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01.03.2003 | Qualitätsmanagement im Krankenhaus

KTQ, Teil 3: Diese Kosten kommen auf Sie zu!

In den ersten Beiträgen dieser Serie hatten wir uns mit der Modellbeschreibung und optimalen Vorgehensweise bei KTQ ("Chefärzte-Brief" Nr. 1/2003, Seite 13) sowie dem Ablauf des Besuchs eines Visitationsteams im Krankenhaus (Nr. 2/2003, Seite 4) befasst. In diesem dritten und letzten Beitrag geht es um die Kosten, die auf eine Klinik zukommen, wenn sie eine KTQ-Zertifizierung anstrebt.

Zunächst fallen die Kosten für die Einführung bzw. den Ausbau des Qualitätsmanagements und die Erstellung des Selbstbewertungsberichts an. Diese sind sicherlich vom Ausgangszustand des Hauses abhängig und sehr variabel. Später entstehen dann die direkt mit der Visitation und der Zertifikatserstellung zusammenhängenden Summen.

Für die Visitoren sowie die oder den Visitationsbegleiter stellt die Zertifizierungsstelle pro Tag 1.000 Euro in Rechnung. Bei mindestens drei Visitoren (Ärztlicher Dienst, Pflege, Verwaltung) und drei Visitationstagen sowie einem Vorbesprechungstag ist hier mit Kosten von 16.000 Euro und - bei größeren Häusern - auch mehr zu rechnen. Reise- und Unterbringungskosten für das Visitationsteam werden separat in Rechnung gestellt. Für die Ausstellung des Zertifikats sind 2.000 Euro an die KTQ gGmbH zu zahlen.

KTQ-Zertifizierung wohl nicht preiswerter als eine Zertifizierung nach der DIN/EN/ISO 9001

Das Entgelt für das Zertifizierungsunternehmen, das ja die gesamte Organisation des Verfahrens übernimmt, kann frei ausgehandelt werden. Hier liegen noch keine Angaben zur Größenordnung vor. Insgesamt muss davon ausgegangen werden, dass eine KTQ-Zertifizierung nicht preiswerter für ein Haus zu erlangen sein wird als zum Beispiel eine Zertifizierung nach der DIN/EN/ISO 9001 - obwohl dies zumindest in der Startphase des Projekts von den Trägern als ein Ziel angegeben worden ist.

Sechs deutsche Krankenhäuser waren bis Mitte Januar zertifiziert

Bis Mitte Januar 2003 waren insgesamt sechs deutsche Krankenhäuser zertifiziert, eines davon nach dem ProCum Cert-Verfahren, das einige leichte Modifikationen und eine Erweiterung von KTQ darstellt. Die "ProCum Cert GmbH" - eine Zertifizierungsgesellschaft für konfessionelle Krankenhäuser - hat sich die Aufgabe gestellt, die Qualität in den kirchlichen Krankenhäusern und sozialen Einrichtungen Deutschlands zu sichern und weiter zu entwickeln. Die KTQ gGmbH hat folgende Träger:

  • Katholischer Krankenhausverband Deutschlands e. V. (KKVD)
  • Deutscher Caritasverband e. V. (DCV)
  • Deutscher Evangelischer Krankenhausverband e. V. (DEKV)
  • Diakonisches Werk der EKD e. V. (DWdEKD)
  • Deutsche Gesellschaft zur Zertifizierung von Managementsystemen GmbH (DQS)
  • Ecclesia Versicherungsdienst GmbH.
    Ausschließlich konfessionelle Häuser werden zertifiziert

    Die KTQ gGmbH zertifiziert ausschließlich konfessionelle Häuser. Der Kriterienkatalog wurde um zwei zusätzliche Kategorien - nämlich "Spiritualität" und "Verantwortung gegenüber der Gesellschaft" - erweitert. Die Anforderungen an die "Krankenhausführung" sind höher als bei KTQ und in den Kategorien 5, 7 und 8 wurden insgesamt 33 zusätzliche Kriterien eingefügt. Außerdem verlangt ProCum Cert für alle Kriterien den kompletten PDCA-Zyklus und gewichtet alle Kriterien gleich, kennt also keine Kernkriterien. Die Erteilung eines ProCum Cert-Zertifikats schließt das KTQ-Zertifikat mit ein.

    Wo liegen die Vorteile und Nachteile des Systems?

    Kommen wir abschließend zu einer Bewertung des beschriebenen QM-Modells. Es hat sicherlich einige große und wichtige Vorteile:

  • Es ist der einzige in Deutschland vorhandene "krankenhausspezifische Ansatz" der QM-Darlegung.
  • Die Einbindung der "3 Säulen" in das peer-review-System führt zu einer hohen Akzeptanz des Systems bei allen im Krankenhaus Tätigen.
  • Die Trägerorganisationen haben ein hohes politisches Gewicht.
  • Gegebenenfalls in einer Klinik schon vorhandene ISO- und EFQM-Elemente lassen sich in das KTQ-System leicht integrieren.

    Es müssen jedoch auch einige Nachteile aufgezählt werden, die das System hat:

  • Es handelt sich um ein neues, wenig getestetes System, für das kaum Erfahrungswerte vorliegen.
  • Während der Pilotphase des Projekts tauchten immer wieder Gerüchte über Intransparenzen auf, die dem Ansehen des Systems geschadet haben könnten.
  • Die Kosten einer KTQ-Zertifizierung sind mit denen anderer Zertifizierungsverfahren zumindest vergleichbar, wenn nicht höher.

    Ein zusätzliches Problem bringt das neue Fallpauschalgesetz: Dieses schreibt in § 137 SGB V Qualitätsberichte in zweijährigen Abständen vor. Diese Frist überschneidet sich mit den dreijährigen Re-Zertifizierungsintervallen nach KTQ. Das führt dazu, dass die betroffenen Kliniken praktisch in jedem Jahr einen Qualitätsbericht erstellen müssen.

    Wie sollte der Chefarzt am besten vorgehen?

    Die optimale Lösung liegt in einer differenzierten Vorgehensweise: Das Haus sollte Qualitätsmanagement betreiben, um konkurrenzfähig zu bleiben und auf aktuelle Anforderungen reagieren zu können. Hier sei daran erinnert, dass es auch möglich ist, mit den KTQ-Katalogen zu arbeiten, ohne sich anschließend zertifizieren zu lassen. Die beschriebenen Kriterien bieten eine große Praxisnähe und gute Anleitung.

    Aus Gründen der Außendarstellung kann auch eine Zertifizierung nach KTQ sinnvoll sein. Für einzelne Bereiche - insbesondere wenn sie forensisch sensibel sind - sollte unabhängig davon über eine DIN-Zertifizierung nachgedacht werden. Dieses System ist - zumindest im Augenblick - das einzige von der Justiz anerkannte in Deutschland. Da die Kosten einer solchen Zertifizierung von der Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Abteilung abhängt, können zum Beispiel Apotheke oder Medizintechnik eines Hauses dieses Zertifikat mit relativ geringen Mehrkosten erreichen.

    Quelle: Ausgabe 03 / 2003 | Seite 13 | ID 96771