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01.10.2007 | Ausfallschaden

Nutzungsausfallentschädigung trotz Ersatzbeschaffung erst nach elf Monaten

Hat jemand zum Unfallzeitpunkt ein Auto, kann von einem generellen Nutzungswillen ausgegangen werden. Das ergibt sich aus einer aktuellen Entscheidung des AG Hamburg-Wandsbek. 

 

Urteilsfall

Im Urteilsfall lebte die Geschädigte in wirtschaftlich sehr beengten Verhältnissen. Ihr Pkw hatte laut Gutachten einen Wiederbeschaffungswert von 760 Euro. Für dieses Geld fand sie kein Auto. Sie sparte und kaufte elf Monate nach dem Unfall einen Pkw für 1.300 Euro. Die Versicherung verweigerte die Nutzungsausfallentschädigung: Wer sich so lange kein Ersatzfahrzeug anschaffe, habe keinen Nutzungswillen. Und wenn, seien bei einem so alten Auto nur die Vorhaltekosten zu ersetzen. Das hat das AG Hamburg-Wandsbek nicht mitgemacht: Es hat der Geschädigten Nutzungsausfall – wegen Alters abgestuft – für die gutachterlich prognostizierte Ausfalldauer von zwölf Tagen zugesprochen (Urteil vom 17.8.2007, Az: 716 C 44/07, eingesandt von Rechtsanwälten Ahlers und Hoffmann, Hamburg; Abruf-Nr. 073045). 

 

Tipps für die Praxis

Die Grundlagen für die generelle Behandlung von Mietwagenkosten und Nutzungsausfallentschädigung sind stets symmetrisch. Mit gleichen Argumenten hätte die Versicherung auch einen Mietwagen für die ersten Tage nach dem Unfall bezahlen müssen.  

 

Dabei ist die berechtigte Ausfallzeit nicht auf die „nackte“ gutachterlich prognostizierte Wiederbeschaffungsdauer beschränkt. Mindestens die Wartezeit auf das Gutachten kann hinzugesetzt werden. Und wenn der Unfall zum Beispiel an einem Samstag passiert und der Gutachter erst am Montag beauftragt werden kann, kommen auch diese Tage dazu (siehe Ausgabe 3/2007, Seite 9).  

 

Immer wieder versuchen Versicherungen, außergerichtlich auf die Vorhaltekosten zu verweisen. Doch auch das OLG Düsseldorf hatte dem schon für ein zwölf Jahre altes Auto eine Absage erteilt (siehe Ausgabe 3/2007, Seite 11 mit Textbaustein). 

 

Wenn ein vergleichbares Fahrzeug für einen extrem niedrigen Wiederbeschaffungswert nicht auffindbar ist, sollten Sie den Gutachter um einen Nachweis bitten. 

 

Unser Service: Textbausteine dazu finden Sie nachfolgend unter „weitere Dokumente“. 

Quelle: Ausgabe 10 / 2007 | Seite 14 | ID 113025