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01.01.2003 | Buchbesprechung

Der "Krankenhaus-Report 2002" - eine lohnenswerte Lektüre auch für Chefärzte!

Schon mehrfach haben wir im "Chefärzte-Brief" auf den jährlich erscheinenden "Krankenhaus-Report" hingewiesen. Auf Initiative des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hin wurde erstmalig 1993 ein "Krankenhaus-Report" veröffentlicht - zunächst mit dem Ziel, jährlich die aus dem Gesundheitsreformgesetz von 1992 resultierenden Veränderungen im Krankenhaussektor zu überschreiten und zu analysieren.

Strategische Überlegungen zur Analyse der aktuellen Krankenhauslandschaft werden diskutiert

Schon seit der ersten Ausgabe zeigt sich, dass die Kostenträger in jedem "Krankenhaus-Report" ihre strategischen Überlegungen zur Analyse der aktuellen Krankenhauslandschaft und ihrer künftigen Entwicklung offen diskutieren. Hier zeigt sich der besondere Wert des "Krankenhaus-Report" für all diejenigen, die im Krankenhaus die Weichenstellungen für die Zukunft vorzunehmen haben. Das sind nicht nur die Verwaltungsdirektoren, sondern insbesondere auch Sie als Chefärzte. In einem DRG-System kommt Ihnen eine größere Verantwortung für die künftige medizinische und natürlich auch wirtschaftliche Bedeutung Ihrer Abteilung zu. Vor diesem Hintergrund lesen sich die Themenüberschriften des "Krankenhaus-Report" der vergangenen Jahre wie Prophezeihungen für die heute ganz aktuell diskutierten gesundheitspolitischen Themen:

  • 1993 "Fallpauschalen"
  • 1994 "Krankenhaus im Umbruch"
  • 1995 "Neue Versorgungsstrukturen"
  • 1996 "Managed Care"
  • 1997 "Sektorübergreifende Versorgung"
  • 1998 "Überkapazitäten im Krankenhaus"
  • 1999 "Die Versorgung chronisch Kranker"
  • 2000 "Vergütungsreform mit DRGs"
  • 2001 "Personal"
    Die Inhalte der interessantesten Kapitel im Überblick

    Das Thema des Krankenhaus-Report 2002 ist "Krankenhaus im Wettbewerb". Die Herausgeber wollen hier Antworten auf die Fragen geben, was Wettbewerb im Gesundheitswesen leisten kann und wo dem Wettbewerb Grenzen gesetzt werden müssen.

    Exemplarisch seien hier einige Kapitel und Themen genannt, die für Chefärzte besondere Bedeutung haben:

    Der bekannte Betriebswirtschaftler Prof. Eichhorn geht im Kapitel 1 ("Das Krankenhaus als Unternehmen") auf die Einführung von Managementinstrumenten im Krankenhaus ein. Stichwortartig werden Controlling, Qualitätsmanagement, Prozessmanagement, die Entwicklung von Organisationsleitbildern, Schnittstellenmanagement, Kooperationen und Fusionen, Krankenhausmarketing, Personalmanagement und nicht zuletzt Change-Management genannt. In Krankenhäusern unter privater Trägerschaft sind diese Begriffe schon lange keine Fremdworte mehr.

    Im Kapitel 5 ("Perspektiven des Wettbewerbs im Krankenhaussektor") werden als Parameter des Wettbewerbs Preis, Qualität und Menge genannt. Auf alle Faktoren haben Sie als Chefarzt entscheidenden Einfluss. Über die Auswirkungen des künftigen Wettbewerbs unter Krankenhäusern auf die Krankenhausplanung ist im Kapitel 7 ("Wettbewerb und Planung") die Rede. Im Kapitel 9 ("Privatisierungswelle im deutschen Krankenhauswesen?") wird die These aufgestellt, bei der befürchteten großflächigen Umwandlung öffentlich-rechtlicher und freigemeinnütziger Krankenhäuser in Krankenhäuser unter privater Trägerschaft handele es sich um einen Mythos. Im Kapitel 21 ("Veränderungen der Trägerschaft von Krankenhäusern seit 1992") findet sich zu dieser Frage umfangreiches Datenmaterial samt Analyse.

    Auf die besondere Situation der Hochschulen wird im Kapitel 11 ("Universitätsklinika im Wettbewerb") eingegangen. Die Problematik der Qualität als Wettbewerbspara-meter wird in zwei eigenen Kapiteln (13 und 14) näher untersucht. Brisant wird es in Kapitel 15 ("Mindestmengen in der stationären Versorgung"). Mitautor ist unter anderem der bekannte Gesundheitsökonom Karl Lauterbach, der bekanntlich zu den engsten Ratgebern von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt gehört. Wichtige Schlussfolgerungen zur DRG-Einführung lassen sich aus Kapitel 18 - "Der DRG-Methoden-Pretest: Startschuss mit (Neben-)Wirkungen"- ziehen.

