logo logo
Meine Produkte: Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen. Anmelden
Menu Menu
MyIww MyIww
Jetzt testen

·Fachbeitrag ·Versicherungsrecht

Reparaturbeweis ab sofort empfehlenswert!

| Seit 1. April 2011 ist das Hinweis- und Informationssystem „HIS“ der Versicherer (auch „Schufa der Versicherer“ genannt) in Betrieb, das vordergründig der Betrugsabwehr dient. Dabei haben wir von Anfang „auf die Risiken und Nebenwirkungen“ aufmerksam gemacht. Wohl zurecht, wie die neueste Masche der Versicherer zeigt: Wird ein Unfallschaden gemeldet und der Versicherer weiß, dass das Fahrzeug in dem betroffenen Bereich schon einmal einen Schaden hatte, verlangt er den Nachweis vom Geschädigten, dass der Altschaden vollständig beseitigt war. |

Neue Aktivitäten sind zu beobachten

Das HIS-System ermöglicht den Versicherern, Informationen über frühere Unfälle zu Fahrzeugen abzurufen, auch wenn der Schaden nicht im eigenen Haus abgewickelt wurde. Davon wird offenbar fleißig Gebrauch gemacht.

 

Wird ein Unfallschaden gemeldet und der Versicherer weiß, dass das Fahrzeug in dem betroffenen Bereich schon einmal einen Schaden hatte, verlangt der Versicherer sowohl unter Haftpflichtschaden- wie unter Kaskoaspekten den Nachweis vom Geschädigten, dass der Altschaden vollständig beseitigt war.

 

Versicherer verlangt Nachweis des Umfangs eines Neuschadens

Ist der Geschädigte dazu nicht in der Lage, kann er nicht den Beweis erbringen, dass der Neuschaden vollständig ein Neuschaden ist. Er bekommt dann für den Neuschaden gar keinen Ersatz (zum Beispiel AG Marburg, Urteil vom 9.12.2011, Az. 9 C 1370/10; Abruf-Nr. 122539; LG Dortmund, Urteil vom 15.2.2012, Az. 2 O 214/11; Abruf-Nr. 122540).

 

Wichtig | Wir haben immer betont, dass gegen die betrugsvermeidende Komponente der HIS-Datensammlung wenig einzuwenden ist. Denn es ist das legitime Interesse der Versicherer, sich vor einer doppelten Abrechnung von Schäden zu schützen. Die „Nebenwirkungen“ dazu sind jedoch beträchtlich.

 

Auch der brave Bürger kann den Nachweis nicht immer führen

Wer zum Beispiel einen Gebrauchtwagen gekauft hat, weiß unter Umständen nichts von dem Altschaden. Oder er weiß davon, aber der Verkäufer hat ihn bagatellisiert, also kleiner dargestellt als er war. Oder der Käufer weiß davon, hat aber keinen Nachweis über die damalige Reparatur.

 

Denkbar ist auch, dass der Geschädigte einen kleineren Schaden selbst oder durch den fachkundigen Nachbarn hat instand setzen lassen, nun aber mit einem umfangreicheren Schaden in die Werkstatt kommt. Letztlich ist nicht jeder so sorgfältig und verwahrt die Rechnung von „damals“ lange und wieder auffindbar.

 

Vorsorgen und künftigen Ärger vermeiden

Die Folge ist: Für aktuelle Reparaturen, die auf die Versichererinformation „Da war doch schon mal was!“ treffen, liegt das Kind schon im Brunnen. Doch Zukunftsärger kann vermieden werden:

 

PRAXISHINWEIS | Empfehlen Sie Ihrem Kunden, er möge die Reparaturrechnung unbedingt aufbewahren, um bei einem späteren Schaden belegen zu können, dass der Altschaden repariert ist. Das ist das Minimum an Sorgfalt, die ab sofort aufzubringen ist.

Versicherer gibt sich mit vorgelegter Rechnung nicht zufrieden

Jedoch ist lebhaft vorstellbar, dass manchem Versicherer die Vorlage der Rechnung nicht genügt. Das kennt man ja von den diversen Nachbesichtigungen bereits reparierter Fahrzeuge.

 

Beachten Sie | Auch dieses Verhalten der Versicherer kann man nicht in Bausch und Bogen als unsinnig abtun. Es soll ja von Zeit zu Zeit vorkommen, dass als erneuert abgerechnete Schadenzonen tatsächlich nur instand gesetzt wurden oder - im Einvernehmen mit dem Kunden - eine nur oberflächliche Reparatur als umfassend berechnet wird, um Luft für andere Arbeiten am Fahrzeug zu schaffen. Das ist sicher die Ausnahme im Sinne der Stecknadel im Heuhaufen, aber es kommt vor.

 

Vieles spricht für ein gutachterliches Produkt

Es muss also nun ernsthaft darüber nachgedacht werden, dem Kunden einen gutachterlichen Reparaturnachweis zu empfehlen. Die Kfz-Sachverständigen sollten entsprechende Produkte schaffen, die schnell und kostengünstig zu erstellen sind.

 

  • Bei Kaskoschäden wird der Kunde die Kosten dafür selber tragen müssen. Das kann sich beim nächsten Schaden jedoch als lohnend erweisen.

 

  • Bei Haftpflichtschäden spricht alles dafür, dass im Falle einer Unfallreparatur der eintrittspflichtige Versicherer eine solche Reparaturbestätigung bezahlen muss. Um die Rechtsprechung in diese Richtung zu bringen, muss den Gerichten die Funktionsweise des HIS-Systems nahegebracht werden. Weil es die Instanzgerichte sind, die bei bekannt gewordenen Altschäden den Reparaturnachweis verlangen, werden sie (hoffentlich) auch so konsequent sein, die Kosten dafür dem Schädiger aufzuerlegen.

 

Weiterführende Hinweise

  • Beitrag „Das neue Betrugswarnsystem der Versicherer startet am 1. April 2011“, UE 4/2011, Seite 13
  • Beitrag „Informationsschreiben entlarvt die Absichten des Datenaustauschs in der ,Schufa der Versicherer‘“, UE 7/2011, Seite 17
  • Beitrag „Nochmal: Datenaustausch in der ,Schufa der Versicherer‘“, UE 9/2011, Seite 7
Quelle: Ausgabe 09 / 2012 | Seite 13 | ID 35146760