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·Fachbeitrag ·Schadenabwicklung

Restwert nur gegen Abtretung von Ansprüchen gegen den Sachverständigen?

| Die „neue Idee“ eines Versicherers irritiert einen Leser. Er soll seinen Kunden, dem er nach einen Totalschaden ein neues Fahrzeug verkauft hat, veranlassen, dass dieser dem Versicherer seine Gewährleistungsansprüche gegen den Sachverständigen abtritt. Nur dann will der Versicherer auf der Grundlage des Restwerts aus dem Gutachten abrechnen. Erfahren Sie, welche Überlegungen hinter dem Ansinnen des Versicherers stecken und warum er damit wohl Schiffbruch erleiden wird. |

 

Frage: Unser Kunde hatte einen wirtschaftlichen Totalschaden. Der Schadengutachter, den wir dem Kunden empfohlen haben, hat den Restwert am örtlichen Markt ermittelt und mit drei Angeboten hinterlegt. Der Versicherer ist der Auffassung, der Restwert sei zu niedrig. Wir haben dem Kunden ein anderes Fahrzeug verkauft, der Schadenersatzanspruch hinsichtlich des Differenzbetrags aus WBW und Restwert ist an uns abgetreten. Nun schreibt der Versicherer, er werde nur dann auf der Grundlage des Restwerts aus dem Schadengutachten abrechnen, wenn wir unseren Kunden dazu veranlassen, dem Versicherer die „Gewährleistungsansprüche aus dem Vertrag des Geschädigten mit dem Sachverständigen“ abzutreten. Was soll das bedeuten?

 

Unsere Antwort: Das ist wohl mal ein neuer Versuch. Der Versicherer weiß, dass er keinen höheren Restwert ansetzen darf, als den aus dem Schadengutachten, wenn der Geschädigte den verunfallten Wagen verkauft, bevor der Versicherer ein Überangebot vorgelegt hat. Deshalb versucht der Versicherer nun, sich irgendwie am Sachverständigen schadlos zu halten. Für einen Regress des Versicherers gegen den Sachverständigen wäre es aber gar nicht nötig, dass ihm irgendwelche Ansprüche abgetreten werden. Denn der Vertrag zwischen dem Geschädigten und Schadengutachter entfaltet „Schutzwirkung zugunsten Dritter“, also zugunsten des Versicherers.

 

Deshalb verfolgt der Versicherer vermutlich folgende Idee. Er will dem Zahlungsanspruch des Sachverständigen, dessen Gutachtenkosten im Abrechnungsschreiben, das Sie uns vorgelegt haben, nicht berücksichtigt sind, vermeintliche Gewährleistungsrechte entgegensetzen. Nach dem Motto „Dein Gutachten ist fehlerhaft, weil Du den Restwert zu niedrig angesetzt hast“. Das wird jedoch gründlich in die Hose gehen:

 

  • Geht der Geschädigte gegen den Versicherer vor, bewegt er sich im Schadenrecht. Dem kann der Versicherer keinen werkvertraglichen Gegenanspruch entgegenhalten.
  • Geht der Versicherer gegen den Sachverständigen vor, ist das für den Gutachter kein Problem, wenn sich sein Gutachten an die BGH-Vorgaben hält.

 

Also tun Sie dem Versicherer den Gefallen und organisieren Sie, dass ihr Kunde den Anspruch abtritt. Wir sehen darin kein Problem.

Quelle: Ausgabe 06 / 2013 | Seite 8 | ID 39744790