    Mengenverschiebungen im Bereich besonders häufiger und umsatzstarker Fallpauschalen sowie Sonderentgelte im "Krankenhaus-Directory"

    Insbesondere das "Krankenhaus-Directory" liefert wieder einmal spannende Informationen aus den Leistungsdaten einer sehr großen Zahl deutscher Akutkrankenhäuser. In jedem Jahr werden in Tabellenform alphabetisch nach dem Standort geordnet aufgeführt: der Name des Krankenhauses, die Form der Trägerschaft (öffentlich, freigemeinnützig, privat), die Bettenzahl sowie Daten aus der Leistungs- und Kalkulationsaufstellung der deutschen Krankenhäuser.

    In diesem Jahr werden die Mengenverschiebungen im Bereich besonders häufiger und umsatzstarker Fallpauschalen sowie Sonderentgelte im Zeitraum von 1998 bis 2001 analysiert. Angegeben werden für jedes Krankenhaus die Veränderungen der folgenden Fallpauschalen:

  • FP 7.01 Tonsillektomie
  • FP 9.021 Koronarer Bypass
  • FP 10.01 Varizenexhairese
  • FP 12.07 OP einer Leisten- oder Schenkelhernie
  • FP 15.02 Hysterektomie
  • FP 16.041 Vaginale Entbindung ab der 38. Schwangerschaftswoche
  • FP 17.061 Implantation einer TEP bei Coxarthrose
  • FP 17.091 Implantation einer Knie-TEP
  • SE 12.06 Teilresektion des Colons
  • SE 21.02 Linksherzkatheteruntersuchung mit PTCA
    Brisante Frage: Haben sich einzelne Kliniken besonders gut auf den kommenden Wettbewerb eingestellt?

    Interessant ist die Angabe, wie sich der Anteil von Fallpauschalen und Sonderentgelten am Gesamtbudget in den Jahren 1998 bis 2001 verändert hat. Dieser Liste wird folgende hochbrisante Frage vorangestellt: " Lässt sich daraus erkennen, dass einzelne Kliniken sich dem Wettbewerb besonders stellen und für einzelne Bereiche überdurchschnittliche Veränderungsraten zu verbuchen haben?"

    Mit diesen Informationen können Sie als Chefarzt sich nun ein Bild davon machen, wie es um Ihr Haus und die benachbarten Häuser steht. Dazu ein Beispiel: Zwei unterschiedlich große Häuser mit verschiedenen Trägern in C-Stadt stehen in Konkurrenz zueinander. Sie haben sich in den Jahren 1998 bis 2001 recht unterschiedlich entwickelt: Während B-Hospital seinen Anteil von Fallpauschalen und Sonderentgelten am Gesamtbudget um immerhin sieben Prozent steigern konnte, ging dieser Anteil in A-Hospital um ein Prozent zurück.

    Krankenhaus-
    name
    OrtTrägerBettengrößen
    klasse
    % FP/SE 2001FP/SE Diff. in % 98/01
    A-HospitalC-Stadtfg> 50033-1
    B-HospitalC-Stadtö> 1000297

    Noch deutlicher wird die Leistungsentwicklung in unterschiedlichen Fachbereichen bei Betrachtung der Veränderungen bei einzelnen Fallpauschalen und Sonderentgelten: Die chirurgische Abteilung B-Hospital nahm einen stürmischen Aufschwung: 100 Prozent Zunahme bei Varizenoperationen, 83 Prozent mehr Hernienoperationen. Dagegen im A-Hospital: Rückgang der Varizenchirurgie, geringe Zunahme der Hernienreparationen. Während die Zahl normaler Geburten im B-Hospital nur um zwei Prozent zurückging, kam es in A-Hospital zu einem dramatischen Einbruch von 35 Prozent. Bei den Hysterektomien konnte das B-Hospital um 68 Prozent steigern, im A-Hospital gingen sie um fünf Prozent zurück. In beiden Häusern stieg die Anzahl der Darmresektionen.

    KrankenhausnameOrtFP 10.01FP 12.07FP 15.02FP 16.041SE 12.06
    A-HospitalC-Stadt-1610-5-3518
    B-HospitalC-Stadt1008368-221

    Fazit: Der Krankenhaus-Report 2002 ist für alle Entscheidungsträger im Krankenhaus eine lohnende Lektüre. Das Werk wird abgerundet durch eine CD, die den vollständigen Text und alle Tabellen und Abbildungen enthält.

    Arnold, Klauber, Schellschmidt (Herausgeber): Krankenhaus-Report 2002; Schwerpunkt: Krankenhaus im Wettbewerb. Schattauer-Verlag Stuttgart, 376 Seiten, 49 Euro.

    Quelle: Ausgabe 01 / 2003 | Seite 10 | ID 96755