logo logo
Meine Produkte: Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen. Anmelden
Menu Menu
MyIww MyIww
Jetzt testen

04.03.2008 | Privatliquidation

Konsile bei Privatpatienten richtig abrechnen

von Dr. med. Bernhard Kleinken, PVS Consult, Köln

Konsile werden bei Privatpatienten offenbar öfter erbracht als abgerechnet. Dies ist das Ergebnis einer Stichprobe der Privatärzt-lichen Verrechnungsstelle (PVS), in der Behandlungsunterlagen und Privatliquidationen von Ärzten verglichen wurden. 

Abrechnungsvoraussetzungen für Konsile

In den folgenden Erläuterungen wird aufgezeigt, dass die Voraussetzungen in der GOÄ relativ weit gefasst sind.  

 

Konsiliarische Erörterung nach Nr. 60 GOÄ

GOÄ-Nr. 

Leistungslegende 

Punkte 

60 

Konsiliarische Erörterung zwischen zwei oder mehr liquidationsberechtigten Ärzten, für jeden Arzt 

 

120 

 

Bei der Abrechnung des Konsils sind verpflichtend folgende Anmerkungen zu beachten: Nr. 60 GOÄ ... 

 

  • ... darf nur berechnet werden, wenn sich der liquidierende Arzt zuvor oder in unmittelbarem zeitlichem Zusammenhang ... persönlich mit dem Patienten und dessen Erkrankung befasst hat,
  • ... darf auch dann berechnet werden, wenn die Erörterung zwischen einem liquidationsberechtigten Arzt und dem ständigen persönlichen ärztlichen Vertreter eines anderen liquidationsberechtigten Arztes erfolgt,
  • ... darf nicht berechnet werden, wenn die Ärzte Mitglieder derselben Gemeinschaftspraxis oder einer Praxisgemeinschaft von Ärzten gleicher oder ähnlicher Fachrichtung sind,
  • ... ist nicht ansatzfähig für routinemäßige Besprechungen.

 

Auf folgende Details ist zu achten: 

 

Umfang und Dauer des Konsils

Eine „konsiliarische Erörterung“ ist mehr als nur ein Befundaustausch oder eine Erkundigung nach Umständen. Ein Konsil wird nur dann erbracht, wenn die Besprechung der Beratung des weiteren diagnostischen und/oder therapeutischen Vorgehens dient. Die GOÄ gibt für das Konsil keine Mindestzeitdauer vor. Auch eine kurze „Erörterung“ mit dem anderen Arzt ist deshalb mit der Nr. 60 GOÄ berechenbar. 

 

Auslegung von „unmittelbarer zeitlicher Zusammenhang“

Dass sich der liquidierende Arzt zuvor oder in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang persönlich mit dem Patienten und dessen Erkrankung zu befassen hat (siehe erste Anmerkung), bedeutet nicht, dass vor der Abrechnung des Konsils ein persönlicher Kontakt mit dem Patienten stattgefunden haben muss. Dies ist durch das „oder“ ausgedrückt. Das Konsil kann also auch dann berechnet werden, wenn der Patient erst nach dem Konsil bei Ihnen erscheint. Als „unmittelbarer zeitlicher Zusammenhang“ werden dabei in der Regel einige Tage angesehen. In begründeten Fällen kann die Zeitspanne aber auch größer sein – zum Beispiel beim Konsil mit einem zuvor behandelnden Arzt.  

 

Wer darf an Konsilen teilnehmen?

Nr. 60 GOÄ ist nur für die konsiliarische Erörterung zwischen „liquidationsberechtigten“ Ärzten berechenbar. Liquidationsberechtigt ist jeder niedergelassene Arzt oder Psychologische Psychotherapeut. Durch die zweite Anmerkung zur Nr. 60 GOÄ ist das Konsil aber auch dann berechnungsfähig, wenn es mit dem „ständigen persönlichen ärztlichen Vertreter“ des anderen liquidationsberechtigten Arztes erfolgt. Das ist zum Beispiel der Urlaubsvertreter des niedergelassenen Arztes. Den Namen des Konsiliarpartners müssen Sie aber nicht in der Rechnung anführen. Liquidationsberechtigt ist im Krankenhaus in der Regel der Chefarzt, der „ständige Vertreter“ wird im Wahlarztvertrag des Krankenhauses festgelegt. Sachgerecht ist, beim Konsil vom Oberarzt als Vertreter des Chefarztes auszugehen. 

 

Das Gebot der „persönlichen Befassung“ mit dem Patienten

Das Gebot der persönlichen Befassung mit dem Patienten gilt nur für den das Konsil abrechnenden Arzt (den „liquidierenden“ Arzt der ersten Anmerkung). Wenn Sie zum Beispiel mit einem Laborarzt ein telefonisches Konsil durchführen, dürfen Sie das Konsil berechnen, der Laborarzt aber nicht.  

 

Routinemäßige Besprechung

Bei Konsilen mit Anästhesisten und Radiologen wird häufig unterstellt, es habe sich um „routinemäßige“ Besprechungen“ gehandelt, zum Beispiel zur Operationsplanung, oder um Röntgenbesprechungen. Um dies gegebenenfalls widerlegen zu können, sollte der Charakter des Konsils dokumentiert sein, zum Beispiel dass erhebliche Risikofaktoren die Abstimmung weiterer präoperativer Diagnostik und/oder Therapie mit dem Anästhesisten erforderlich machten oder mit dem Röntgenarzt weitere Diagnostik unter Berücksichtigung der Klinik und differentialdiagnostischen Aspekten erörtert wurde. 

 

Mehrfachabrechnung

Konsile können bei Privatpatienten mehrfach im Behandlungsfall berechnet werden. Erfolgt für denselben Patienten aber eine mehrfache Berechnung von Konsilen mit demselben Arzt in dichter zeitlicher Folge, fragen Kostenträger regelmäßig nach der medizinischen Notwendigkeit der Konsile. Gleiches gilt, wenn für denselben Patienten Konsile mit mehreren verschiedenen Ärzten abgerechnet werden. In solchen Fällen kann man dem Vorwurf eines „Missbrauchs“ der Nr. 60 GOÄ nur erfolgreich begegnen, wenn man die Umstände der Konsile (Anlass des Konsils, Name des Konsiliarpartners, Datum und Uhrzeit etc.) mit wenigen Stichworten gut dokumentiert hat. 

Quelle: Ausgabe 03 / 2008 | Seite 16 | ID 117962