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06.10.2010 |Leserforum

Kollision mit Hund: Teilkasko oder
Hundehaftpflicht in Anspruch nehmen?

Ein Leser fragt: „Unser Kunde kollidierte auf der Landstraße mit einem großen frei laufenden Hund. Der Schaden am Fahrzeug ist erheblich. Seine Teilkaskoversicherung enthält über den Wildschaden hinaus auch Schutz für durch jegliche vierbeinige Wirbeltiere angerichtete Schäden. Ist es nun sinnvoller, mit der Teilkasko zu regulieren oder sollte er sich besser an den Hundehalter (oder in Fällen mit anderen Tieren an den Tierhalter) wenden?“ 

 

Unsere Antwort: Lässt man den Zeitverzug wegen oft schwieriger Regulierung außer Betracht, gilt: Generell stellt sich Ihr Kunde besser, wenn er mit dem Hundehalter bzw. dessen für den Hund hoffentlich abgeschlossener Haftpflichtversicherung abrechnet. Denn die muss den Schaden - volle Haftung vorausgesetzt - mit allen Positionen ersetzen. Und da geht es vor allem um die Wertminderung und den Ausfallschaden (Nutzungsausfall oder Mietwagen), untergeordnet auch noch um die Schadenpauschale. Letztlich kann ja auch bei der Teilkaskoversicherung eine Selbstbeteiligung im Raum stehen. 

 

Die Frage der Tierhalterhaftung zu beurteilen, ist eindeutig Anwaltssache, denn die ist nicht einheitlich für alle Tiere zu sehen. 

Privilegierte und nicht privilegierte Tierhalterhaftung

Halter von Nutztieren werden gesetzlich privilegiert. § 833 Satz 1 BGB bestimmt, dass der Tierhalter für durch das Tier angerichtete Schäden haftet. Satz 2 dieses Paragrafen schränkt das aber ein für Haustiere (gemeint sind zahme Tiere, also auch solche, die nicht im Haus, sondern im Stall leben), die dem Beruf, der Erwerbstätigkeit oder dem Unterhalt des Tierhalters dienen. Bei diesen Tieren haftet der Tierhalter nur, wenn er die Tiere ungenügend beaufsichtigt hat oder wenn der Schaden auch bei Anwendung genügender Sorgfalt passiert wäre. 

 

Hunde

Bei Unfällen mit Hunden stellt sich zuerst die Frage: Berufshund oder Luxushund? Der Hund des Försters oder Berufsjägers, der Hütehund des Schäfers, der Wachhund des Sicherheitspersonals, aber auch der Wachhund, der einen Betrieb sichert: Alles das sind Beispiele für Nutzhunde. Und der Blindenhund ist ein Hund, der dem Unterhalt dient.  

 

Für diese Gruppe von Hunden gilt: Nur, wenn dem Tierhalter ein Beaufsichtigungsfehler zur Last fällt, haftet er. Das wird aber häufig der Fall sein. „Der ist noch nie auf die Straße gelaufen“ genügt wohl kaum, wenn der Weg auf die Straße nicht durch einen geeigneten Zaun versperrt war. Denn es geht ja gerade um die generelle Unberechenbarkeit des Tieres. 

 

Ist der Hund ein Hund zum Vergnügen, dann greift aber die Gefährdungshaftung ohne Entlastungsmöglichkeit. Auch der Jagdhund des Hobbyjägers ist dieser Gruppe zuzuordnen. Mag der Jäger das erlegte Wild auch essen, so dient der Hund dennoch nicht dem Unterhalt. 

Fragen des Mitverschuldens

Eine zusätzliche Schwierigkeit bei der Regulierung von Tierunfallschäden ist das potenzielle Mitverschulden Ihres Kunden. Denn die Geschwindigkeit muss stets so angepasst sein, dass vor einem Hindernis angehalten werden kann. Auch vor einem Tier auf der Straße. So kommt es auf viele Einzelfragen an: War der Hund schon länger auf der Straße oder sprang es quasi vor das Auto? Ist das Tier gegen das schon stehende Auto gelaufen? Kam der Hund dem Auto zügig entgegen? Und so weiter.  

 

Mithaftung aus Betriebsgefahr

Aber nicht nur ein eventuelles Mitverschulden steht zur Diskussion, sondern immer steht auch die vom Fahrzeug ausgehende Betriebsgefahr im Raum. Weil es sich bei den Kollisionen mit solchen Tieren nicht um Kollisionen mit anderen Kraftfahrzeugen handelt, entfällt die Betriebsgefahr nur, wenn der Unfall durch höhere Gewalt entstand. Näheres dazu lesen Sie in Unfallregulierung effektiv Ausgabe 12/2005, Seite 12. Eine Mithaftung aus der Betriebsgefahr droht also regelmäßig. 

