil hohen Aufwand und auch die Kosten, die mit der Einführung eines Qualitätsmanagements in der Praxis verbunden sind. Deshalb hat die KV Westfalen-Lippe (KVWL) durch die Prinarum GmbH in Bottrop ein eigenes QM-Modell erstellen lassen und bietet ihren Mitgliedern nun eine Zertifizierung nach diesem System an.

Auch Ärzte in anderen Regionen können das Modell nutzen, die Zertifizierung muss dann allerdings über andere Zertifizierungsstellen erfolgen. KPQR (= KVWL-Praxis-Qualitätsmanagement) enthält einige Besonderheiten, die auch für Klinikambulanzen sehr interessant sein könnten. Wir stellen Ihnen das Modell vor und zeigen die Kosten sowie die Vor- und Nachteile auf.

Was genau ist KPQR?

KPQR soll einen leichten Einstieg ins Qualitätsmanagement ermöglichen und dabei zu weiterführenden QM-Systemen vollständig kompatibel sein. Ziel war es, bekannte Qualitätsmanagement-Elemente unter Beachtung von ISO- und EFQM-Forderungen sowie Aspekten des Disease-Managements so an den Praxisalltag anzupassen, dass die Nutzer frühzeitig einen Benefit wahrnehmen können. In jeder Einrichtung bereits vorhandene - von anderen Institutionen geforderte - Merkmale der Strukturqualität werden in das System integriert. Besonders wichtig waren der KVWL die schnelle sowie pragmatische Umsetzbarkeit des Systems und eine konsequente Kostenbegrenzung.

Die Kosten der KPQR

Die Gesamtkosten einer KPQR-Einführung liegen für eine kleine Praxis deutlich unter 2.000 Euro, die der eigentlichen Zertifizierung bei ca. 700 Euro. Das ist weniger als ein Viertel der Kosten, die eine Zertifizierung nach der DIN EN ISO 9001 auslösen würde. Außerdem kann jede Einrichtung, die nach KPQR zertifiziert worden ist, mit deutlich verringertem Aufwand bei der Umsetzung der DIN oder auch des EFQM-Modells rechnen.

Erste Anforderung: Erstellen eines Qualitätshandbuchs

Eine Einrichtung, die nach KPQR zertifiziert werden will, muss zunächst ein Qualitätshandbuch vorlegen. Dieses Handbuch soll sich an die in der folgenden Tabelle dargestellten Strukturvorgaben halten.

 Tabelle: Basisstruktur des KPQ-Handbuchs 

Kapitel 1: Kurzdarstellung der Klinikambulanz/Vertragsarztprax

Kapitel 2: Qualitätspolitik der Klinikambulanz/Vertragsarztpraxis

Kapitel 3: Kernprozesse

Kapitel 3.1: Kernprozess 1

Kapitel 3.2: Kernprozess 2

Kapitel 3.3: usw.

Im Qualitätshandbuch sollte zunächst die Einrichtung wie folgt dargestellt werden:

  • Welcher Fachrichtung gehört die Ambulanz an?
  • Wie viele Ärzte sind tätig?
  • Wie viele Krankenschwestern/Helferinnen werden beschäftigt?
  • Wie viele Patienten werden behandelt?
  • Wo liegen die Schwerpunkte der Ambulanz?
  • Welche technischen Möglichkeiten sind vorhanden?
  • Seit wann besteht sie?

    Dieser Teil des Handbuchs soll dem Auditor einen allgemeinen Eindruck der zu beurteilenden Praxis vermitteln. Um ein möglichst umfassendes Bild von der Einrichtung zu vermitteln, kann und soll hier jede Information untergebracht werden, die für wichtig gehalten wird.

    Zweite Anforderung: Darstellung der Qualitätspolitik

    Im zweiten Teil muss die Führung der Einrichtung ihre Qualitätspolitik darstellen. Sie soll klarmachen, warum in der Ambulanz Qualitätsmanagement eingeführt wird und welche Ziele kurz-, mittel- und langfristig erreicht werden sollen. Die Ambulanzführung muss hier ihre Grundsätze darlegen. Schlagworte wie Patientenorientierung, Mitarbeiterorientierung oder der Wille zur Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens sollen näher erläutert und konkrete Maßnahmen zu ihrer Umsetzung dargestellt werden.

    In KPQR - wie in jedem QM-System - ist es wichtig, dass die Entwicklung einer langfristigen Strategie und die Definition von Zielvorgaben für das Unternehmen klar geregelt sind. Hier geht es weniger um die Darstellung moralischer Ansprüche, entscheidend ist vielmehr die Identifizierung deutlicher und umsetzbarer Ziele. Diese Ziele kann in jedem Unternehmen nur die oberste Führung - das heißt der Chef der Klinikambulanz - vorgeben. Er soll wissen, wohin er mit seiner Ambulanz in den nächsten Jahren will. Ein wichtiges Ziel ist zum Beispiel, ausreichende Einnahmen zu erzielen. Erfahrungsgemäß wird die Erstellung der Zielvorgaben von den meisten Ärzten als sehr mühsam empfunden.

