logo logo
Meine Produkte: Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen. Anmelden
Menu Menu
MyIww MyIww
Jetzt testen

01.12.2006 | Leserfrage

Teilkaskoschaden 1 + Teilkaskoschaden 2 = wirtschaftlicher Totalschaden

Ein Leser hat der Redaktion folgende Frage gestellt: „Immer wieder ergibt sich eine Situation, die wir an folgendem Beispiel illustrieren möchten: Das Auto des Kunden wird aufgebrochen, das Radio wird gestohlen. Im Bereich Tür und Türrahmen sind ebenso Schäden zu beseitigen wie im Innenraum. Jedoch liegt der Gesamtschaden deutlich unter dem Wiederbeschaffungswert (WBW).  

 

Mit einer Notreparatur wird das Auto fahrbar gemacht, die Gesamtreparatur ist bereits terminiert. Vor der Reparatur läuft dem Kunden ein Wildschwein vor das Auto. Es entsteht ein Frontschaden. Die Schadenbereiche sind nicht überlappend. Der Frontschaden für sich genommen liegt auch unter dem WBW. 

 

Die Summe beider Schäden übersteigt jedoch den Wert des Fahrzeugs. In der Teilkaskoversicherung ist eine Selbstbeteiligung von 150 Euro vereinbart. Wie löst sich der Knoten auf?“ 

Auf den Vertrag kommt es an

In der Kaskoversicherung kommt es seit der Deregulierung Anfang 1996 stets auf den konkreten Vertrag an. Deshalb kann die Frage hier nur auf der Grundlage der Musterbedingungen beantwortet werden. 

 

Kein Reparaturverbot bei Totalschaden im Kaskofall

In § 13 Absatz 1 der AKB findet man in der Regel sinngemäß folgende Formulierung: 

 

§ 13 Absatz 1 AKB

„Der Versicherer ersetzt einen Schaden bis zur Höhe des Wiederbeschaffungswerts des Fahrzeugs oder seiner Teile am Tag des Schadens. (…) Wiederbeschaffungswert ist der Kaufpreis, den der Versicherungsnehmer aufwenden muss, um ein gleichwertiges gebrauchtes Fahrzeug oder gleichwertige Teile zu erwerben.“ 

In § 13 Absatz 5 AKB ist dann meist formuliert, dass der Versicherer die Kosten der Instandsetzung bis zur Höhe des WBW ersetzt. 

 

In der Kaskoversicherung gibt es also kein „Reparaturverbot“ bei Totalschäden. Allerdings muss die Versicherung nur bis zum WBW „mitgehen“ und darf dann noch bei jedem Schadenfall die Selbstbeteiligung abziehen.  

 

Zwei Kaskofälle nacheinander

Die beiden Kaskoschäden sind wie folgt zu behandeln:  

 

Der erste Fall

Beim ersten Schaden gibt es keine Besonderheiten. Der WBW wird ermittelt. Die Reparaturkosten liegen darunter. Die Reparatur ist möglich wie immer. Ob sie beim zweiten Schaden schon durchgeführt war, spielt jedenfalls dann keine Rolle, wenn die Schäden sich nicht am Fahrzeug überdecken. 

 

Beachten Sie: Die Versicherung kann die vertraglich vereinbarte Selbstbeteiligung in Abzug bringen. 

 

Der zweite Fall

Beim zweiten Schaden ist wieder der WBW zu ermitteln. Auf den ersten Blick ist jetzt der Restwert nach dem ersten Schaden der WBW vor dem zweiten. Auf den zweiten Blick ist der Restwert ein Händlereinkaufspreis. Ein Restwertaufkäufer würde dem Versicherungsnehmer ein solches Fahrzeug nur mit einem Gewinnaufschlag verkaufen. Das heißt: Der WBW vor dem zweiten Schaden ist der um eine angemessene Handelsspanne erhöhte Restwert.  

 

Die Folge: Je höher der Restwert nach dem ersten Unfall ist, desto mehr steht für die Reparatur des zweiten Schadens zur Verfügung. Nun entpuppt es sich als gut, dass bei Kaskoschäden die Versicherungen regelmäßig Wege zur Restwertoptimierung gehen.  

 

Unser Tipp: Wenn der Versicherer das Fahrzeug entgegen allen Gewohnheiten mit einem über den Daumen gepeilten oder gar gerechneten Restwert versieht, sollten Sie den Spieß umdrehen: Kümmern Sie sich selbst um einen hohen Restwert und empfehlen Sie Ihrem Kunden zur Klärung der Sache den Gang zum Anwalt. 

 

Die Versicherung muss beim zweiten Schaden bis maximal zum „zweiten“ WBW mitgehen, kann aber auch hier die Selbstbeteiligung abziehen. Den über die Zahlungspflicht der Versicherung hinausgehenden Teil der Reparaturrechnung muss Ihr Kunde dann selbst zahlen. 

Die „Fallgrube“

Diese Rechtslage könnte dazu veranlassen, die zweite Reparatur nicht nach allen Regeln der Kunst, sondern nur „nützlich“ zu gestalten. Da lauert aber eine Falle. Viele Versicherungen haben in § 13 Absatz 5 AKB geregelt, dass bei nicht vollständiger, fachgerechter Reparatur nur die Differenz aus WBW und Restwert zu erstatten ist. Dann also stünde nicht der volle „zweite“ WBW minus Selbstbeteiligung zur Verfügung. Die Ersatzpflicht würde – bezogen auf den zweiten Schaden – beim Totalschadenbetrag minus Selbstbeteiligung enden. 

Quelle: Ausgabe 12 / 2006 | Seite 9 | ID 98002