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01.06.2003 | Deutscher Ärztetag

Novelle zur Muster-Weiterbildungsordnung beschlossen

Der 106. Deutsche Ärztetag hat am 22. Mai 2003 eine Novelle der bestehenden Muster-Weiterbildungsordnung (M-WBO) beschlossen. In diesem Beitrag stellen wir die Novelle in ihren Grundzügen vor.

Was ist neu?

Zunächst wird der Anspruch aufgegeben, dass jeder Facharzt sein Gebiet komplett beherrschen können muss. In großen Fächern kommt dies ohnehin durch die Schwerpunkte seit längerem deutlich zum Ausdruck. In kleineren Gebieten war aber fast alles in die Inhalte für die Facharztweiterbildung hineingeschrieben worden, was irgendwie auch noch zum Gebiet dazugehören sollte - und zwar allein schon, um sich ein Leistungspaket samt Vergütung zu sichern. Dies führte dazu, dass die Facharztweiterbildung überfrachtet wurde und für die Zulassung zur Facharztprüfung bisweilen fragwürdige Abschriften aus Richtlinienkatalogen erzwungen werden.

Die M-WBO sieht in einem umfassend definierten Gebiet den Kompetenzerwerb zum Facharzt, im Schwerpunkt oder in einer Zusatzweiterbildung vor. Die Instrumente ,,Fachkunde" und ,,Fakultative Weiterbildung" entfallen komplett. Zwischen den Gebieten gibt es Überlappungen, die unter anderem durch gemeinsam mögliche Zusatzweiterbildungen deutlich werden. So sind beispielsweise die Allergologie, die Geriatrie oder die Palliativmedizin nicht exklusiv durch eine Fachgruppe besetzt, sondern als Zusatz für Fachärzte aus zahlreichen Gebieten eröffnet. Aus fachlicher Sicht un-realistisch scharfe Trennungen und Zuordnungen werden deutlich liberalisiert - wobei allerdings jeder Facharzt im Rahmen seines Gebietes bleiben muss. Der Kinderarzt wird nicht geriatrisch und der Frauenarzt nicht andrologisch tätig werden dürfen.

Fachliche Überschneidungen unterschiedlicher Gebiete werden über gegenseitige Anrechenbarkeiten von Weiterbildungszeiten ausgebaut und einige zuletzt selbstständige Gebiete werden in einem ,,common trunk" wieder zusammengefasst - so zum Beispiel in der Chirurgie, der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, der Pathologie und der Pharmakologie.

Ab wann gilt die neue M-WBO?

Zunächst ändert sich noch nichts. Zwar ist die novellierte M-WBO auf dem Deutschen Ärztetag mit überwältigender Mehrheit beschlossen worden, aber es fehlt noch die Umsetzung bzw. Übernahme in den einzelnen Landesärztekammern. Zur Erinnerung: Bei der letzten M-WBO vergingen fünf Jahre, bis auch die letzte Ärztekammer 1997 ein - allerdings abweichendes Regelwerk - in ihrem Hoheitsgebiet in Kraft setzte. Da jedoch abweichende Weiterbildungsregelungen in den verschiedenen Bundesländern seit einigen Jahren die Ersatzvornahme von Qualifikationsauflagen im Sozialrecht erlauben und die Kammern diese Regelungskompetenz nicht an Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen verlieren möchten, ist der Konformitätsdruck diesmal recht hoch.

Der Ärztetag hat noch einige Änderungen an der Vorlage beschlossen. Die Vorlage können Sie unter www.bundesaerztekammer.de, und zwar unter ,,Themen: A-Z", ,,Weiterbildung" und ,,M-WBO-Novelle", einsehen. Beispielsweise sollen gegenüber dem Entwurf unter anderem noch zusätzliche Qualifikationen für Laborleistungen vorgesehen werden.

Zunächst sind noch einmal die Weiterbildungsgremien der Bundesärztekammer (BÄK) gefragt, bevor dann der BÄK-Vorstand voraussichtlich im Juli eine endgültige M-WBO-Fassung beschließt. Danach müssen aber noch detaillierte Regelungen zu den Inhalten einschließlich der umstrittenen OP-Kataloge ,,verhandelt" werden. Die teilweise illusionistischen Richtzahlen vergangener Richtlinien werden an der künftig transparenten Leistungserbringung zu messen sein. Das dürfte zur Anpassung an die Versorgungs-realität und damit zur Wahrhaftigkeit bei der Zeugniserstellung beitragen. Vor Mitte des nächsten Jahres ist daher praktisch in keiner Landesärztekammer mit einer neuen Weiterbildungsordnung zu rechnen.

Wo bleibt der Internist ohne Schwerpunkt?

Auch die Innere Medizin wurde mit der Allgemeinmedizin zwangsvereinigt. Hierbei sind nun im großen gemeinsamen Gebiet zwei verschiedene Facharztgänge möglich: Nach zwei bis drei gemeinsamen Jahren kann entweder der Weg zum Hausarzt oder zum - obligat mit einem Schwerpunkt verbundenen - Fachinternisten beschritten werden. Damit muss nicht jeder Fachinternist das Hausarztpaket mit zweijähriger ambulanter Tätigkeit nebst einer 80-stündigen Kursweiterbildung durchlaufen. Internisten ohne Schwerpunkt können dann zukünftig nicht mehr entstehen. Diese erfüllen allerdings derzeit noch wichtige Funktionen im Versorgungssystem in den Kliniken und als Ersatz im Hausarztsektor. Dennoch war die Mehrheit der Delegierten des Deutschen Ärztetages (138 zu 100 Stimmen) der Meinung, zukünftig mit diesem neuen zweigliedrigen Qualifikationsprofil auskommen zu können. Die Internisten müssen somit entscheiden, ob sie eine klinische Laufbahn anstreben, und diese ist bereits heute annähernd regelhaft mit einem Schwerpunkt verbunden.

Der Weg in die hausärztliche Praxis wäre einem Internisten durch die Sozialgesetzgebung ab dem Jahr 2006 ohnehin versperrt. Wer dahin möchte, soll das zweijährige Hausarztpaket in jedem Fall machen müssen. Also wird die Qualifikation zum Internisten ohne Schwerpunkt als berufliche Sackgasse angesehen, da sich zukünftig weder Niederlassungsmöglichkeiten noch ausreichende Karriereaussichten in der Klinik damit verbinden. Ob alle Landesärztekammern diese Linie mittragen, ist jedoch zweifelhaft.

Ausblick

In den kommenden Ausgaben des ,,Chefärzte-Brief" werden Sie eine Übersicht über neu geplante und bereits etablierte Weiterbildungsgänge mit relevanten Übergangsbestimmungen erhalten. Die Auswirkungen auf die Titelvergabe und -führung, die Weiterbildungsbefugnisse und eventuelle Rotationserfordernisse werden erörtert sowie neue Rechte und Pflichten des Weiterbildungsbefugten dargestellt. Wer die neue Weiterbildungssystematik und ihre absehbaren Auswirkungen frühzeitig versteht, wird sich, seinen Klinikträger und auch seine Mitarbeiter besser darauf einstellen können.

Quelle: Ausgabe 06 / 2003 | Seite 1 | ID 96791