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01.12.2003 | Krankenhausfinanzierung

Die wichtigsten Veränderungen bei der Fallpauschalenverordnung ab 2004

Am 1. Januar 2004 werden die DRGs für alle Akutkrankenhäuser in Deutschland verpflichtend eingeführt (Ausnahme: Psychiatrie). Aber bekanntermaßen erfolgt die Einführung noch budgetneutral, das heißt es wird nur ein fiktives Budget nach DRGs erstellt, das tatsächliche Budget wird jedoch wie bisher berechnet.

Dies ist besonders für die wichtig, die sich jetzt schon darauf eingelassen haben, hausintern abteilungsbezogene Budgets einzuführen und diese auf der Grundlage der DRGs zu berechnen. Wer mit einem derartigen Modell nicht nur durchaus sinnvolle Planspiele betreibt, sondern bereits jetzt die tatsächlichen Geldflüsse steuern möchte, kann böse Überraschungen erleben:

Abteilungen, die auf der Grundlage zum Beispiel der Berechnungen der IMC-Studie der Deutschen Krankenhausgesellschaft (mit australischen Kostengewichten) früher als Gewinner dastanden, können bei Anwendung der German-DRGs 2003 mit den dazugehörenden Kostengewichten bei gleicher Leistungsfähigkeit der Abteilung schnell als Verlierer dastehen. Insbesondere die Version 2003 der German-DRGs war unzureichend kalkuliert.

Die Version 2004 weist dagegen gravierende Änderungen und Verbesserungen auf. Die wichtigsten davon sind:

  • Die Zahl der DRGs wurde von 664 auf 824 erhöht. Als Faustregel gilt: Ein Drittel der bisherigen DRGs blieb unverändert, ein Drittel wurde geändert, ein Drittel ist neu.
  • Gegenüber der Version 2003 der German-DRGs wurden die Relativgewichte präziser kalkuliert. Unterschieden sich im Jahr 2003 die auf Grund von Komplikationen aufwendigen Behandlungsfälle einer Basis-DRG im Relativgewicht nur unwesentlich von den komplikationslosen Verläufen (Kompressionseffekt), so ist der Unterschied bei den G-DRGs 2004 erheblich größer. Die Kostenhomogenität wurde verbessert. Konsequenz: Gute Kodierqualität lohnt sich im Jahre 2004 noch mehr als im Jahre 2003.
  • Auf Grund einer veränderten Berechnung (Umstellung vom geometrischen auf das arithmetische Mittel) stiegen die mittlere Verweildauer und die obere Grenzverweildauer im Durchschnitt um zwei Tage.
  • Die Vergütung für Langlieger oberhalb der oberen Grenzverweildauer wurde verbessert.
  • Es wurden strenge Regeln für die Wiederaufnahme festgeschrieben, um finanziellen Fehlanreizen für ein künstliches Fall-Splitting entgegenzuwirken.

    Im Folgenden werden exemplarisch die Veränderungen von wichtigen und häufigen DRGs aufgeführt. Weitere Einzelheiten ergeben sich aus dem Fallpauschalenkatalog. Die neue Fallpauschalenverordnung 2004 mit Fallpauschalenkatalog sowie die erheblich veränderten neuen Kodierregeln finden Sie im Internet unter www.g-drg.de.

    Chemotherapie

    Bisher konnten alle Tagesfälle von Chemotherapie - unabhängig vom Tumorleiden und der Form der Chemotherapie - nur über eine einzige DRG (R63Z Stationäre Aufnahme zur Chemotherapie) berechnet werden. Dies führte insbesondere wegen der unterschiedlichen Kosten für die Chemotherapeutika zu erheblichen Verzerrungen.

    In den DRG 2004 ist eine wesentlich differenziertere Vergütung möglich. Statt einer einzigen DRG existieren nun für die spezifischen Tumore entsprechende Eintages-Tumor-DRGs in den medizinischen Partitionen der MDC. Auf diese Art und Weise können die unterschiedlichen Kosten für unterschiedliche Therapie-Schemata besser berücksichtigt werden. Dabei ist eine Änderung der Kodierrichtlinien wichtig: Anstelle der bisherigen Hauptdiagnose bei Chemotherapie (Z51.1 Chemotherapiesitzung wegen bösartiger Neubildung) ist nun das jeweilige Tumorleiden als Hauptdiagnose zu verschlüsseln. Aus dem Prozeduren-Kode für die Chemotherapie und der Länge der stationären Behandlung ergibt sich dann die zutreffende DRG.

