· Fachbeitrag · Doppeldruck auf den Mittelstand
Zwischen KI-Pflicht und ESG-Druck: Wie Steuerberater KMU zukunftsfest machen
von Prof. Dr. Markus H. Dahm, Hamburg
Viele KMU stehen vor ihrer vielleicht größten Bewährungsprobe: Sie müssen gleichzeitig digitaler und nachhaltiger werden. Genau hier wird KI zum strategischen Hebel – und der Steuerberater zum entscheidenden Sparringspartner. Während große Konzerne KI bereits systematisch einsetzen, droht im Mittelstand wertvolle Zeit verloren zu gehen. Der Druck wächst. Für die Beratungspraxis bedeutet das: Wer KI nur als Technikthema betrachtet, greift zu kurz. Richtig eingesetzt, steigert KI nicht nur Effizienz und Produktivität, sondern unterstützt KMU dabei, ökologische Ziele zu erreichen, soziale Standards zu verbessern und wirtschaftlich resilienter zu werden. Damit wird KI vom Tool zum Wettbewerbsfaktor – und für Steuerberater zum zentralen Zukunftsthema ihrer Mandanten.
1. Potenziale und Herausforderungen von KI für KMU
1.1 Potenziale
In einer Umfrage von Mittelstand-Digital (iww.de/s14692) wurden KI-Trainer gefragt, in welchen Unternehmensbereichen KI von hoher Relevanz ist. Die Bereiche Produktion, Logistik sowie Marketing und Vertrieb profitieren von Anwendungen wie Objektinspektion, Qualitätsmanagement und -kontrolle, vorausschauender Wartung, Datenanalyse und Bilderkennung. Auch die Texterstellung und das Wissensmanagement haben im Vergleich zu früheren Befragungen stark zugenommen. Dies ist auf die starke mediale Präsenz von Anwendungen generativer KI-Modelle wie ChatGPT zurückzuführen. KI-Technologien eröffnen KMU somit bedeutende Effizienzpotenziale. Durch die Automatisierung repetitiver Tätigkeiten können betriebliche Ressourcen gezielter eingesetzt werden, was zu einer spürbaren Steigerung der Produktivität und letztlich auch zu Kosteneinsparungen führt. Darüber hinaus ermöglicht der Einsatz KI-basierter Datenanalysemethoden eine systematische Auswertung großer Datenmengen, die als fundierte Entscheidungsgrundlage dient und strategische Prozesse unterstützt. 76,5 % der Experten des Mittelstand-Digital Zentrums sind zudem davon überzeugt, dass KI zur Verbesserung der ökologischen Nachhaltigkeit beitragen kann.
1.2 Herausforderungen
In einer Datenerhebung zur Nutzung von KI hat das Statistische Bundesamt Unternehmen befragt, die KI noch nicht einsetzen (iww.de/s14562). Von diesen haben 18 % den Einsatz zwar in Betracht gezogen, sich aktuell jedoch dagegen entschieden. 71 % nannten fehlendes Wissen als einen wesentlichen Grund für die Nichtnutzung von KI, 58 % die Unklarheit über rechtliche Folgen und 53 % äußerten Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes oder der Datenqualität. Auch die Inkompatibilität mit dem vorhandenen Bestand an Geräten, Software und Systemen hindert 44 % dieser Unternehmen daran, KI einzusetzen. 28 % nannten zudem hohe Kosten und ethische Überlegungen als Grund. 21 % der befragten Unternehmen sind der Auffassung, dass der Einsatz von KI in ihrem Unternehmen nicht sinnvoll ist. Für viele KMU stellt die Gewinnung qualifizierter Fachkräfte sowie die Weiterentwicklung des bestehenden Personals eine zentrale Herausforderung dar.
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