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31.07.2008 | Leserforum

130-Prozent-Grenze: Berechnungsbasis bei „steuerneutralem“ WBW

Ein Leser fragt: „Der Sachverständige ermittelt folgende Zahlen:  

Reparaturkosten brutto 

4.244,94 Euro 

WBW steuerneutral 

3.000,00 Euro 

Restwert mit Mehrwertsteuer 

500,00 Euro 

Wie wird der WBW im Fall einer 130-Prozent-Reparatur behandelt? Werden zum WBW 19 Prozent Mehrwertsteuer und dann die 30 Prozent hinzugerechnet? Dann könnte man bis 4.641,00 Euro reparieren.“ 

 

Unsere Antwort: Das ist eine offene Frage. Das LG Hannover hat entschieden, dass der steuerneutrale WBW mit den Netto-Reparaturkosten verglichen werden müsste (Ausgabe 1/2007, Seite 5). Das wäre für Sie günstig.  

 

Hohes Klagerisiko

Doch schon damals haben wir zur Vorsicht im Umgang mit dem Urteil geraten. Wenn Sie im Fall Ihres Kunden reparieren, wird sich die Versicherung darauf berufen, dass die Brutto-Reparaturkosten der Maßstab sind. Sie werden klagen müssen. Das Risiko halten wir für hoch. Der Fall steht und fällt mit der Frage, ob Äpfel mit Äpfeln, Birnen mit Birnen oder aber Äpfel mit Birnen verglichen werden. 

 

Das beschädigte Fahrzeug ist ein Modell, das typischer Weise am Privatmarkt erhältlich ist. Deshalb hat der SV den WBW an Privatangeboten orientiert. Diese enthalten keine Mehrwertsteuer. 

 

WBW ist Bruttobetrag gleichzusetzen

Dennoch ist dieser WBW nach unserer Auffassung einem Bruttobetrag gleichzusetzen. Der Käufer eines solchen Fahrzeugs muss diesen Betrag als Kaufpreis endgültig aufwenden. Nicht anders wäre es, wenn ein privater Käufer ein Fahrzeug bei einem Händler erwerben würde. Den ausgewiesenen Bruttobetrag muss er zahlen, der Geldabfluss in dieser Höhe ist bei ihm genauso endgültig.  

 

Im Unterschied dazu kauft ein Unternehmer zunächst auch zum Bruttobetrag. Jedoch erhält er die Mehrwertsteuer über den Vorsteuerabzug zurück. Endgültig fließt bei ihm also nur der Nettobetrag ab. 

 

Auf Ihren Fall bezogen: Alles was nicht „netto“ ist, ist wirtschaftlich „brutto“. Mit dem jeweils endgültig aufzuwendenden Kaufpreis sind dann die Brutto-Reparaturkosten zu vergleichen. Denn bei einer durchgeführten Reparatur müsste der Geschädigte eben diesen Betrag ebenso endgültig aufwenden. Damit kippt Ihr Fall. 

Quelle: Ausgabe 08 / 2008 | Seite 15 | ID 120778