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01.05.2007 | Privatliquidation

Der GOÄ-Spiegel

von Dr. med. Bernhard Kleinken, PVS Consult, Köln

In diesem Beitrag befassen wir uns mit Fragen zur GOÄ-Abrechnung. 

01.05.2007 | Chirurgie/Urologie/Gynäkologie/HNO

Tipps für die Abrechnung von Endoskopien nebenoperativen Leistungen

Viele PKVen lehnen zu Unrecht die Berechnung von in gleicher Sitzung neben Operationen erfolgten Endoskopien (zum Beispiel der Nrn. 700, 1155, 1418, 1787 GOÄ) ab. Andererseits ist bei endoskopisch durchgeführten Operationen nicht „automatisch“ eine Endoskopie berechenbar. Welche Abgrenzungskriterien kann man heranziehen, um die eigenständige Berechenbarkeit der Endoskopie zu prüfen, und mit welchen Argumenten kann man die Berechnung der Endoskopie gegebenenfalls auch durchsetzen? 

 

Offensichtlich – und unumstritten – sind zu der Operation in getrennter Sitzung vorangegangene Endoskopien eigenständig berechenbar. Dies gilt auch für die selteneren Fälle der Endoskopie am gleichen Tag mit nachfolgender Operation, die aber zeitlich deutlich getrennt von der Operation sind. In solchen Fällen sollten die Uhrzeiten dokumentiert sein und in der Rechnung – obwohl die GOÄ dies nicht fordert – ausgewiesen werden. Bei in gleicher Sitzung erfolgten Endoskopien muss geprüft werden, ob die Endoskopie eine neben der Operation eigenständige Zielleistung darstellt. Nicht eigenständig sind Zugänge zum Operationsgebiet und dessen Exploration. Von diesen Bestandteilen der therapeutischen Leistung sind aber diagnostische Endoskopien zu unterscheiden. Bezieht die diagnostische Endoskopie auch andere Gebiete als das zur therapeutischen Operation gehörende Zielgebiet mit ein, so ist sie nicht Bestandteil der operativen (therapeutischen) Leistung. 

 

Voraussetzung ist, dass für die diagnostische Endoskopie eine eigenständige Indikation gegeben war. Dies ist zu prüfen, wenn der Operation eine diagnostische Endoskopie nur sehr kurze Zeit vorausging. Die Notwendigkeit einer erneuten diagnostischen Endoskopie in sehr kurzem Zeitabstand (Tage) ist zum Beispiel begründbar, 

 

  • wenn die erste Endoskopie lediglich zur Diagnosestellung diente, aber nicht umfassend sein konnte (zum Beispiel weil sie nicht unter Narkose erfolgte), oder
  • wenn sie länger zurückliegt (Wochen oder Monate) und die Art der Erkrankung so ist, dass sie sich in diesem Zeitraum gravierend geändert haben kann (zum Beispiel entzündliche Prozesse, viele Tumorerkrankungen).

Im Op-Bericht muss dann auch erkennbar sein, dass tatsächlich eine umfassende diagnostische Endoskopie erfolgte. Es muss mehr angegeben werden als nur das Zielgebiet der in der GOÄ beschriebenen Operation. Der Bericht sollte qualifizierte Aussagen enthalten, zum Beispiel hinsichtlich 

 

  • Lokalisation,
  • Ausmaß des Befundes,
  • Beziehungen zu Nachbarorganen,
  • weiteren relevanten Befunden oder deren Ausschluss an Nachbarorganen,
  • Diagnosefindung und -bestätigung und/oder
  • der Festlegung des weiteren therapeutischen Vorgehens, dessen Sinnhaftigkeit oder der Unmöglichkeit für die Lösung des Grundproblems (Entschluss zum endoskopischen oder offenen Operationsverfahren).

 

Das Prinzip ist hierbei, dass die Eigenständigkeit der diagnostischen Endoskopie um so besser erkennbar ist, je mehr beschrieben ist. Um die Erkennbarkeit der diagnostischen Endoskopie hervorzuheben, sollte man die Endoskopie nicht im Op-Bericht „verstecken“. Insbesondere bei späteren Nachfragen ist es hilfreich, wenn man in der Dokumentation einen „Endoskopiebericht“ deutlich vom Bericht zur therapeutischen operativen Leistung absetzt. 

 

Dass in der jeweiligen „Zielleistung“ der GOÄ nur das enthalten und abgegolten ist, was dort beschrieben ist, führt dazu, dass notwendige diagnostische Endoskopien neben einer nur endoskopisch zu erbringenden (therapeutischen) Operation berechenbar sind. Eine Ausnahme gilt, wenn die Endoskopie bereits in der Leistungsbeschreibung vorausgesetzt wird (zum Beispiel bei den Nrn. 701, 1111 GOÄ). Dabei handelt es sich aber um kleinere Eingriffe. Bei größeren obligat endoskopischen Operationen (zum Beispiel den Nrn. 1802/1803 oder 1777 GOÄ) ist entweder die Endoskopie nicht in der Leistungslegende enthalten (Nr. 1777 GOÄ) oder sie umfasst nur die „endoskopische Kontrolle“ der Operation (Nrn. 1802/1803 GOÄ). 

 

In der Auseinandersetzung kann noch darauf hingewiesen werden, dass die GOÄ selbst mit der Nr. 2196 GOÄ die Eigenständigkeit einer diagnostischen Endoskopie neben therapeutischen Operationen erkennt. Dass Leistungen der diagnostischen Endoskopie neben endoskopischen operativen Eingriffen in anderen Leistungsbereichen fehlen, liegt daran, dass die Überarbeitung anderer operativer GOÄ-Abschnitte bisher ausblieb. Dass die Nr. 2196 GOÄ so niedrig bewertet ist, hat sachliche Gründe. 

 

Keinesfalls kann daher aus der Nr. 2196 GOÄ abgeleitet werden, dass höher bewertete Endoskopien nur mit dem Einfachsatz der GOÄ zu berechnen seien (was schon vorgebracht wurde). 

 

Quelle: Ausgabe 05 / 2007 | Seite 16 | ID 86339