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·Fachbeitrag ·Anwaltskosten

Versicherer hakt wegen Anwaltsbeauftragung beim Geschädigten nach - was steckt dahinter?

| Immer wieder passiert es in der Praxis, dass Versicherer beim Geschädigten wegen der Beauftragung eines Rechtsanwalts nachhaken und Fragen zur Bevollmächtigung, zur Empfehlung und zu vielem mehr stellen. Geht das den Versicherer überhaupt etwas an? Welchen Zweck hat das? |

 

Frage: Aus Überzeugung und mit einer großen Erfolgsquote empfehlen wir unseren Kunden bei Haftpflichtschäden, anwaltliche Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Dabei empfehlen wir auch ein Anwaltsbüro, mit dem wir gute Erfahrungen gemacht haben. Nun bekommen unsere Kunden von einem Versicherer merkwürdige Fragen gestellt. Statt über den Anwalt zu kommunizieren, schreibt der Versicherer den Kunden direkt an: „Es ergeben sich noch Rückfragen zu dem von Ihnen beauftragten Rechtsanwalt: Wie kam die Beauftragung des Rechtsanwaltes zustande? Wurde Ihnen der Rechtsanwalt empfohlen? Wann und wo wurde die Vollmacht von Ihnen unterschrieben? Wie oft haben Sie die Geschäftsräume des Rechtsanwaltes aufgesucht? Wurde der Rechtsanwalt bereits schon früher in einer anderen Angelegenheit von Ihnen beauftragt?“ Was steckt dahinter?

 

Unsere Antwort: Das Schreiben hat System. Es soll den Geschädigten einschüchtern und das Kunden-Werkstatt-Verhältnis stören.

 

Kunde wird ins Wanken gebracht

Versicherer mögen es nicht, wenn sich gute und erprobte Anwälte um Unfallsachen kümmern. Denn dann funktioniert das Spiel mit den Kürzungen nicht. Und so versuchen die Versicherer, Sand ins Getriebe zu streuen. Der Geschädigte soll den Eindruck bekommen, der Rat der Werkstatt sei unseriös.

 

Anwaltsvertrag wird in Frage gestellt

Außerdem wollen die Versicherer behaupten können, dass der Anwaltsvertrag nichtig sei. Doch hier müssen Sie wissen: Es kommt nur auf eines an, nämlich dass der Geschädigte die Beauftragung des Anwalts wirklich wollte. Dann soll er dem Versicherer antworten, dass alle die Fragen rechtlich ohne Relevanz seien. Es komme einzig darauf an, dass der Geschädigte den Anwalt wissentlich und willentlich beauftragt habe - was zu bejahen sei. Auf wessen Empfehlung und ob zum ersten oder wiederholten Male das gegebenenfalls geschehen sei, gehe den Versicherer nichts an. Ebenso wenig das Aufsuchen der Geschäftsräume. Es gebe keinen Grund, Wartezimmer und Sprechzeiten zu blockieren, wenn die Informationen und Unterlagen per Telefon oder Mail weitergeleitet werden können. Der Versicherer bringe doch, wenn er Anwälte beauftrage, die Akte auch nicht persönlich dorthin.

 

Weiterführende Hinweise

  • In der Werkstatt unterschriebene Anwaltsvollmacht wirksam, UE 8/2012, Seite 5 und 1/2012, Seite 2
  • Sind Anwaltsempfehlungen und das Vorhalten von Vollmachtsformularen angreifbar?, UE 1/2012, Seite 15
Quelle: Ausgabe 09 / 2012 | Seite 9 | ID 35294400