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  • · Fachbeitrag · Nachhaltig oder abgehängt?

    Sustainable Economy Barometer 2026: Was die Zahlen über Nachhaltigkeit im Mittelstand verraten

    von Claus Fesel, Senior Expert für Nachhaltigkeit, CSR-Manager, Professional Coach (DBVC) und Berater bei www.unoino.de, Nürnberg

    Der Sustainable Economy Barometer 2026 befragt 2.500 privatwirtschaftliche Entscheidungsträger in Unternehmen ab 50 Mitarbeitenden – und liefert ein klares Signal: Die Mehrheit der deutschen Wirtschaft hat verstanden, dass Nachhaltigkeit kein Trend ist, sondern Wettbewerbsfaktor. Doch zwischen Überzeugung und Handlung klafft eine Lücke. Dieser Beitrag fasst die zentralen Befunde kompakt zusammen und zeigt, was Unternehmer und Führungskräfte jetzt konkret tun sollten. Steuerberater und Wirtschaftsprüfer erhalten am Ende gezielte Empfehlungen für das Gespräch mit ihren mittelständischen Mandanten.

    1. Die Stimmungslage: Nachhaltigkeit ist Chefsache geworden

    Der Barometer misst etwas, das im Alltag vieler Unternehmen noch nicht angekommen ist: 56,4 % der befragten Entscheider halten eine klimaneutrale und nachhaltige Wirtschaft für einen bedeutenden Faktor des künftigen Wirtschaftsstandorts Deutschland – das sind 10 Prozentpunkte mehr als noch 2023. Die Richtung ist eindeutig.

     

    Noch deutlicher: 69,7 % sehen Unternehmen in einer zentralen Rolle beim Erreichen einer klimaneutralen Wirtschaft. Und 65,1 % stimmen zu, dass nachhaltige Geschäftsmodelle Treiber für langfristigen Unternehmenserfolg sind – ein Zuwachs von 8 Prozentpunkten gegenüber 2023.

     

    Die vielleicht folgenreichste Zahl: 53,7 % glauben, dass Unternehmen ohne Nachhaltigkeitsstrategie langfristig nicht wettbewerbsfähig sind. Wer also heute keine Strategie hat, wird dies morgen gegenüber Kunden, Investoren und Geschäftspartnern spüren.

     

    MERKE — Die Überzeugung, dass Nachhaltigkeit wettbewerbsrelevant ist, hat sich in der deutschen Unternehmenslandschaft innerhalb von drei Jahren zur Mehrheitsmeinung entwickelt. Für Unternehmer, die das Thema noch aufschieben, steigt der Druck – nicht nur durch Regulierung, sondern durch den Markt selbst.

     

    2. Was Unternehmen tun – und was sie noch nicht tun

    Der Barometer fragt auch nach konkreten Maßnahmen. Das Ergebnis zeigt: Viele Unternehmen handeln bereits – aber häufig punktuell und ohne strategische Klammer.

     

    Bild: IWW

     

    Das Muster ist klar: Operative Maßnahmen – Energie sparen, Mobilität umstellen – sind weit verbreitet. Strategische Grundlagen – eine formale Nachhaltigkeitsstrategie, Lieferkettenverantwortung – hinken deutlich hinterher. Wer Effizienzmaßnahmen umsetzt, hat den ersten Schritt getan. Wer aber im zweiten Schritt keine Strategie verfolgt, kann diese Maßnahmen weder intern steuern noch extern kommunizieren – gegenüber Banken, Kunden oder in Ausschreibungsverfahren.

    3. Technologische Innovationen: Wo Entscheider die größten Hebel sehen

    Befragt nach technologischen Treibern der Nachhaltigkeitstransition nennen die Entscheider klare Prioritäten:

     

    • Erneuerbare Energien (46,0 %)
    • Ressourceneffizienz (34,9 %)
    • KI und Digitalisierung (31,0 %)
    • Nachhaltige Mobilitätslösungen (30,3 %).

     

    Die hohe Erwartung an KI und Digitalisierung ist kein Zufall: Digitale Werkzeuge zur CO2-Datenerfassung, Lieferkettentransparenz und automatisierten Berichtserstellung stehen inzwischen als marktreife Lösungen auch für den Mittelstand bereit. Für mittelständische Unternehmen bedeutet das: Die technische Hürde für strukturierte Nachhaltigkeitsdaten sinkt – die Anforderung, diese Daten bereitstellen zu können, steigt.

