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  • · Fachbeitrag · Generationenwechsel

    Familienunternehmen in der Nachfolgefalle

    von Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung

    Der deutsche Mittelstand steht vor einer Zäsur. Nie zuvor wollten mehr Inhaberinnen und Inhaber ihr Lebenswerk in jüngere Hände geben. Doch der Generationenwechsel wird in vielen Fällen nicht gelingen – vor allem, weil es an Interessenten mangelt und Übergabewillige Fehler machen. Die Folgen werden wir alle spüren. Denn jede gescheiterte Nachfolge ist nicht nur ein individuelles Drama. Sie gefährdet auch die wirtschaftliche Substanz des Landes (Creditreform Wirtschaftsforschung: Analyse zur Altersstruktur betriebsleitender Personen, veröffentlicht am 25.12.24).

    1. Eine typische Geschichte aus dem Alltag eines Senior-Chefs eines Mittelständlers

    Es ist eine Geschichte, wie es sie so oder ähnlich im deutschen Mittelstand häufig gibt: Ein Familienunternehmen aus dem Maschinenbau hat sich externen Rat geholt, um wieder an bessere Zeiten anzuknüpfen. Die Rendite ist im Keller, das Eigenkapital schmilzt dahin und die Liquidität wird allmählich knapp. Rasch stellen die Sanierungsexperten fest, dass die Kostenstrukturen völlig aus dem Ruder gelaufen sind. Sie empfehlen die Produktion zu straffen, möglicherweise sogar an einen anderen, kostengünstigeren Standort zu verlagern. Der Firmenchef, Mitte 50, weiß um den Ernst der Lage. Er beteuert aber auch, ihm seien die Hände gebunden: „Einen so tiefgreifenden Umbau wird der Alte nie genehmigen.“ Der Alte – das ist sein Vater, Ende 70 und immer noch die letzte Instanz im Unternehmen, das er einst gegründet hat.

     

    Solche Episoden erzählen Berater, die sich auf die Begleitung des Generationenwechsels in Familienunternehmen spezialisiert haben. Die Botschaft dahinter: Viele Senior-Chefs nehmen ungern Abschied. Sie tun sich schwer mit der Regelung ihrer Nachfolge, bleiben über Gebühr lange im Unternehmen und gefährden damit nicht selten ihr Lebenswerk. Nach einer vom Verband der Bürgschaftsbanken, Creditreform Rating und der FOM Hochschule für Ökonomie & Management erstellten Untersuchung zum Nachfolgegeschehen in Deutschland („Nachfolgemonitor 2025“) waren ein Viertel der Unternehmer, die ihren Betrieb in den vergangenen Jahren abgegeben haben, bereits älter als 65 Jahre. Knapp 14 % hatten sogar bereits ihren 70. Geburtstag hinter sich (Wassermann, Holger; Frohwerk, Sascha; Kruppe, Carsten (2025): Nachfolgemonitor 2025, MA Akademie Verlags- und Druck-Gesellschaft mbH).