    Beispiel: G60E Bösartige Neubildung der Verdauungsorgane ohne Strahlentherapie, ein Belegungstag.

    Strahlentherapie

    Genau wie bei der Chemotherapie ist nun auch bei der Eintages-Strahlentherapie eine differenziertere Bewertung möglich. Statt wie bislang nur eine einzige DRG (R64Z Stationäre Aufnahme zur Strahlentherapie) existieren nun für jede Tumorentität Strahlentherapie- bzw. Tagesfall-DRGs, mit denen die Tagesfälle in der Strahlentherapie abgedeckt sind. In Analogie zur Chemotherapie ist auch hier nun das jeweilige Tumorleiden als Hauptdiagnose zu verschlüsseln.

    Langzeitbeatmung

    In Abhängigkeit von der Länge der Langzeitbeatmung existieren nun neun (statt bisher zwei) verschiedene DRGs in der Gruppe der Prä-MDC. Die Einteilung orientiert sich an der Zeitspanne der Beatmung, die zwischen 96 und mehr als 1.799 Stunden betragen kann. Die stundengenaue Dokumentation der Beatmungszeit wird dadurch wichtiger.

    Beispiel: A07Z Langzeitbeatmung größer 1.199 und kleiner 1.800 Stunden; A08Z Langzeitbeatmung größer 959 und kleiner 1.200 Stunden.

    Organtransplantationen

    In Abhängigkeit vom Verlauf können nun auch Organtransplantationen differenzierter bewertet werden. So wird häufig zwischen Verläufen mit und ohne Langzeitbeatmung sowie Verläufen mit und ohne Transplantatabstoßung unterschieden.

    Beispiel: A01A Lebertransplantation mit Langzeitbeatmung;A01B Lebertransplantation ohne Langzeitbeatmung, mit Transplantatabstoßung; A01C Lebertransplantation ohne Langzeitbeatmung, ohne Transplantatabstoßung.

    Schlafapnoesyndrom

    Bislang existierte nur eine DRG für die stationäre Behandlung des Schlafapnoesyndroms unabhängig von der Dauer der stationären Behandlung. In den DRG 2004 existiert eine eigenständige DRG für die Tagesbehandlung (E63B Schlafapnoesyndrom, ein Belegungstag) und eine weitere DRG für mehrtägige stationäre Aufenthalte (E63A Schlafapnoesyndrom).

    Lungenödem und respiratorische Insuffizienz

    Die bisherige DRG E64Z Lungenödem und respiratorische Insuffizienz wird in drei neue DRGs (E 64 A, E 64 B, E 64 C) aufgeteilt. Es findet eine Differenzierung "mit äußerst schweren Komplikationen und Begleiterkrankungen", "ohne äußerst schwere Begleiterkrankungen und Komplikationen" und "ein Belegungstag" statt.

    Invasive kardiologische Diagnostik und Therapie ohne Infarkt

    Für die invasive kardiologische Diagnostik ohne Infarkt wurden fünf neue DRGs geschaffen. Es wird zwischen Eingriffen mit und ohne schwerwiegende Komplikationen sowie zwischen Eingriffen bei Vorliegen oder Fehlen einer koronaren Herzkrankheit unterschieden. Die Perkutane Koronarangioplastie mit Stentimplantation wird in zwei neue DRGs (mit und ohne Vorliegen äußerst schwerer oder schwerer Komplikationen und Begleiterkrankungen) aufgeteilt.

    Appendektomie

    Bislang war die Basis-DRG G07 Appendektomie nur nach dem Vorliegen oder Fehlen von schweren Komplikationen und Begleiterkrankungen getrennt. Im neuen DRG-System kommt als Trennkriterium die Peritonitis hinzu, die bei der Kodierung entsprechend zu berücksichtigen ist: G07A Appendektomie bei Peritonitis mit äußerst schweren oder schweren CC, G07B Appendektomie bei Peritonitis ohne äußerst schwere oder schwere CC oder außer bei Peritonitis mit äußerst schweren oder schweren CC;G07C Appendektomie außer bei Peritonitis ohne äußerst schwere oder schwere CC.

