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·Fachbeitrag ·Schadenabwicklung

Totalschaden an werkstatteigenem Fahrzeug - Nur „Händlereinkaufspreis“ erstattungsfähig?

| Ein Leser möchte wissen, ob der gegnerische Versicherer im Falle eines Totalschadens an einem werkstatteigenen Fahrzeug nur den unterhalb des WBW liegenden „Händlereinkaufspreis“ erstatten muss. Die Antwort lautet: In der Regeln nein. |

 

Frage: Wir sind eine Werkstatt ohne Fahrzeughandel. Unser Mietwagen - ein knapp zwei Jahre alter Kleinwagen - erlitt bei einem Haftpflichtschaden einen Totalschaden. Der gegnerische Versicherer kündigt uns an, nicht den üblichen WBW, sondern nur den „Händlereinkaufspreis“ erstatten zu wollen. Ist das richtig, müssen wir das so hinnehmen?

 

Unsere Antwort: Da muss man erst mal klären, was der Versicherer mit dem Begriff „Händlereinkaufspreis“ meint. Im Sprachgebrauch der Autobranche versteht man darunter den Betrag, den ein Kfz-Händler beim Ankauf eines solchen Fahrzeugs zu bezahlen bereit ist. Der ist notwendigerweise niedriger als der WBW. Denn der WBW wird als der Betrag definiert, den ein Käufer für so ein Fahrzeug bei einem seriösen Kfz-Händler bezahlen muss. Folglich ist das der Verkaufspreis. Zwischen dem Einkaufspreis und dem Verkaufspreis liegen eventuelle Kosten der Aufbereitung für den Verkauf, typischer Weise die Kosten für eine neue HU, eine kalkulatorische Rückstellung für Gewährleistungsarbeiten und die Handelsspanne.

Inzahlungnahmepreis kann nicht der Maßstab sein

Wenn der Versicherer den Schadenersatz auf den so verstandenen Händlereinkaufswert reduzieren wollte, bedeutete das, dass Sie zu dem Betrag Ersatz beschaffen könnten. Da müsste just ein Kunde erscheinen, der Ihnen so ein Fahrzeug anbietet. Das ist schlichtweg unrealistisch, zumal Sie ja gar nicht mit Fahrzeugen handeln.

Der Blick ist auf den ganz normalen Markt zu richten

Folglich müssen Sie sich auf dem ganz normalen Markt eindecken, und das ist der ganz normale Kfz-Markt im Autohandel.

 

Rechtsprechung dazu ist uns nicht bekannt, doch man kann über Folgendes nachdenken: Kauft eine Werkstatt oder ein Kfz-Händler ein Fahrzeug bei einem Kollegen, erfolgt das in der Regel unter Ausschluss der Gewährleistung. Deshalb ist ein Preisnachlass auf den beim Verkauf an Privat erzielbaren Preis die Regel, weil der verkaufende Händler keine kalkulatorischen Rückstellungen für eventuelle Gewährleistungsarbeiten berücksichtigen muss.

 

Wenn der Versicherer einen solchen maßvollen Abschlag auf den Preis für Endverbraucher meint, wenn er den Begriff „Händlereinkaufswert“ verwendet, liegt er vermutlich richtig. Wenn Sie typischerweise unterhalb des Endverbraucherpreises einkaufen können, ist Ihr Schaden auch nicht höher.

Wie wäre es, wenn Sie ein Autohaus wären?

Wenn man Ihre Frage abwandelt und der Überlegung nachgeht, sie seien ein Autohaus, dann dürfte wohl ein Fahrzeug aus Ihrem Markenportfolio betroffen sein.

 

Da gibt es bei den meisten Marken im Moment wohl nur den sehr theoretischen Fall eines sehr wertstabilen Fahrzeugs, dessen Verkaufspreis als ganz junger Vorführwagen noch oberhalb Ihres Einkaufspreises für einen Neuwagen liegt. Wenn Sie sich also mit einem ebensolchen jungen Gebrauchtwagen am Markt eindecken würden, müssten Sie mehr Geld aufwenden, als wenn Sie so ein Fahrzeug wieder neu beim Hersteller kaufen. Dann müssten Sie sich mit dem neuen Fahrzeug „bescheiden“.

 

Kurzfristig lieferbar oder nicht?

Allerdings setzt das voraus, dass so ein Objekt auch sehr kurzfristig lieferbar ist. Das Spiegelbild hoher Wertstabilität ist in der Regel ein knapper Neufahrzeugmarkt. Die Folge sind lange Lieferzeiten. Dann besteht doch Anspruch auf den WBW am Gebrauchtmarkt. Erst recht, wenn ein Vorführwagen für ein aktuelles Modell betroffen ist, kann es ja nicht sein, dass Sie zugunsten des Versicherers langfristig kein Fahrzeug haben, das Sie interessierten Kunden zeigen können.

 

Der Einwand des Versicherers, so bekämen Sie für das Fahrzeug ja mehr, als Sie je dafür bezahlt haben, ist verfehlt. Denn es kommt nie darauf an, wie der Geschädigte das Fahrzeug beschafft hat, sondern nur darauf, wie er ein vergleichbares Objekt erwerben kann. Selbst wenn ein Geschädigter nur fünf Euro für ein Los in der Fernsehlotterie aufgewandt hat, mit dem er das Auto gewonnen hat, ist sein Schaden nicht auf diese fünf Euro begrenzt. Wie immer basiert der Schaden auf der Wiederbeschaffungsmöglichkeit.

 

Wenn Sie selbst so einen als Gebrauchten haben

Denkbar ist bei Markenhändlern der Fall, dass sie den passenden Ersatz für das beschädigte eigene Fahrzeug im Gebrauchtwagenbestand haben. Der Versicherer will Ihnen nun dafür Ihren Anschaffungspreis ersetzen. Das ist sicher falsch, denn wie bei der Reparatur des werkstatteigenen Autos ist der „Verkauf“ des Gebrauchtwagens „an sich selbst“ eine überobligatorische Leistung. Es darf vermutet werden, dass Sie das Objekt mit Gewinn hätten verkaufen können. Denn dafür haben Sie es eingekauft.

 

PRAXISHINWEIS | Argumente mit denen Sie dem Ansinnen des Versicherers entgegentreten können, finden Sie im Textbaustein 350.

 

Weiterführender Hinweis

  • Textbaustein 350: Kein Händler-EK bei Totalschaden an Werkstattauto
Quelle: Ausgabe 06 / 2013 | Seite 9 | ID 39474980