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·Fachbeitrag ·Wertminderung

Was tun, wenn der Versicherer die Position „Wertminderung“ im Gutachten kürzt?

| Mehrere Leser haben uns darauf aufmerksam gemacht, dass einzelne Versicherer zurzeit wie folgt agieren: Wenn im vom Geschädigten eingeholten Schadengutachten eine Wertminderung beziffert wurde, lehnen sie nicht rundweg ab. Stattdessen schreiben sie, die vom Gutachter angenommene Wertminderung sei zu hoch und zahlen etwa die Hälfte. Der Kunde ist enttäuscht, der Sachverständige wird in ein schlechtes Licht gerückt. |

 

Frage: Darf der Versicherer bei der Wertminderung den im Gutachten bezifferten Betrag kürzen und wie kann man sich gegebenenfalls dagegen wehren?

Unsere Antwort: Das ist eine durchaus geschickte Strategie der Versicherer, wenn es darum geht, jeden denkbaren Euro zu sparen.

 

Wertminderung beruht auf Prognose eines Käuferverhaltens

Die Wertminderung ist letztlich eine wachsweiche Schadenposition. Man darf sich da nichts vormachen: Wenn eine Wertminderung von 500 Euro angemessen erscheint, kann man kaum erklären, warum 400 oder 600 Euro nicht auch richtig sein sollen. Denn immerhin muss ja prognostiziert werden, wie viel weniger ein typischer Gebrauchtwagenkäufer für das Fahrzeug als Gebrauchtwagen mit dem reparierten Unfallschaden bezahlen würde.

 

Alle bisherigen Versuche, für die Wertminderung ein unangreifbares Rechenmodell zu schaffen, dürfen als gescheitert gelten. Das kann man schon daran erkennen, dass die verschiedenen Berechnungsmethoden zu teils eklatant unterschiedlichen Ergebnissen gelangen und daher entweder beim Versicherer oder auf der Geschädigtenseite beliebt sind.

 

Nun muss sich der Geschädigte entscheiden

Wenn der Versicherer nun die Wertminderung nicht in Bausch und Bogen ablehnt, sondern „nur“ von einem niedrigeren Betrag ausgeht und anschließend hart bleibt, hat der Geschädigte die Wahl, das hinzunehmen oder die Differenz einzuklagen.

 

Wichtig | Letzteres ist nicht ohne Risiko. Er kann sich nämlich nicht darauf berufen, sein Gutachter habe den Schaden „festgelegt“. Das tut der nämlich nie. Die Funktion des Gutachtens ist es in diesem Zusammenhang, Schätzhilfe für das Gericht hinsichtlich der Schadenhöhe zu sein. Aber daran ist das Gericht nicht gebunden. Es kann entweder ein weiteres Gutachten einholen, aber was dabei rauskommt, ist nicht vorhersehbar. Oder es peilt selbst die Wertminderung „über den richterlichen Daumen“, was ihm durch § 287 Abs. 2 BGB durchaus erlaubt ist. Denn der Aufwand eines weiteren Gutachtens wird selten im sinnvollen Verhältnis zum eingeklagten Betrag stehen. Die Folge: Ist der Geschädigte nicht rechtsschutzversichert, riskiert er Prozesskosten, die den denkbaren Ertrag auffressen oder überschreiten können.

Quelle: Ausgabe 11 / 2012 | Seite 15 | ID 36222830