    4. Planungssicherheit: Das eigentliche Problem

    72,5 % der Befragten im Barometer sagen: Rechtliche Unsicherheiten bei Nachhaltigkeitsberichten und Sorgfaltspflichten bremsen Investitionen. Der Wert ist bundesweit stabil – in keinem Bundesland liegt er unter 62 %. Gleichzeitig fordern 64,1 % verlässliche Klimaziele bis 2045, um planen zu können. 56,6 % halten die Debatte über eine Verschiebung dieser Ziele für wirtschaftlich schädlich.

     

    Das zeigt den Widerspruch: Unternehmen wollen handeln und sehen Nachhaltigkeit als strategisch notwendig. Doch sie investieren oft nicht, weil ihnen verlässliche Regeln fehlen.

     

    Ein Grund liegt in der Regulierung: Der EU-Omnibusprozess hat 2025/26 die CSRD deutlich verändert. Berichtspflichten gelten nun erst ab 1.000 Mitarbeitenden, viele ESRS-Datenpunkte sind optional. Für viele Mittelständler entfällt damit die direkte Pflicht. In der Praxis bleibt der Druck jedoch bestehen: Als Zulieferer, Kreditnehmer oder Bieter müssen sie weiter Nachhaltigkeitsdaten liefern – nur ohne klaren Rahmen als Orientierung.

    5. Chancen und Risiken im Überblick

    Trotz der beschriebenen Unsicherheiten bleibt Nachhaltigkeit als strategisches Ziel hochrelevant. Entscheidend ist dabei, dass echte Reduktionen mit glaubwürdiger Kommunikation verbunden werden.

     

    Chancen
    Risiken
    • Wettbewerbsvorteile in Lieferketten mit ESG-Vorgaben
    • Stärkung der Kreditwürdigkeit gegenüber Banken und Investoren
    • Motivation für interne Effizienzmaßnahmen und Kostensenkung
    • Positionierung als attraktiver Arbeitgeber
    • Reputations- und Haftungsrisiken durch unzureichend belegte Nachhaltigkeitsaussagen (EmpCo-Richtlinie)
    • Fehlende Verankerung in der Gesamtstrategie
    • Investitionsverzögerung durch regulatorische Unsicherheit
     

    6. Unterstützungslücke: Eine Chance für Berater

    Nur 17,5 % der befragten Unternehmen fühlen sich durch Kammern und klassische Wirtschaftsverbände ausreichend bei der Nachhaltigkeitstransformation unterstützt. 59,3 % verneinen dies. Diese Lücke ist real – und sie ist eine direkte Chance für Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und spezialisierte Berater, die Unternehmen in Nachhaltigkeitsfragen beraten können.

     

    FAZIT — Der Sustainable Economy Barometer 2026 beschreibt keine Wunschvorstellung, sondern eine Bewegung, die in der deutschen Unternehmenspraxis bereits eingesetzt hat. Nachhaltigkeit ist für die Mehrheit der Entscheider strategisch relevant – die Umsetzungslücke ist das eigentliche Problem. Wer jetzt eine Struktur aufbaut, hat einen messbaren Vorsprung. Konkret heißt das:

     

    • Bestandsaufnahme der vorhandenen Maßnahmen und deren Dokumentation
    • Aufbau einer formalen Nachhaltigkeitsstrategie mit Zielen, Kennzahlen und Verantwortlichkeiten
    • Nutzung des freiwilligen VSME-Standards als schlanken EU-legitimen Einstiegsrahmen für KMU
    • Vorbereitung auf lieferkettenseitige Datenanfragen auch ohne direkte gesetzliche Pflicht.

     

    Für Steuerberater und WP gilt: Den Barometer als Gesprächseinstieg nutzen, den CSRD/Omnibus-Status des Mandanten klären und VSME als ersten strukturierten Schritt empfehlen – das ist Orientierung im Rahmen, den Mandanten heute brauchen.

     

    Zur Studie — Das Sustainable Economy Barometer 2026 ist im Rahmen des Sustainable Economy Summit erhoben worden. Die Studie wurde von der Sustainable Economy gGmbH in Auftrag gegeben. Die vollständigen Ergebnisse finden sich hier: www.iww.de/s15642

    Quelle: ID 50845428