logo logo
Meine Produkte: Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen. Anmelden
Menu Menu
MyIww MyIww
Jetzt testen

10.05.2011 |Der GOÄ-Spiegel

Auch Nicht-Nervenärzte können Nr. 849 GOÄ abrechnen: Abgrenzung zu anderen Gesprächsziffern beachten

Kann die Nr. 849 GOÄ auch bei stationärer Behandlung durch Nicht-Nervenärzte, speziell durch operativ tätige Ärzte, berechnet werden? Diese Frage stellen sich manche Chefärzte. Für die Beantwortung zunächst ein Blick in die Leistungslegende: 

 

Leistungslegende Nr. 849

Psychotherapeutische Behandlung bei psychoreaktiven, psychosomatischen oder neurotischen Störungen, Dauer mindestens 20 Minuten 

 

Mit der Leistungslegende ist keineswegs eine Leistung nur von Fachärzten mit einer Gebietsbezeichnung oder Zusatzbezeichnung „Psychotherapie“ gemeint. Nr. 849 GOÄ ist die „psychosomatische Grundversorgung“. Diese Form der psychotherapeutischen Behandlung steht jedem Arzt mit direktem Patientenkontakt offen, damit auch zum Beispiel operativ tätigen Ärzten oder Internisten. Nicht berechnungsfähig ist die Leistung nach Nr. 849 zum Beispiel für Laborärzte oder Pathologen. Von den in der Leistungslegende genannten Indikationen ist die „psychosomatische Störung“ die häufigste.  

 

Sehr viele Krankheitsbilder, auch in den operativen Fächern, weisen psychosomatische Zusammenhänge auf. Werden diese dem Patienten aufgezeigt oder mit ihm erörtert, findet eine „psychotherapeutische Behandlung“ statt. Auch „psychoreaktive Störungen“ sind nicht selten, zum Beispiel Ängste. Als „neurotisch“ können zum Beispiel Aggravationen aufgefasst werden. 

 

Wegen ihres speziellen Charakters kann Nr. 849 GOÄ nicht für jedes mindestens 20 Minuten dauernde Behandlungsgespräch berechnet werden, auch nicht analog. Fand keine „psychosomatische Grundversorgung“ zu den angeführten Indikationen statt, kann also eine längere Beratung mit nicht-psychotherapeutischen Aspekten nicht mit Nr. 849 GOÄ analog berechnet werden, sondern ist mit den allgemeinen Beratungsleistungen der Nrn. 3 oder 1 GOÄ zu berechnen. Zu prüfen ist natürlich, ob die Beratung inhaltlich einer anderen Beratungsziffer der GOÄ (zum Beispiel der Nr. 34 GOÄ - Erörterung zu Auswirkungen auf die Lebensgestaltung) entsprach und gegebenenfalls diese anzusetzen. 

 

Manche Ärzte wenden die Nr. 849 GOÄ „gerne“ für längere Beratungen an, weil sie nur wenigen Abrechnungsausschlüssen unterliegen (zum Beispiel in der Bestimmung Nr. 4 vor Abschnitt B zu Nrn. 1, 3, 22, 30 und 34). Deshalb wird die Nr. 849 GOÄ relativ häufig von Kostenträgern moniert. „Prüfpunkt“ ist dann vor allem, ob die Leistung in Bezug auf die Diagnose plausibel ist. Können daran Zweifel bestehen, empfiehlt es sich, den speziellen Inhalt des Gesprächs zu dokumentieren.  

 

Beihilfen (nicht PKV-en!) schließen sogar bestimmte Arztgruppen aus, bei denen die Nr. 849 GOÄ nicht erstattet wird. In den Beihilferichtlinien wird die Erstattung positiv oder negativ geregelt („wird erstattet bei Berechnung durch ...“ bzw. „wird nicht erstattet bei ...“). Dabei geht das „querbeet“: So sind zum Beispiel Urologen in der Beihilfe des Bundes positiv angeführt, in NRW aber nicht vorgesehen. Die Berechnung zum Beispiel durch Internisten und Frauenärzte ist in der Regel unproblematisch, bei Orthopäden hingegen ist die Leistung - soweit bekannt - überall von der Beihilfeerstattung ausgeschlossen. 

 

Viele Ärzte sind mit der Berechnung der Nr. 849 GOÄ sehr zurückhaltend, weil sie entweder eine negative Reaktion des Patienten auf den Ansatz einer „Psychoziffer“ oder eine Stigmatisierung des Patienten befürchten. Wenn aber dem Patienten der psychotherapeutische Charakter der Beratung offensichtlich war (zum Beispiel hinsichtlich des Zusammenhangs von Stress und der Ausprägung der Erkrankung) und der Ansatz nicht zu häufig erfolgt, gibt es in der Regel keine Probleme mit dem Patienten und auch nicht mit der Erstattung. 

 

Anzumerken ist noch, dass es für die psychosomatische Grundversorgung nach Nr. 849 GOÄ weder einer Antragstellung beim Kostenträger noch - anders als im vertragsärztlichen Bereich - einer speziellen Fortbildung bedarf.  

 

Quelle: Ausgabe 05 / 2011 | Seite 19 | ID 144903