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01.07.2007 | Externe Qualitätssicherung

Die Klinik-Qualität muss transparent werden

Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) hat beschlossen, dass bestimmte Qualitätsmerkmale von Krankenhäusern nun auch erstmals für Patienten offengelegt werden sollen. Wie es zu dieser Entwicklung kam, welche Indikatoren genannt werden müssen und wo Sie die Liste abrufen können, erfahren Sie im nachfolgenden Beitrag. 

Die Vorgeschichte

Nach vielen Ankündigungen war es im Herbst 2006 so weit: Der GBA beschloss die verpflichtende Veröffentlichung von Ergebnissen der externen vergleichenden Qualitätssicherung (QS). Als Medium hierzu bestimmte er den in zweijährigem Abstand zu veröffentlichenden Qualitätsbericht der Kliniken. Diesem Beschluss (www.g-ba.de/informationen/beschluesse/334/) war eine lange Diskussion vorausgegangen. Den stets vorgebrachten Forderungen der Politiker, der Kostenträger und zunehmend der Patientenvertreter im GBA stellten die Gegner einer Veröffentlichung lange Zeit das Argument entgegen, die Ergebnisse seien weder valide noch existiere eine ausreichende Risikoadjustierung. An diesen beiden Schwachstellen wurde in den vergangenen Jahren gearbeitet: Die Einführung eines bundeseinheitlichen Verfahrens zur Primärdatenvalidierung (siehe auch „Chefärzte Brief“ Nr. 3/2006) und die zunehmende Nutzung aufwändiger statistischer Verfahren zur Risikoadjustierung führten zu einer deutlichen Verbesserung der Datenlage und der statistischen Ergebnisse. 

 

Vor einigen Jahren haben die privaten Klinikträger die Veröffentlichung von ausgewählten Ergebnissen der Qualitätssicherung als Marketinginstrument erkannt. Zum Teil wurden hier zweifelhafte Aussagen getroffen. Ob bei einer Routine-Operation – wie der laparoskopischen Cholezystektomie – tatsächlich die Mortalität der einzige oder überhaupt ein vernünftiger Indikator für die Behandlungsqualität ist, muss angezweifelt werden. Die Veröffentlichung erfolgte bis vor einiger Zeit stets durch den Filter der Herausgeber. Da kaum eine Klinik ihre kompletten Ergebnisse an die Öffentlichkeit brachte, ließ sich zumindest der Verdacht, es erfolge eine Trennung in „gute“ – also zu veröffentlichende – und „schlechte“ – besser geheim zu haltende – Ergebnisse, nicht widerlegen.  

 

In den 2005 erstmals veröffentlichen Qualitätsberichten nach § 137 SGB war die Angabe von QS-Ergebnissen noch nicht vorgeschrieben, aber möglich. Viele Kliniken machten von dieser Gelegenheit Gebrauch. Aber auch hier wurden so gut wie nie die gesamten Ergebnisse dargestellt. Einige Kliniken berechneten sogar eigene Indikatoren, in denen sie dann in der Regel exzellent abschnitten. 

 

Der Anordnung zur Ergebnisveröffentlichung kamen einige Einzelkliniken, aber auch ein ganzer Stadtstaat zuvor. In Hamburg kann seit längerem jedermann die QS-Ergebnisse aller Kliniken im Internet anschauen, vergleichen und bewerten. Unter www.eqs.de/__index.php sind die Indikatoren aller Häuser in der externen Qualitätssicherung einsehbar. Bei Abweichungen von Referenzwerten erfolgt eine Kommentierung. Dieses Vorgehen wurde zwischen allen an der QS beteiligten Selbstverwaltungspartnern beschlossen und umgesetzt. Die Tatsache, dass in Hamburg ein einzelner Krankenhausträger fast alle Häuser vertritt, hat diesen Beschluss sicherlich deutlich erleichtert.  

Was wird veröffentlicht?

