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AusbildungAkademisierung der Physiotherapie-Ausbildung: Das sagen Lehrende und Studierende

09.08.20195 Min. LesedauerIWW

Mangelnde Praxisnähe in der Akademisierung von Gesundheitsberufen ist nur ein Vorurteil, wie der Blick an die Hochschulen in Rostock und Rosenheim beweist (PP 10/2019, Seite 3). Wirtschaftsjournalistin und PP-Autorin Alexandra Buba sprach mit Lehrenden und Studierenden.

Akademisierung des Physiotherapeutenberufs: Das sagen die Lehrenden

Sabine Ittlinger, Professorin für Physiotherapie (TH Rosenheim)

Susanne Findewirth, Dozentin für Physiotherapie (EU|FH Rostock)

Welchen akademischen Vorteil bringt die Ausbildung in der Physiotherapie?

„Den eines international anerkannten Abschlusses. Die klassische Berufsausbildung in Deutschland gilt im Ausland – leider zu Unrecht - nicht als gleichwertig mit den dort zumeist üblichen Standards. Es war mir daher ein großes Anliegen, dass wir auf europäischer Ebene ausbilden.“

„Die Akademisierung der Physiotherapie bedeutet zunächst die Angleichung an internationalen Standard und eine verbesserte Patientenversorgung. Langfristig wird dadurch aber auch die Attraktivität und gesellschaftliche Anerkennung des Berufsstandes durch eine höhere Vergütung und Karrieremöglichkeiten erreicht.“

Wo liegt der größte Unterschied zur klassischen Ausbildung in Bezug auf die Inhalte?

„Wesentlich ist das evidenzbasierte Arbeiten, außerdem die interdisziplinäre Ausbildung. Hinzu kommen Inhalte aus den Sozialwissenschaften sowie die physiotherapeutische Diagnostik. Wichtig ist mir zu betonen, dass wir im Studium denselben Praxisanteil haben wie in der klassischen Ausbildung, nämlich 1.600 Stunden. Wir qualifizieren unsere Studierenden also absolut für den Einsatz in der Praxis.“

„Inhaltlich ist das Studium vor allem an den grundlegenden berufszulassenden Inhalten orientiert, aber zusätzlich werden auch wissenschaftliches Arbeiten und somit die Herausbildung einer wissenschaftlichen und somit auch reflektierenden Sichtweise im Handeln als Therapeut fokussiert.

Hier bei uns in Rostock an der EUFH ist das Studium ausbildungsintegrierend organisiert. Dies bedeutet, dass innerhalb von sieben Semestern zwei Abschlüsse erreicht werden – der staatlich anerkannte Berufsabschluss und mit dem Bachelor Sc. der erste akademische Grad. Sowohl die berufszulassenden als auch hochschulischen Inhalte sind miteinander verzahnt und werden aufeinander aufbauend in Modulen studiert. Die Anteile von Praktikumsphasen, also Lernen im Praxisfeld, entsprechen den gesetzlichen Vorgaben und werden mit Kooperationspartnern wie Praxen, Rehakliniken und Krankenhäusern gewährleistet. Das Besondere hier in Rostock ist, dass seit 2018 die Möglichkeit besteht, dieses Studium dual zu studieren – also mit Unterstützung eines Unternehmens.“

Ist die akademische Ausbildung ein Schritt in Richtung Direktzugang

„Sie ist die Voraussetzung – allerdings ist dies nicht mein erster Fokus gewesen, als wir den Studiengang ins Leben gerufen haben.“

„Die Akademisierung kann ein Schritt in Richtung Direktzugang sein, da mit dem Studium von Anfang an evidenzbasierte Diagnose- und Therapieverfahren, Screening und anderes vermittelt werden, die Voraussetzungen für den Direktzugang sein können. Allerdings müssen hier erst die rechtlichen Grundlagen geschaffen werden und einheitliche nationale Standards festgeschrieben werden.“

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AUSGABE: PP 10/2019, S. 5 · ID: 46040075

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