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·Fachbeitrag ·Schadenabwicklung

So geht Schadenersatzrecht: ex ante statt ex post

| Ein Urteil der Berufungskammer des LG Saarbrücken ist ein gutes Beispiel dafür, einmal mehr daran zu erinnern, wie Schadenersatzrecht wirklich geht: Es kommt immer auf die Erkenntnismöglichkeiten des Geschädigten zum Zeitpunkt seiner Dispositionen an („ex ante“). Dass man hinterher („ex post“) manchmal schlauer ist, spielt schadenersatzrechtlich keine Rolle. Das gilt erst recht, wenn hinterher jeder auf seine eigene Weise schlauer ist. |

 

Fast 1.000 Euro Unterschied in der Beurteilung des Schadens

Bei einem Fahrzeug mit einem noch durchaus beachtlichen WBW in der Größenordnung von 12.700 Euro hatte der vom Geschädigten beauftragte Schadengutachter Reparaturkosten in Höhe von 1.606,73 Euro prognostiziert. Noch bevor der Geschädigte in einer Markenwerkstatt den Reparaturauftrag gab, hatte der gegnerische Haftpflichtversicherer interveniert und die Auffassung vertreten, der Schaden belaufe sich auf nur 642,46 Euro. Nun meinte er, dass sich der Geschädigte eben nicht mehr auf „sein“ Gutachten verlassen könne, denn er kenne ja die abweichende Kalkulation. Der Geschädigte ließ sich aber nicht beirren und erteilte den Auftrag zur Reparatur gemäß „seinem“ Gutachten. Entsprechend gestaltete sich die Reparaturrechnung.

 

Experten vor Gericht sind sich völlig uneins

In der ersten Instanz des Rechtsstreits vor dem AG Völklingen wurden mehrere Gutachter gehört und auch noch ein Werkstattmitarbeiter als sachkundiger Zeuge. Alle kamen zu völlig unterschiedlichen Bewertungen des Schadens. Wenn schon, so das LG Saarbrücken (Urteil vom 22.6.2012, Az. 13 S 37/12; Abruf-Nr. 122821), diese Experten keine Einigkeit erzielen können, kann nicht vom Geschädigten verlangt werden, dass er beurteilt, ob „sein“ Gutachten oder das des Versicherers richtig oder falsch ist. Und dann gilt eben wieder der Grundsatz, dass sich der Geschädigte auf die Richtigkeit des von ihm eingeholten Gutachtens verlassen darf. Das Prognoserisiko geht dann immer zulasten des Schädigers.

 

Das Prognoserisiko liegt beim Schädiger

Das Gericht hat also der Versuchung widerstanden, im Nachhinein unter den ganzen verschiedenen Ansichten die „richtigste“ herauszufiltern. Schadenrechtlich goldrichtig hat es nur danach gefragt, welche Erkenntnismöglichkeiten der Geschädigte hatte.

 

PRAXISHINWEIS | Dass es auf die Erkenntnismöglichkeiten des Geschädigten zum Zeitpunkt seiner Disposition ankommt, muss man sich im Schadenersatzrecht immer wieder vor Augen führen. Dann fällt man weniger und weniger auf die Nebelkerzen der Versicherer herein. Auch in Gerichtsprozessen muss man sich dessen immer wieder besinnen. Zeigen Sie diesen Beitrag daher auch „Ihrem“ Anwalt.

 
Quelle: Ausgabe 02 / 2013 | Seite 10 | ID 37442520