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03.06.2008 | Gutachter ein zweites Mal zu Rate ziehen?

Ergänzungsgutachten nach „Prüfbericht“

Wenn der Geschädigte ein Schadengutachten vorlegt und der Versicherer durch einen Dienstleister die üblichen, aber meist nicht rechtskonformen Kürzungen vornehmen lässt, ist die Antwort darauf oft nicht nur auf rechtliche Erwägungen zu stützen.  

 

Gründe für ein Ergänzungsgutachten

Nicht selten sind auch technische und spezifisch betriebswirtschaftliche Fragen untermauernd zu beantworten. Zum Beispiel: 

 

  • Werden Entsorgungskosten gekürzt,kann es auf den typischen Entsorgungsaufwand ankommen (zum Beispiel Sondermüll oder Abfuhrpreise für Sammelbehälter)
  • Bei der Streichung von Beilackierungskosten kommt es auf die Frage an, ob ohne eine solche flächenübergreifende Lackierung sichtbare Farbunterschiede vermieden werden können.
  • Der „Routinekürzer“ zweifelt die prognostizierten oder gar die tatsächlichen Arbeitszeiten an.

 

In dieser Situation darf der Geschädigte den Sachverständigen abermals zu Rate ziehen. Wenn der dann eine technisch-kalkulatorische Stellungnahme zu den angesprochenen Punkten abgibt, kann er den Aufwand dafür in Rechnung stellen. Die eintrittspflichtige Versicherung muss für diese Kosten ebenfalls einstehen (AG Nürnberg, Urteil vom 2.5.2008, Az: 34 C 1589/07; Abruf-Nr. 081651).  

 

Beachten Sie: Ist das erste Gutachten lückenhaft, und nützt der Kürzungsdienstleister die Lücke, kann die Stellungnahme des Gutachters aber auch den Charakter einer nicht vergütungspflichtigen Nachbesserung des Gutachtens haben.  

 

Beispiel

Die Antwort auf die Frage, ob die Werkstatt der jeweiligen Marke UPE-Aufschläge und Verbringungskosten berechnet, gehört bereits in das ursprüngliche Gutachten. Fehlt sie und streicht die Versicherung die Positionen deshalb aus der Kalkulation, dürfte die nachträgliche Stellungnahme kein neues Honorar auslösen. 

Abgrenzung der Sachverständigentätigkeit von der des Anwalts

Der Sachverständige muss nur die Fakten belegen. Die Schlüsse daraus zieht der Rechtsanwalt. Nichts einzuwenden ist gegen einen Hinweis des Sachverständigen, warum er zum Beispiel die in das Gutachten eingeflossenen Stundenverrechnungssätze verwendet hat („...gemäß Porsche-Urteil des BGH“). Will der Versicherer das Urteil nur nicht anwenden, ist das nicht mehr Sache des Technikers. Insoweit ist eine sauber abgestimmte Zusammenarbeit von Sachverständigem und Anwalt erforderlich. 

 

Quelle: Ausgabe 06 / 2008 | Seite 15 | ID 119685