· Fachbeitrag · Interview mit DNP-Preisträger & Best Practice
Warum Teilen doch funktioniert und wie sich Peer-to-Peer-Verleih sicher, wirtschaftlich und nachhaltig organisieren lässt
Alexandra Buba im Interview mit Maximilian Lehmann
In der Start-up-Casting-Show „Höhle der Löwen“ musste sich der Gründer der Fainin GmbH viel Gegenwind gefallen lassen, er ließ sich jedoch nicht beirren und beweist anderthalb Jahre später, wie Shareconomy funktionieren kann: Mit viel Technik, noch mehr Vertrauen und vor allem exklusiven Communities. Maximilian Lehmann aus Hamburg über sein Unternehmen, das Peer-to-Peer-Verleihen sicher und zuverlässig macht.
MERKE — Im Rahmen des Deutschen Nachhaltigkeitspreises Produkte (DNP) stellt PN in einer Interviewreihe die ausgezeichneten Lösungen und ihre Macher vor. Alexandra Buba spricht mit den Preisträgern über ihre Nachhaltigkeitsstrategien, die Besonderheiten ihrer Produkte und die Erfolgsfaktoren hinter der Auszeichnung – mit konkreten Einblicken und Best Practices für die Praxis. |
Frage: Herr Lehmann, wie kamen Sie auf die Idee, dass es Sinn ergibt, Dinge zu teilen?
Antwort: Ich stamme aus einem 150-Einwohner-Dorf, dort habe ich schon immer viele meiner Werkzeuge mit anderen geteilt, später kam mehr und mehr Party-Equipment dazu. Der nächste Step war, dass ich im kleingewerblichen Bereich angefangen habe, zu vermieten und fest gestellt habe, dass es dafür keine valide digitale Infrastruktur gibt.
Es lief im Prinzip auf das Fotografieren von Personalausweisen hinaus, datenschutzrechtlich nach heutigen Gesetzen natürlich ein Alptraum. Nach einem BWL-Studium, das ich absolviert habe, weil ich mich ansonsten nicht ready für die Unternehmensgründung gefühlt hätte, ging es dann mit zwei Mitgründern richtig los: Wir sind 2018 angetreten mit der Mission, das Peer-to-Peer-Verleihen sicher und zuverlässig zu machen.
Frage: Ihre erste Verleih-Community waren die Studierenden der Universität Hamburg, oder?
Antwort: Ja, das stimmt, bald darauf kam aber die Nachhaltigkeitsmanagerin einer großen Kaffeerösterei aus Hamburg auf uns zu: Sie wollte die Lösung für ihre Mitarbeitenden haben; es folgten andere Arbeitgeber, die für ihre Belegschaft die Möglichkeit geschaffen haben, sich untereinander Dinge auszuleihen. Heute bieten wir diese Infrastruktur für über 25 Organisationen – darunter multinationale Chemiekonzerne, globale Marktführer und viele Universitäten.
Frage: Wie funktioniert das Geschäftsmodell genau?
Antwort: Zum einen generieren wir Umsätze über die Lizenzgebühren im Abo für die Lösung im Whitelabelsystem, es nennt sich „2-Share“, für Unternehmen und Organisationen, die exklusiv für ihre Community eine sichere Verleihplattform anbieten wollen. Zum anderen partizipieren wir über Kommissionsgebühren an den Transaktionen auf dem öffentlichen Marktplatz, den es zusätzlich zu den exklusiven Communities weiterhin gibt, und den auch viele Gewerbetreibende, also professionelle Verleiher, nutzen.
Frage: Was wird denn alles verliehen?
Antwort: Wir haben inzwischen 15.000 Produkte mit über 200 Kategorien auf unserer Plattform, ausgehend vom Partyequipument entwickelte sich das Angebot über Kameraausstattung, Werkzeuge bis hin zum Campingbedarf und zur Freizeitsportausrüstung. Im Grunde lässt sich alles verleihen, was man nicht dauernd braucht.
