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01.02.2006 | Positive Entscheidung

Eigener Gutachter trotz von der Versicherung eingesetztem Gutachter

Darf der Geschädigte beim Haftpflichtschaden selbst einen Gutachter beauftragen, obwohl die Versicherung bereits einen Gutachter geschickt hat? Diese Frage hatte das AG Bochum zu entscheiden.  

 

Urteilsfall

Der Geschädigte hatte telefonisch Kontakt mit der eintrittspflichtigen Versicherung aufgenommen. In dem Gespräch stimmte er zu, dass die Versicherung einen Gutachter schickt. Der besichtigte das Fahrzeug. Dennoch beauftragte der Geschädigte selbst einen „eigenen“ Gutachter. In den Ergebnissen unterschieden sich die Expertisen kaum, nur im Rahmen des normalen Beurteilungsspielraums (Wiederbeschaffungswert 2.000 statt 2.100 Euro sowie Restwert 100 statt 150 Euro). Die Versicherung verweigerte die Zahlung des Honorars für den freien Gutachter des Geschädigten. 

 

Entscheidung des AG Bochum

Das AG Bochum entschied, es lasse sich nicht feststellen, dass der Geschädigte mit seiner Zustimmung, die Versicherung könne das Fahrzeug selbst besichtigen lassen, auf sein Recht auf einen Gutachter verzichtet habe. Jedem Geschädigten stehe das Recht zu, den Schaden durch einen selbst gewählten Gutachter feststellen zu lassen (Urteil vom 15.12.2005, Az: 44 C 365/05; Abruf-Nr. 060159, eingesandt von Dipl.-Ing. Rasche, Bochum). 

 

Beachten Sie: Bei der Frage, ob neben dem Versicherungsgutachter auch ein selbst gewählter Gutachter auf Kosten der Versicherung tätig werden kann, kommt es auf die Details der Umstände an. Wenn sich der Geschädigte nur nicht gegen einen Versicherungsgutachter gewehrt hat, ist das Urteil zutreffend. Hat er sich hingegen mit der Versicherung auf den Einsatz deren Mitarbeiters bzw. deren „Gutachter-Favoriten“ geeinigt, sieht das anders aus.  

 

Es ist also riskant, den Einsatz eines weiteren Gutachters zu empfehlen, weil es im Streitfall darauf ankommt, wem das Gericht glaubt. Protokolliert ist das Gespräch auf Seiten des Geschädigten ja selten. Hat der Geschädigte „zu früh“ mit der Versicherung Kontakt aufgenommen, spricht viel dafür, zunächst zu schauen, ob der Geschädigte mit den Ergebnissen leben kann. Ist das Versicherungsgutachten aber unrichtig und meint der Geschädigte, er habe nicht zugestimmt, zeigt das Urteil einen gangbaren Weg. 

 

Unser Tipp: Sie waren bei dem Erstkontakt vermutlich nicht dabei. Daher spricht vieles dafür, den Kunden selbst gegenüber der Versicherung argumentieren zu lassen.  

 

Unser Service: Einen Textbaustein dazu finden Sie nachfolgend unter „weitere Dokumente“. 

Quelle: Ausgabe 02 / 2006 | Seite 5 | ID 97796