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05.03.2010 |Versicherer straft guten Willen

Unkonventionelle Lösung bei Ersatzteilstau

Wenn für die Reparatur benötigte Ersatzteile nicht lieferbar sind und sich die Reparatur deshalb verzögert, geht das zu Lasten des Schädigers. Das hat das AG Lübeck entschieden (Urteil vom 11.1.2010, Az: 28 C 2784/09; Abruf-Nr. 100601). 

 

Das ist gängige und weitgehend einheitliche Rechtsprechung. Das Urteil zeigt, wie guter Wille am Ende zum Problem werden kann.  

 

Urteilsfall

Es ging um ein junges Fahrzeug eines deutschen Herstellers aus amerikanischer Produktion. Ein Ersatzteil war nicht lieferbar. Nachdem es sowohl dem Geschädigten als auch der Werkstatt zu lange dauerte, wurde nach Abstimmung mit der Versicherung das fehlende Teil aus einem Gebrauchtwagen ausgebaut und für die Reparatur verwendet. Dadurch wurde der Ausfallschaden, dessen weitere Dauer nicht absehbar war, auf 32 Tage begrenzt. 

 

Statt sich zu freuen, stellte sich die Versicherung nun auf den Standpunkt, das hätten die Beteiligten auch viel früher machen können.  

 

Abstimmung wegen Mehrkosten erforderlich

Richtigerweise hatte die Werkstatt die Vorgehensweise im Namen des Kunden mit der Versicherung abgestimmt, denn dadurch entstand Mehrarbeit. Immerhin musste nach Lieferung des Neuteils das Gebrauchtteil ersetzt werden, das wiederum ins Spenderfahrzeug zurückzubauen war.  

 

Das Gericht hat die Mietwagenkosten für den gesamten Ausfallzeitraum zugesprochen. Denn die Entnahme eines Teils aus einem Gebrauchtwagen ist völlig ungewöhnlich, zumal der Gebrauchte bis zur Lieferung des Neuteils unverkäuflich ist. Dass der Geschädigte schon in der Frühphase des Ersatzteilrückstands hätte erreichen können, dass die Werkstatt den Weg geht, ist unwahrscheinlich.  

 

Schadenrechtlich korrekt hat das Gericht auch nicht gefragt, ob die Werkstatt das Gebrauchtteil hätte anbieten müssen, sondern nur, ob der Geschädigte die Werkstatt dazu hätte bewegen können. Die Antwort ist ein klares „Nein“. Er hatte sicher keinen Anspruch darauf, einen Gebrauchten der Werkstatt zerlegen zu lassen. Dass die Versicherung einwendet, wenn der unübliche Weg gegangen wurde, hätte er sofort gegangen werden müssen, ist der Fluch der guten Tat und aus unserer Sicht in der Kategorie „Dreistigkeit“ einzustufen. 

 

Beachten Sie: Nutzen Sie den Textbaustein 257. Jedoch ist die Einschaltung eines Anwalts in einem solchen Fall sicher sinnvoller. 

Quelle: Ausgabe 03 / 2010 | Seite 10 | ID 134091