    Cholezystektomie

    Im DRG-System 2004 wird erstmals zwischen laparoskopischen (Basis-DRG H08) und konventionellen (Basis-DRG H07) Cholezystektomien unterschieden. Eine weitere Unterteilung findet bei Vorliegen von äußerst schweren oder schweren CC statt.

    Endoprothetischer Ersatz des Kniegelenkes

    Eine Änderung gegen den Trend: Statt einer größeren Differenzierung wurden hier die beiden DRG I04A und B (Ersatz des Kniegelenkes und Replantation am Kniegelenk mit bzw. ohne äußerst schweren CC,Kostengewicht 4,166 bzw. 3,299) zu einer einzigen DRG I04Z Ersatz des Kniegelenkes und Replantation am Kniegelenk zusammengelegt. Bemerkenswert: Das Relativgewicht der neuen DRG liegt mit 2,887 unter beiden Relativgewichten der alten DRGs.

    Hysterektomie

    Die Hysterektomie bei gutartigen Erkrankungen kann künftig differenzierter abgebildet werden. Neben dem Vorliegen von Begleiterkrankungen und Komplikationen ist von Bedeutung, ob ein aufwändiger Eingriff durchgeführt wurde oder nicht.

    Beispiel: N04B Hysterektomie außer bei bösartiger Neubildung ohne äußerst schwere oder schwere CC, ohne aufwändigen Eingriff. Das Kostengewicht beträgt statt bislang 1,102 nun 1,279.

    Bundeseinheitliches Zusatzentgelt (§ 5 Abs. 1 KFPV 2004)

    Als bundeseinheitliches Zusatzentgelt wurde für die Durchführung einer Hämodialyse zusätzlich zu anderen Leistungen ein Betrag von 225,05 EUR vereinbart (ZE01 Hämodialyse - natürlich nicht neben den DRG L60 Niereninsuffizienz, DRG L71A Niereninsuffizienz, ein Belegungstag mit Dialyseoder L61 Z Stationäre Aufnahme zur Dialyse).

    Krankenhausindividuelle Zusatzentgelte

    Zusatzentgelte, die individuell vom Krankenhaus mit den Kostenträgern ausgehandelt werden müssen, sind für die unten aufgeführten Leistungen vorgesehen. Kontrollieren Sie, ob auch typische Leistungen Ihrer Abteilung hierzu gehören.

  • Leistungen, die noch nicht mit DRG-Fallpauschalen vergütet werden (keine ausreichende Kalkulationsgrundlage), obwohl sie im Fallpauschalen-Katalog verzeichnet sind (§ 7 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 KFPV 2004). Hier einige Beispiele:

    L61Z Stationäre Aufnahme zur Dialyse;

    W01A Polytrauma mit maschineller Beatmung oder Kraniotomie mit Frührehabilitation;

    W05Z Polytrauma mit signifikantem Eingriff ohne maschinelle Beatmung oder Kraniotomie mit Frührehabilitation;

    W40Z Frührehabilitation bei Polytrauma;

    Y01Z Operative Eingriffe oder Langzeitbeatmung bei schweren Verbrennungen;

    Y61Z Schwere Verbrennungen.

    Service: Die vollständige Liste mit den 18 Leistungspositionen finden Sie im Online-Service unter der Rubrik "Krankenhausfinanzierung".

  • Zusätzlich zu den DRG-Fallpauschalen können Zusatzentgelte berechnet werden (§ 5 Abs. 2 KFPV 2004). Hier zwei Beispiele:

    ZE20 Tumorendoprothesen;

    ZE39 Behandlung von Blutern mit Blutgerinnungsfaktoren.

    Service: Auch hierzu finden Sie die vollständige Liste mit 25 Einzelpositionen im Online-Service unter der Rubrik "Krankenhausfinanzierung".

  • Auch für teilstationäre Leistungen sind krankenhausindividuelle Zusatzentgelte nach § 6 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 des Krankenhausentgeltgesetzes zu vereinbaren.
    Quelle: Ausgabe 12 / 2003 | Seite 4 | ID 96835