logo logo
Meine Produkte: Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen. Anmelden
Menu Menu
MyIww MyIww
Jetzt testen

01.06.2007 | Haftpflicht

Kind als Schädiger

Folgende Frage hat ein Leser der Redaktion gestellt: „Dass Kinder unter zehn Jahren für Unfälle im fließenden Verkehr nicht haften, hat unser Kunde nun schmerzhaft gelernt. Aber warum haften denn die Eltern nicht, erst recht, wenn sie eine Privathaftpflichtversicherung unterhalten? Der Geschädigte ohne Vollkaskoversicherung kann doch nicht leer ausgehen!?“ 

 

Keine Haftung für Schäden im fließenden Verkehr

In Ausgabe 1/2007, Seite 16, hatten wir bereits erläutert, dass Kinder bis zur Vollendung des zehnten Lebensjahrs, also bis zu dem Tag, an dem sie zehn Jahre alt werden, für durch sie ausgelöste Verkehrsunfälle nicht haften. Ausnahme: Schäden im ruhenden Verkehr. 

 

Eltern haften nicht für ihre Kinder

Eltern haften nie für ihre Kinder. Eltern haften allenfalls für den eigenen Fehler, nicht ausreichend auf die Kinder aufgepasst zu haben. Der Maßstab ist also die elterliche Aufsichtspflicht. Das AG Prüm hat zum Beispiel jüngst geurteilt, dass sich jedenfalls im dörflichen Bereich auch ein 5 ½ Jahre altes Kind in gewissen Grenzen unbeaufsichtigt bewegen darf (Urteil vom 13.9.2006, Az: 6 C 146/06). Irgendwann muss jedes Kind Stück für Stück lernen, allein klarzukommen. Das gilt auch für den Straßenverkehr.  

 

Und je älter die Kinder werden, desto kleiner werden die elterlichen Aufsichtspflichten. Dass der Neunjährige allein mit dem Fahrrad zur Grundschule fahren darf, liegt jedenfalls außerhalb des Stadtgewühls auf der Hand. Und wenn weder das Kind noch die Eltern haften, muss die dahinter stehende Haftpflichtversicherung auch nicht zahlen. Es kann also durchaus in Übereinstimmung mit dem Gesetz so sein, dass der Geschädigte leer ausgeht. 

 

Besondere Haftpflichtversicherung

Weil es rechtens sein kann, dass der Geschädigte nichts bekommt, vielen Eltern das aber im übertragenen Sinne „nicht recht ist“, bieten die Haftpflichtversicherungen gegen einen relativ niedrigen Aufpreis (das Risiko ist statistisch eher klein) an, für durch Kinder angerichtete Schäden über das Gesetz hinaus doch einzutreten. Jedoch ist auch dort genau hinzuschauen.  

 

Uns liegt ein sehr aktuelles Bedingungswerk vor, das sich auf Schäden durch Kinder bis sieben Jahre beschränkt. Das kritischste Alter von sieben bis einschließlich neun Jahren ist darin aber nicht umfasst. 

 

Fazit: Der Geschädigte sollte prüfen, ob und wie weit die Eltern des Kindes solchen erweiterten Schutz vereinbart haben. 

Quelle: Ausgabe 06 / 2007 | Seite 8 | ID 115503