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·Fachbeitrag ·Glasschaden

Sind die DAT-Werte beim Glasschaden für den Versicherer nicht verbindlich?

| Ein Leser möchte wissen: Darf der Versicherer bei einem Glasschaden die Position „Abdeckrahmen“ komplett streichen, obwohl diese Position im DAT-System separat aufgeführt ist? Und darf der Versicherer beim Klebesatz zehn Prozent abziehen? Der folgende Beitrag beantwortet die Fragen des Lesers und räumt dabei auch mit einer weit verbreiteten Fehlvorstellung auf. |

 

Frage: Wir hatten eine Reparaturrechnung über „Windschutzscheibe erneuern“ und diese bei der Versicherung eingereicht. Wir haben die Arbeitswerte und Preise über Silver-DAT Kalkulation ermittelt. Nun kam die Abrechnung von der Versicherung. Diese wurde gekürzt. Die Position „Abdeckrahmen“ mit 40 AW wurde komplett gestrichen, obwohl diese Position in DAT separat aufgeführt ist. Beim Klebesatz wurden 10 Prozent abgezogen. Sind die DAT-Werte für die Versicherung nicht verbindlich?

 

Unsere Antwort: Auch wenn das für Ihre Frage eher negativ ist: Die „Hörigkeit“ hinsichtlich AW-Vorgaben von DAT, Audatex oder Herstellern wundert uns schon seit langer Zeit. Die Vorgaben beziehen sich auf Idealbedingungen.

 

Jedenfalls sind das keine für die eine oder andere Seite verbindlichen Richtwerte. Für die Arbeiten braucht man so lange, wie man braucht. Mal geht‘s besser, dann geht‘s schneller, mal schlechter, dann ist es eben langsamer. Außerdem darf jeder Unternehmer seine Preise in eigener Verantwortung kalkulieren.

 

Werkvertragsrecht und Kaskorecht sauber unterscheiden

Allerdings betrifft das nur den werkvertraglichen Aspekt, also die Frage, was Sie Ihrem Kunden berechnen dürfen. Wie immer ist es eine andere Frage, was der Versicherer dem Kunden hinsichtlich Ihrer Rechnung erstatten muss. Die Zahlung des Versicherers an Sie, das können wir nicht oft genug wiederholen, ist ja nur ein Zahlungsabkürzung: Was dem Kunden von seinem Versicherer erstattet wird, wird - um die Zahlungswege abzukürzen - wunschgemäß auf Ihr Konto überwiesen.

 

Vertragliche Vorgaben oder „erforderliche Kosten“

Wenn keine konkreten Vorgaben im Versicherungsvertrag gemacht sind (auch das gibt es), kommt es aus Sicht des Kunden auf die „erforderlichen“ Kosten an. Und das sind regelmäßig die Preise der von ihm gewählten Werkstatt. Der Kunde kann die - und nur darauf kommt es im Schadenrecht wie auch im Kaskorecht an - nicht beeinflussen.

 

Abdeckrahmen und Klebesatz betreffen unterschiedliche Aspekte

Ihre Frage bezieht sich faktisch und rechtlich allerdings auf Zweierlei:

 

  • 1. Ob die Position „Abdeckrahmen“ überhaupt vom Schutz der Teilkaskoversicherung umfasst ist, ist umstritten. Versichert ist der Glasbruchschaden, und so behaupten manche Versicherer, sie müssten sich nur mit der Scheibe und den unmittelbaren Aus- und Einbaukosten befassen, nicht mit der „Dekoration“. Offensichtlich steckt diese These wortlos im Streichen der Werte. Wenn das richtig wäre, kann DAT für diese Arbeiten kalkulieren, was auch immer die wollen. Die dafür entstehenden Arbeiten wären nicht vom Versicherer zu ersetzen. Sie müssten diesen Anteil beim Kunden kassieren. Die Problematik ist ja auch von Regensensoren oder Feinstauplaketten hinreichend bekannt.

 

  • Ob das richtig ist, ist nicht abschließend geklärt. Das ist eine Rechtsfrage. Die kann also ohne das lästige Sachverständigenverfahren direkt vor Gericht geklärt werden. Am besten wäre, der Kunde macht mit, ist rechtschutzversichert und bereit, als Kläger aufzutreten. Der zweitbeste Weg ist die Klage der Werkstatt aus der Abtretung heraus. Durch die Teilzahlung an die Werkstatt ist ja das Genehmigungserfordernis für die Abtretung gemäß A.2.14.4 AKB entfallen.

 

  • Dann kommt es darauf an, wie das Gericht die Glasschadenthematik auslegt. Für uns erkennbare Vorbildrechtsprechung gibt es nicht, vermutlich hat bisher nie jemand geklagt nach dem Motto „Risiko groß, offener Betrag klein ...“.

 

  • 2. Der zehnprozentige Abzug beim Klebesatz hingegen ist ein „Streit um die Höhe des Schadens“. Da muss man, wenn man sich wehren möchte, durch das unsägliche Sachverständigenverfahren.

 

PRAXISHINWEISE |  

  • Bei einem Streit um eine solche Differenz kann man davon nur abraten. Denn der Aufwand und das Kostenrisiko eines solchen Sachverständigenverfahrens stehen in keinem sinnvollen Verhältnis zum offenen Restbetrag. Das wissen die Versicherer und darauf vertrauen sie.
  • Allerdings kann man hier ja auch „pokern“. Wenn wegen des Abdeckrahmens ohnehin geklagt wird, könnte man es riskieren, die Klebesatzdifferenz einfach mit einzuklagen. Denn es ist nicht unwahrscheinlich, dass der Versicherer ein Urteil wegen des Abdeckrahmens vermeiden möchte und auf Klagezustellung hin bezahlt, ohne den Prozess aufzunehmen. Dann zahlt er wohl diesen Anteil auch mit. Sie müssen aber wissen, dass das ein Risiko ist.

 

Weiterführender Hinweis

  • Beitrag „Meinungsverschiedenheiten bei Kaskoschäden: Das Sachverständigenverfahren“, UE 9/2012, Seite 15
Quelle: Ausgabe 02 / 2013 | Seite 13 | ID 37483150