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04.07.2008 | Leserforum

Ist eine in der Werkstatt unterschriebene Anwaltsvollmacht unwirksam?

Ein Leser fragt: „Seit einiger Zeit raten wir jedenfalls dann, wenn bestimmte Versicherungen eintrittspflichtig sind, unseren Kunden zur Einschaltung eines spezialisierten Anwaltes. Das ist übrigens leichter, als wir bis dahin dachten: Wir rufen dann in der Kanzlei an. Das von dort gefaxte Vollmachtsformular unterschreibt der Kunde bei uns, wir faxen es an den Anwalt zurück. Der Anwalt nimmt dann telefonisch Kontakt mit dem Kunden auf, um eventuell noch fehlende Informationen zu beschaffen (die Standard-Infos holen wir bereits ein). Eine lokal tätige Versicherung behauptet nun, in der Werkstatt unterschriebene Vollmachten seien unwirksam. Sie könne den Rechtsanwalt daher ignorieren. Jedenfalls müsse sie sein Honorar nicht erstatten. Hat die Versicherung Recht?“ 

 

Unsere Antwort: Uns erschüttert nichts mehr. Ein Stück weit freut uns der Vorgang, denn er zeigt: Einige Versicherungen haben den Bogen der Schadenkürzungen überspannt, der Trend zurück zur anwaltlichen Unfallschadenregulierungen tut offenbar weh. Anders ist der plumpe Versuch, den Sie beschreiben, nicht zu erklären. 

 

Nur der Wille des Kunden ist entscheidend

Der BGH hat klargestellt, dass nur eines entscheidend ist: Wenn der Mandant des Rechtsanwalts im eigenen Interesse dessen Einschaltung veranlasst hat, geht die Sache in Ordnung (Beschluss vom 20.6.2006, Az: VI ZB 75/05; Abruf-Nr. 062568). 

 

Dabei ist es gleichgültig, ob der Mandant von selbst auf die Idee gekommen ist, sich anwaltlicher Hilfe zu bedienen, oder ob er das auf Empfehlung der Werkstatt tut. Der BGH sagt ausdrücklich, dass es einem Anwalt nicht verwehrt ist, auf Empfehlung tätig zu werden. Dass die Vollmacht in der Werkstatt unterschrieben wurde, ist also nicht entscheidend. 

 

Parallele Interessenlagen schaden nicht

Dass neben dem Geschädigten auch die Werkstatt an einer reibungslosen und für sie aufwandsarmen Schadenregulierung interessiert ist, schadet nicht. Der aus den Faxaufdrucken erkennbare Weg von der Kanzlei in die Werkstatt und zurück dokumentiert ja recht klar, dass die Vollmachtsübersendung ein individueller Vorgang war.  

 

Unser Tipp: Im konkreten Fall hilft sicher ein Schreiben des Kunden an die Versicherung, dass die Einschaltung des der Anwalts durch ihn und mit seinem Willen erfolgt sei. Die Trickserei der Versicherung wird ihm dazu deutlich vor Augen führen, wie richtig es war, den Anwalt zu beauftragen!  

 

Quelle: Ausgabe 07 / 2008 | Seite 16 | ID 120319