Es ergibt keinen Sinn, dass jeder alles zu Hause herumstehen hat und es vielleicht nur wenige Male im Jahr nutzt. Gerade super gut laufen Stand-up-Paddel-Boote, sie sind ein richtiges Geschäftsmodell, kosten in der Anschaffung nur wenige 100 EUR und bringen bei der Vermietung für einen Tag vielleicht schon zehn oder 20 % ihres Anschaffungswertes wieder ein. Auch ein gutes Verleihprodukt sind Bautrockner, die man nun ja wirklich meist nur einmal benötigt.
Frage: Was unterscheidet Sie von anderen Ansätzen der Shareconomy oder speziell Verleihmarktplätzen?
Antwort: Im Unterschied zu anderen flaggen wir unsere Nutzer nach einem Background-Check mithilfe eines Scoring-Systems. Wenn jemand straffällig geworden ist, eine negative Bonität oder Ähnliches hat, dann greift unser KI-basiertes ‚Design for Trust‘. Statt dass Vermieter mühsam Kautionen verwalten müssen, läuft alles vollautomatisiert: inklusive digitalem ID-Check und einem integrierten Versicherungsschutz von bis zu 15.000 EUR pro Objekt. Optional können die Vermieter natürlich weiterhin Kaution und Co. verlangen – zwingend notwendig ist das aber dank fainins sicherer Verleihapp nicht mehr.
Frage: Wie funktioniert Ihr Vertriebsmodell?
Antwort: Nach fünf Jahren Markterfahrung fokussieren wir uns heute voll auf die ‚Come for the tool, stay for the network‘-Strategie. Wir liefern gewerbetreibenden Vermietern, Privatpersonen die etwas dazu verdienen möchten und geschlossenen Organisationen ein digitales Tool zur internen Verwaltung von Mietangeboten. Das Netzwerk entsteht dann organisch von innen heraus.
Konkret bedeutet das beim Angehen neuer Städte, dass wir sogenannte Atomic Networks starten, oftmals über die Universitäten, davon ausgehend entstehen dann i. d. R. die nächsten Communities. Mein Hauptlearning war, dass es immer von den Menschen abhängt, die beteiligt sind. Stehen diese dahinter, dann klappt es zu nahezu 100 %.
Frage: In der Höhle der Löwen konnten Sie vor zwei Jahren dennoch nicht überzeugen, weshalb?
Antwort: Ich hatte damals wirklich eine spannende Diskussion mit Herrn Maschmeyer, dem Kopf der Jury. Er prophezeite unser Idee das große Scheitern, schließlich hätte es Ansätze wie den unsrigen schon zigmal gegeben. Auf die Feinheiten hat er sich gar nicht eingelassen. Leider wurde die Sendung nicht ausgestrahlt, ich habe nie einen Grund erfahren. Unser Erfolg hat die Prognose ad absurdum geführt. Mit über 20.000 Nutzern haben wir bereits mehr als 11 t CO 2 vermieden. Unsere Community hat über 110.000 EUR passives Einkommen generiert und den Mietern weit über 1,1 Mio. EUR an Anschaffungskosten erspart. Übrigens gibt es etwas Ähnliches mit exklusiven Communities inzwischen auch in Frankreich, ebenfalls sehr erfolgreich und ein potenzieller Kooperationspartner, um „Teilen ist das neue Haben“ in ganz Europa zu etablieren.
Zum Unternehmen — Die Fainin GmbH wurde 2021 von Maximilian Lehmann, Kevin Mattutat und Jan Seeberg gestartet. Das Geschäftsmodell beinhaltet den Vertrieb der Technologie sowie einen Marktplatz. Beides bietet eine Möglichkeit sicher und zuverlässig zu verleihen. Unter der Marke 2-SHARE.de vertreibt das Unternehmen seine Lösung an Firmen und Organisationen, die exklusiv für ihre Mitglieder ein entsprechende Plattform einrichten wollen.