Im Qualitätsbericht der Krankenhäuser für 2007 wurden insgesamt 27 Indikatoren aus folgenden Modulen aufgenommen: 

 

Die Module der externen QS, aus denen Ergebnisindikatoren imQualitätsbericht 2007 veröffentlicht werden müssen

Modul 

Anzahl Indikatoren 

Cholezystektomie 

Geburtshilfe 

Gynäkologische Operationen 

Herzschrittmacher-Implantation 

Hüft-Endoprothesen-Erstimplantation 

Karotis-Rekonstruktion 

Knie-Totalendoprothesen-Erstimplantation 

Koronarangiographie und PCI 

Koronarchirurgie, isoliert 

Mammachirurgie 

Die vorhandenen Indikatoren wurden zunächst durch die Bundesgeschäftsstelle für Qualitätssicherung (BQS) im Rahmen eines Gutachtens in die drei Gruppen eingeteilt: 

 

  • A) = „uneingeschränkt zur Veröffentlichung geeignet“,
  • B) = „eingeschränkt zur Veröffentlichung empfohlen“ und
  • C) = „nicht zur Veröffentlichung empfohlen bzw. noch nichtbezüglich ihrer methodischen Eignung bewertet“.

 

In diesem Jahr müssen dann die Ergebnisse der A-Indikatoren in den Qualitätsbericht aufgenommen werden. 

 

Leserservice

Wir haben für Sie die komplette A-Indikatiorenliste 2007 zusammengestellt.  

Es soll keine Veröffentlichung unkommentierter Ergebnisse stattfinden. Die Bewertung statistischer Abweichungen soll zum Beispiel zuvor im strukturierten Dialog mit der zuständigen Geschäftsstelle und den Fachgremien erfolgt sein. Ähnlich wie in Hamburg werden diese Bewertungen dann zusammen mit den Zahlen veröffentlicht. So sollen Fehlinterpretationen unkommentierter Zahlenangaben durch medizinische Laien oder auch Fachleute bei fehlendenInformationen über die besondere Situation im Einzelfall verhindert werden. Die Abgabefrist für den Qualitätsbericht wurde um zwei Monate auf den 31. Oktober 2007 verlängert. 

Fazit

Bei genauer Betrachtung kann bezüglich der neuen Verpflichtung zur Transparenz wohl Entwarnung gegeben werden. Die meisten Kliniken zeigen erfreulicherweise in der Mehrzahl der Indikatoren gute oder sehr gute Ergebnisse – sie können die Veröffentlichung als Marketingmaßnahme sehen. 

 

Falls in einem Wert ein statistischer Ausrutscher vorkommt, kann dieser im strukturierten Dialog mit der zuständigen Fachgruppe vor Ort erklärt und dann im Bericht entsprechend kommentiert werden. Wichtig ist hier, die Anfragen der Fachgruppe ernst zu nehmen und den Sachverhalt intern abzuklären. Jährliche pauschale Wiederholung der gleichen Begründungen werden zukünftig kaum mehr akzeptiert werden. 

 

Und beim eher seltenen Vorliegen wirklicher Qualitätsdefizite hat sich in der Vergangenheit oftmals gezeigt, dass die potentiellen Patienten es sehr wohl tolerieren, wenn Fehler auftreten – falls entsprechende Maßnahmen ergriffen werden, das Problem zu beseitigen. In einem solchen Fall sollten Sie daher nicht nur gegenüber der Fachgruppe berichten, welche Schritte Sie zur Abstellung der unerwünschten Vorfälle getroffen haben, stellen Sie Ihre Verbesserungsmaßnahmen auch offensiv nach außen dar. 

 

Die wichtigsten Details in Kürze

  • Der GBA hat die verpflichtende Veröffentlichung der Ergebnisse von 27 Indikatoren aus der externen QS im Qualitätsbericht der Krankenhäuser beschlossen.
  • Die Ergebnisse werden erst nach Abschluss des strukturierten Dialogs mit entsprechenden Kommentaren veröffentlicht.
  • Die Frist zur Abgabe des Qualitätsberichts wurde jetzt auf den31. Oktober 2007 verlängert.
  • Die Verpflichtung ist (Zwischen-)Ergebnis einer langen Diskussion um vermehrte Transparenz im Gesundheitswesen.
  • Nutzen Sie Ihre guten Ergebnisse als Marketinginstrument. Kommentieren Sie statistische Abweichungen sorgfältig im strukturierten Dialog.
 

Quelle: Ausgabe 07 / 2007 | Seite 18 | ID 109992