 

Häufiger Fall: Kühe brechen von der Weide aus

Nicht selten und wegen der schieren Masse der Tiere sehr schadenträchtig sind Kühe, die aus der Weide ausgebrochen sind. Kühe werden wohl ausnahmslos den Tieren zugerechnet, die der Erwerbstätigkeit des Halters dienen. Der Tierhalter haftet also nur, wenn er etwas falsch gemacht hat.  

 

Es gibt anerkannte Regeln, wie Zäune für welche Tiere gebaut sein müssen. Gegebenenfalls genügt sogar ein Elektrozaun. Der Zaun muss ausreichend oft kontrolliert werden, in der Regel täglich. Weidetore (das sind die häufigsten Schwachstellen, oft sind das nur Improvisationen) müssen jedenfalls in der Nähe von Durchgangsstraßen abgeschlossen sein. Entspricht der Zaun den Regeln, ist das eine ausreichende Beaufsichtigung. Insgesamt werden da aber hohe Anforderungen gestellt (OLG Hamm, Beschluss vom 27.9.2006, Az: 9 W 45/05; Abruf-Nr. . Ein Hirte muss nicht anwesend sein.  

 

Ist das Tier dann trotz ausreichender Sicherungen auf der Straße, haftet der Halter nicht. Haben zum Beispiel „böse Buben“ zwischen zwei Kontrollen den Zaun beschädigt oder hat eine Paniksituation, ausgelöst zum Beispiel durch einen Fuchs auf der Weide, die Kühe dazu gebracht, den ordnungsgemäßen Zaun (einen auch in der Situation ausbruchsicheren Zaun kann es kaum geben) zu durchbrechen, bleibt der Geschädigte auf seinem Schaden sitzen, wenn er nicht auf seine Kaskoversicherung zurückgreifen kann. 

 

Beachten Sie: Die Beweislast für die ordnungsgemäße Sicherung hat der Tierhalter. Er haftet auch, wenn es nicht zur Kollision kommt, sondern beim Ausweichen Schaden entsteht. Dann aber können sich Beweisprobleme ergeben. Insgesamt ist die Ausweichsituation unter Gesichtspunkten des Haftpflichtschadens nicht mit der des „berührungslosen Wildschadens“ in der Teilkaskoversicherung zu verwechseln. 

 

Pferde auf der Straße

Hat man es mit einem Pferd zu tun, ist die Vorfrage: Nutz- oder Hobbypferd? Schulpferde einer Reitschule, Zuchttiere eines professionellen Züchters, Sportpferde von Berufsreitern, Polizeipferde, alles das sind „Berufs- oder Erwerbspferde“, Ein solcher Unfall unterfällt den gleichen Regeln, wie der oben beschriebene mit der Kuh. 

 

Bei Hobbypferden haftet der Halter ohne die Privilegien. Das ist dann mit der „Betriebsgefahr“ beim Auto vergleichbar. Die Haftung beruht dann nicht auf Verschulden, sondern auf der Gefahr durch die generelle Unberechenbarkeit von Tieren. 

 

Katzen

Selbst eine Katze kann ein Nutztier sein, nämlich wenn sie auf dem Bauernhof die Mäuse in Schach halten soll. Die Haftungssituation ist die gleiche wie bei den Hunden. 

So gehen Sie in der Praxis vor

Lässt sich der Vorgang nicht auf Anhieb klären, sollte der Kunde einen Anwalt einschalten. Der prüft, ob eine zügige Erledigung auf Haftpflichtbasis mit dem Vorzug des Ersatzes aller Positionen möglich ist.  

 

Hat der Kunde Kaskoschutz, wird es oft der richtige Weg sein, mit dieser Versicherung abzurechnen und danach die offen gebliebenen Positionen bei dem Tierhalter bzw. bei dessen Haftpflichtversicherung geltend zu machen (siehe Unfallregulierung effektiv Ausgabe 1/2010, Seite 6).  

 

Beachten Sie: Eventuell entstehende Probleme sollten Sie im Vorfeld erkennen, um - das war ja auch der Hintergrund Ihrer Frage - die Weichen richtig zu stellen. Haftungsdiskussionen mit der Versicherung des Tierhalters dürfen Ihre Sache nicht sein. 

Quelle: Ausgabe 10 / 2010 | Seite 13 | ID 139110