    Dritte Anforderung: Beschreibungen der Kernprozesse

    Den umfangreichsten Teil des Handbuches nehmen dann die Beschreibungen der so genannten Kernprozesse ein. Diese werden im KPQR-System anders definiert als allgemein üblich. Während man im Qualitätsmanagement unter Kernprozessen alle Tätigkeiten versteht, die eine Basisleistung der Organisation darstellen (zum Beispiel Operationen in einem ambulanten OP-Zentrum) und die nicht von externen Dienstleistern ausgeführt werden können, bezeichnet KPQR jede für die Praxis elementar wichtige Tätigkeit als Kernprozess. Für eine erfolgreiche Zertifizierung wird die Darstellung von mindestens zehn Prozessen gefordert. Hierbei müssen die Bereiche "Medizinische Versorgung", "Personalmanagement" und "Administration" jeweils mindestens einmal abgedeckt werden.

    Die Darstellung soll in Form eines Ablaufdiagramms - den so genannten Flowcharts - erfolgen. Hierbei handelt es sich um eine im technischen Bereich sehr verbreitete Form der Prozessdarstellung. Unter Zuhilfenahme von nur vier Symbolen können mit dieser Technik Abläufe inklusive der notwendigen Entscheidungen eindeutig dargestellt werden. Die primär geforderten zehn Prozessbeschreibungen können natürlich nicht die Arbeitsabläufe einer ganzen Praxis abbilden. Sie sollen vielmehr klarmachen, wie sinnvoll eine solche Darstellung der Abläufe ist und somit "Appetit auf mehr" machen. Ein wichtiger Vorgang, der durch KPQR initialisiert werden soll, ist die "kontinuierliche Verbesserung" wie sie von Deming beschrieben wurde. In den sich stets wiederholenden Schritten


    Planen -> Umsetzen -> Rückschau / Analyse -> verbesserte Planung

    wird jede Tätigkeit ständig optimiert. Nach der primären Planung erfolgt die Umsetzung der Maßnahmen. Im nächsten Schritt wird dann evaluiert, ob die angestrebten Ziele vollständig erreicht wurden und wo noch Verbesserungen möglich sind. Durch Modifikation der Planung wird dann die nächste Runde des Zyklus eingeleitet. Der Deming-Zyklus der kontinuierlichen Verbesserung basiert auf der festen Überzeugung, dass die einzige Alternative zur Verbesserung ist, schlechter zu werden. Er stellt die Basis jeder Form von Qualitätsmanagement dar.

    Vor- und Nachteile des neuen Systems

    Die Vorteile liegen in der schnellen, kostengünstigen Implementierbarkeit und der jederzeit vorhandenen Möglichkeit, auf eines der etablierten Systeme umzuschwenken.

    Ein Nachteil ist in der zur Zeit noch geringen lokalen Verbreitung des Verfahrens und den erst ansatzweise vorliegenden Erfahrungen zu sehen.

    Fazit

    Das hier dargestellte - primär für Praxen entwickelte - Qualitätsmanagementsystem eignet sich auch für Klinikambulanzen und andere medizinische Einrichtungen ähnlicher Größenordnung. Es ermöglicht einen ersten systematischen Einstieg ins Qualitätsmanagement und bringt den Beteiligten die notwendigen Techniken und Verfahren nahe. Somit wird eine solide Grundlage für weitergehende Aktivitäten geschaffen.

    Weitere Informationen zu KPQ

    Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie entweder direkt beim Unternehmen, das das QM-Modell erstellt hat: Prinarum GmbH, 46244 Bottrop-Kirchhellen, Tel. 02045/ 818 79, oder im Internet unter

    http://www.kvwl.de/arzt/kv-infos/kv_kurzinfo/kurzinfo_2003_06_03.htm

    http://www.q-m-a.de/6qmsysteme/0index/5kpqmodell/view

    http://www.qm@prinarum.de

     Im Überblick: Das KTQ-System 

  • KPQR heißt KVWL-Praxis-Qualitätsmanagement.
  • In Westfalen-Lippe bietet die KV dieses QM-System für Praxen an. Das Verfahren eignet sich auch für Klinikambulanzen und ähnliche Einrichtungen.
  • Das System ist kompatibel zu den großen QM-Systemen wie DIN und EFQM.
  • Es ist schnell und mit niedrigen Kosten zu implementieren.
  • Eine Zertifizierung nach dem KPQR-System ist möglich.
    Quelle: Ausgabe 11 / 2003 | Seite 6 | ID 96830