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01.05.2003 | Medizin-Controlling

Anforderungen an das DRG-Berichtswesen

Im aufziehenden DRG-Zeitalter wird von Ihnen als Chefarzt erwartet, dass Sie das Leistungsgeschehen Ihrer Klinik in stärkerem Maße steuern als bisher. Eine derartige Steuerung - oder anders ausgedrückt: ein derartiges Management - erfordert eine kontinuierliche Rückmeldung über das Leistungsgeschehen. Steuern kann nur derjenige, der weiß, was geschieht. Erforderlich ist hierfür ein wirksames Controlling.

Die Berichte des Controlling müssen einerseits ausführlich genug sein, um eine Klinik gut steuern und potenzielle Fehlentwicklungen bei Fallzahlen, Kodierproblemen, Liegezeiten etc. rechtzeitig erkennen zu können. Andererseits dürfen sie nicht so umfangreich und detailliert sein, dass es unverhältnismäßig viel Zeit kostet, sie zu lesen und auszuwerten. Mikromanagement ist keine Aufgabe des Chefarztes!

Also: Welche Kennzahlen benötigen Sie? Die Deutsche Gesellschaft für Medizin-Controlling hat im Januar 2003 ein "Konsenspapier DRG-Berichtswesen" erarbeitet, das die erforderlichen Kennzahlen für die jeweiligen Zielgruppen Chefärzte, DRG-Beauftragte, Krankenhausleitung, Kodierende und Verwaltung zusammenfasst. Danach sollte ein DRG-Bericht für Chefärzte folgende Kennzahlen erfassen:

1. Die Fallzahlen und die Operationszahlen

Da die Mengengerüste mit den Kassen prospektiv vereinbart werden, ist es aus zwei Gründen für Sie von Wichtigkeit, stets über die aktuellen Fallzahlen informiert zu sein:

  • Sie müssen frühzeitig wissen, ob die vereinbarten Mengen eingehalten werden können, um gegebenenfalls elektive Eingriffe zu verschieben, zusätzliche Patienten einzubestellen oder sich auf die mit Mengenüber- bzw. -unterschreitungen einhergehenden veränderten Vergütungen einzustellen - letzteres am besten in Absprache mit dem Verwaltungsleiter des Hauses.
  • Wenn sich das Spektrum der Abteilung und damit die Fallzahlen verändern, müssen diese Zahlen so früh wie möglich in die Verhandlungen mit den Kostenträgern eingebracht werden, um künftig passendere Mengengerüste zu vereinbaren.
    2. Die durchschnittliche Verweildauer

    Idealerweise sollte die durchschnittliche Verweildauer knapp über oder genau bei der unteren Grenzverweildauer (UGV) liegen. Wichtig: Ausreißer nach oben können die durchschnittliche Liegezeit gerade bei den DRGs mit kurzer durchschnittlicher Verweildauer drastisch verändern. Ein Beispiel:

    Sie behandeln 99 Patienten einer DRG so, dass die durchschnittliche Liegezeit genau bei der UGV von - in diesem Beispiel - zwei Tagen liegt. Dann passiert es: Der 100. Patient entwickelt eine katastrophale Komplikation und muss daher in eine andere Abteilung des Hauses verlegt werden. Liegedauer: 50 Tage. Die durchschnittliche Liegezeit der ersten 99 Patienten betrug zwei Tage. Die durchschnittliche Liegedauer aller 100 Patienten beträgt dagegen 2,5 Tage. Wenn man vom Verwaltungsdirektor des eigenen Hauses dann mit der unangenehmen Frage konfrontiert wird, warum die durchschnittliche Verweildauer plötzlich um einen halben Tag gestiegen ist, sollte man informiert sein. Also: Der Anteil der Ausreißer sollte bekannt sein (siehe dazu auch Punkt 6 auf der nächsten Seite).

    3. Das Durchschnittsalter

    Das Durchschnittsalter gibt zusammen mit der Anzahl der dokumentierten Nebendiagnosen einen Hinweis auf die Kodierqualität. Grobe Daumenregel: eine Nebendiagnose je Lebensjahrzehnt.

    4. Der Casemix und der Casemixindex

    Der Casemix (CM) ist definiert als die Summe der Relativgewichte aller Behandlungsfälle (das Relativgewicht ist die jeder DRG zugeordnete Kennzahl für die Höhe der Vergütung, vergleichbar den Punktzahlen der GOÄ). Wenn Sie den CM mit der landesweit festgelegten Baserate (die Vergütung in Euro bei einem Relativgewicht von 1,0) multiplizieren, haben Sie einen Näherungswert für die erwirtschafteten Erlöse ohne Zu- und Abschläge.

    Der Casemixindex (CMI) ist definiert als Summe der Relativgewichte aller Behandlungsfälle, dividiert durch die Anzahl der Behandlungsfälle. Der CMI ist also ein Indikator für die durchschnittliche Schwere aller behandelten Fälle. Es gilt: Je höher der CMI, desto höher auch die Vergütung. An Kliniken der Maximalversorgung sollte der CMI deutlich höher liegen als an Kliniken der Grund- und Regelversorgung. Der CMI ist also auch ein Indikator für die Kodierqualität.

    5. Die Anzahl der Nebendiagnosen

    Je mehr relevante Nebendiagnosen, desto besser. Dies ist ein wichtiger Indikator für die Kodierqualität.

    6. Der Anteil von Kurz- und Langliegern

    Bei Liegezeiten unterhalb der unteren Grenzverweildauer werden Abschläge von der DRG berechnet, bei Liegezeiten oberhalb der oberen Grenzverweildauer Zuschläge.

    7. Complication and Comorbidity Level Index (CCLI) und Patient Clinical Complexity Level Index (PCCLI)

    Aus den relevanten Nebendiagnosen lassen sich CCLI (Summe der Schweregrade aller dokumentierten Nebendiagnosen) und PCCLI (durchschnittlicher relevanter Schweregrad je Patient) berechnen. Sie haben eine ähnliche Bedeutung wie CM und CMI, geben aber genauer Auskunft über die Kodierqualität.

    8. Die Fehler-DRG-Quote

    Ein weiterer Indikator für die Kodierqualität. In Australien liegt der Anteil der Fehler-DRGs unter einem Prozent.

    9. Unspezifische Diagnosen

    Die unspezifischen Diagnosen sind ebenfalls ein Indikator für die Kodierqualität. Sie sollten möglichst niedrig sein.

    Praxistipp: Ein derartiger Bericht sollte mindestens monatlich durch das Controlling erstellt werden.

    Leserservice: Sie können das Konsenspapier unter www.medizincontroller.de im Internet abrufen.

    Quelle: Ausgabe 05 / 2003 | Seite 8 | ID 96786