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·Fachbeitrag ·Kasko

Bei Kaskoschaden nicht beilackiert - Kunde verklagt uns auf Nachbesserung

| Die optische Farbangleichung durch das Einlackieren angrenzender Teile bei der Reparatur von Kaskoschäden ist offenbar immer noch ein Dauerbrenner. Das zeigt die Frage eines Lesers, der bei der Reparatur eines Unfallschadens nicht beilackiert hat und deshalb jetzt von seinem Kunden verklagt wird. Der Fall wirft mehrere Fragen auf. Der folgende Beitrag beantwortet sie. |

 

Frage: Anlässlich des Kaskoschadens an einem Kundenfahrzeug musste die Stoßstange lackiert werden. Weil die Kaskoversicherer die Kosten einer Farbangleichung an angrenzenden Bauteilen regelmäßig nicht übernehmen, haben wir eine solche Angleichung auch nicht vorgenommen. Nun verlangt der Kunde von uns die Nachbesserung unserer Arbeit, er hat bereits Klage erhoben. Dabei behauptet er nicht, dass die Lackierung als solche mangelhaft sei. Der Mangel sei die fehlende Farbangleichung. Hat der Kunde Recht?

 

Unsere Antwort: Der von Ihnen geschilderte Fall wirft zwei völlig verschiedene Fragen auf:

 

  • Wann ist eine Lackierung mangelhaft?
  • Was muss der Kaskoversicherer erstatten?

Es kommt auf den Auftragsinhalt an

Ob die Lackierung mangelhaft ist, ist vom Auftrag abhängig. Die Lackierung des Stoßfängers als solche wird ja offenbar nicht beanstandet. Nur passt die Farbe jetzt nicht zum Rest. Das tut sie aber wohl so gut wie nie, also muss das Auge durch Angleichungsarbeiten getäuscht werden.

 

Die Frage, die deshalb zunächst zu stellen ist: Wie lautete der Auftrag?

 

  • „So lackieren, dass man hinterher nichts mehr sieht“ oder
  • „So lackieren, dass ich nichts zuzahlen muss“?
  • Oder wurde das gar nicht besprochen und geklärt? Dann muss der Auftragsinhalt per Auslegung ermittelt werden.

Was steht in den Klauseln der Kaskobedingungen?

Ferner stellt sich die Frage, ob der Kunde bei einer Beilackierung wirklich hätte zuzahlen müssen. Früher gab es in der Tat in allen Kaskoverträgen eine Klausel, wonach die „Minderung an äußerem Ansehen“ den Kaskoversicherer nichts angehe. Daraus leitete die Praxis her - ohne dass es dazu erkennbare Urteile gegeben hätte -, dass der Versicherungsnehmer bei Kaskoschäden Farbunterschiede hinnehmen müsse.

 

In den Musterbedingungen gibt es das Problem nicht mehr

Heute ist eine solche Klausel jedenfalls in den Musterbedingungen des GDV nicht mehr enthalten. Ob einzelne Versicherer die aber in deren Bedingungswerk doch wieder eingebaut haben, muss Fall für Fall geprüft werden.

 

Für die obige Fragestellung ist das entscheidend. Denn wenn nach den Kaskobedingungen Ihres Kunden die Kosten einer Lackangleichung vom Versicherer erstattet werden müssen, ist das kein Entweder - Oder. Nichts mehr sehen und nichts zuzahlen ist dann das Gleiche.

 

In den Köpfen der Sachbearbeiter schwirrt die Klausel noch

Was allerdings irritiert: Auch wenn die Klausel nicht mehr enthalten ist, wenden die Sachbearbeiter der Versicherer immer noch ein: Einlackierungskosten werden nicht erstattet.

 

Entweder wissen sie es nicht besser oder - das erscheint uns wahrscheinlicher - die Gesellschaften setzen darauf, dass das noch niemand gemerkt hat. Sie vertrauen darauf, dass die Werkstätten immer noch im Interesse ihres eigenen Images („Wer hat das denn lackiert?“) kulanzweise und für den Versicherer kostenfrei die Farbe angleichen.

Entscheidend sind die Kaskobedingungen Ihres Kunden

Entscheidend ist letztlich, was in den Kaskobedingungen Ihres Kunden steht:

 

  • Gibt es die Klausel im Vertrag Ihres Kunden nicht mehr, spricht alles dafür, dass Ihre Arbeit mangelhaft ist. Denn es gibt ja keinen Grund, die fachlich sicher erforderliche Einlackierung nicht vorzunehmen.

 

  • Gibt es die Klausel im Vertrag Ihres Kunden doch noch, kommt es - siehe oben - auf den Inhalt des Werkvertrags zwischen Ihnen und Ihrem Kunden an. Was vor Gericht dabei herauskommt, ist kaum vorhersehbar.

 

PRAXISHINWEIS | Es ist zu befürchten, dass das Gericht eine Aufklärungspflicht sieht: Die Werkstatt, die das Problem im Gegensatz zum Kunden aus dem Abwicklungsalltag kennt, muss es ansprechen und den Kunden ausdrücklich vor die Wahl stellen: Will er lieber zuzahlen oder lieber den Farbunterschied hinnehmen? Unabhängig von einer rechtlichen Pflicht spricht alles dafür, dem Kunden diese Frage zu stellen, nachdem zuvor gemeinsam mit dem Kunden dessen Kaskovertrag eingesehen wurde. Denn das vermeidet Probleme, wie Sie sie jetzt haben.

Weiterführende Hinweise

  • Beitrag „AKB 2008 - Neue Musterbedingungen mit völlig veränderter und lesefreundlicher Struktur“, UE 2/2008, Seite 15
Quelle: Ausgabe 11 / 2012 | Seite 16 | ID 36193290