· Fachbeitrag · Interview mit DNP-Preisträger & Best Practice
Hinter der Fassade steckt die Innovation: Wie serielle Vorfertigung Wohnbestände zukunftsfähig und nachhaltig macht
Alexandra Buba im Interview mit Sebastian Eck
Wenn ganze Häuserzeilen oder Quartiere saniert werden sollen, dann ist das häufig ein Kraftakt für alle Beteiligten: Die Bewohner müssen Einschränkungen in Kauf nehmen, die öffentlichen oder privaten Liegenschaftseigentümer nicht nur erhebliche finanzielle, sondern auch organisatorische Ressourcen aufwenden. Weshalb also nicht einfach einen Teil der Modernisierung in die Fabrik auslagern und ganze Fassadenelemente vorproduzieren? Das dachten sich die Gründer der ecoworks GmbH aus Berlin. Ihre Idee war äußerst erfolgreich, findet daher inzwischen Nachahmer und liefert noch eine ganze Menge mehr als nur Fassaden. Sebastian Eck berichtet.
MERKE — Im Rahmen des Deutschen Nachhaltigkeitspreises Produkte (DNP) stellt PN in einer Interviewreihe die ausgezeichneten Lösungen und ihre Macher vor. Alexandra Buba spricht mit den Preisträgern über ihre Nachhaltigkeitsstrategien, die Besonderheiten ihrer Produkte und die Erfolgsfaktoren hinter der Auszeichnung – mit konkreten Einblicken und Best Practices für die Praxis. |
Frage: Herr Eck, wie kann man eine Fassade industriell produzieren, und warum ist das überhaupt sinnvoll?
Antwort: Wir verlagern auf diese Weise 80 % des Aufwands, der auf der Baustelle anfällt, in die Fabrik. Damit das funktioniert, steht am Anfang des digitalen Planungsprozesses die 3D-Vermessung der Fassade. Anschließend werden die Fassadenelemente in Holzrahmenbaukonstruktion bei unseren Partnern gefertigt. Enthalten ist dabei nicht nur die später sichtbare Außenbekleidung, sondern auch die Fenster mit Belüftungssystem, möglicherweise Leitungsstränge für Wasser, Heizung und weitere TGA-Komponenten. In der Fertigung passiert dies unter Einsatz von Automatisierung und Robotik, was die Qualität erheblich erhöht. Die Ausführungsgeschwindigkeit vor Ort auf der Baustelle wird dadurch deutlich erhöht, außerdem liefern wir ein deutlich langlebigeres Produkt, wir veranschlagen eine Nutzungsdauer von mehr als 60 Jahren.
Frage: Sie stellen ja nicht nur Fassaden her – was beinhaltet Ihr Portfolio noch?
Antwort: Wir sind ein spezialisiertes Bauunternehmen, das sich – bei Bedarf – über das Fassadensystem hinaus als Generalübernehmer um die gesamte energetische Sanierung kümmert. Im Fokus stehen bei uns mehrgeschossige Gebäude, Gebäuderiegel oder Quartiere aus den Baujahren 1950 bis 1980, die entweder noch nie saniert wurden oder deren letzter Sanierungszyklus bereits mehr als 30 Jahre zurückliegt. Unsere Kunden sind hauptsächlich kommunale Wohnungsunternehmen oder Wohnungsbaugenossenschaften, sowie Eigentümer mit langfristiger Portfoliostrategie. Aber auch für weitere Akteure gewinnt die serielle Sanierung aufgrund ihrer Wirtschaftlichkeit im Lebenszyklus an Relevanz.
Entscheidend bei der seriellen Sanierung, wie wir sie anbieten, ist der Gesamtprozess: Wir starten eben nicht einfach nur mit der Fassade, sondern analysieren auch, welche Lösungsbausteine der Kunde benötigt. Geht es bspw. nur um die Gebäudehülle, oder soll auch die technische Ausstattung der Warmwasseraufbereitung und Heizung erneuert werden? Wir bieten am Ende eine gesamte Sanierungslösung für jedes Objekt an. Immer eng verzahnt mit der Investitionsstrategie des Kunden.
Frage: Ziel Ihrer Auftraggeber ist oftmals Klimaneutralität, oder?
Antwort: Ja, dabei liegt der Fokus häufig zunächst auf dem Thema Heizungsanlage. Mit Blick auf Instandhaltungsrückstau und den Zustand der Bausubstanz zeigt sich aber ein umfassenderer Bedarf. Es geht aber immer auch um die Zukunftsfähigkeit der Gebäude generell. Es sollen Gebäude erhalten werden, in denen die Menschen auch in Jahrzehnten gerne leben, und ein klimaneutrales Heizsystem nützt am Ende wenig, wenn die Wärme durch 50 Jahre alte Fenster entweicht.
Frage: Lassen Sie uns auf Ihre eigene Nachhaltigkeitsbilanz blicken, weshalb ist Ihr Produkt nachhaltig?
Antwort: Wir tragen durch unser Produkt wie geschildert ganz unmittelbar dazu bei, den CO 2 -Ausstoß von Wohngebäuden deutlich zu reduzieren. Damit schafft unser Produkt eine wichtige Voraussetzung für einen klimaneutralen Gebäudebetrieb. Durch die Vorfertigung und standardisierte Ausführung unterstützen wir auch den sozialen Aspekt der Modernisierung. Die Einschränkungen für die Bewohner werden durch die kürzere Bauphase viel geringer. Wenn wir auf das Produkt selbst blicken, ist es vor allem die Langlebigkeit: Mit einer prognostizierten Nutzungsdauer von mehr als 60 Jahren übertreffen wir die herkömmliche Fassadensanierung deutlich. Die einzelnen Komponenten können im Übrigen im Falle des Rückbaus sortenrein getrennt und teilweise wiederverwertet werden.
Frage: Wie schlägt sich dies finanziell nieder?
Antwort: Derzeit liegt unsere Lösung je nach Projektumfang noch geringfügig über der konventionelle Fassadensanierung, allerdings wird durch den 15%igen Bonus in der KfW-Förderung das höhere Erstinvestment mehr als kompensiert. Es sind auch höhere Fördersätze möglich, wir unterstützen unsere Kunden dabei, die optimale Förderung zu bekommen. In unserem Beratungsprozess zeigen wir grundsätzlich die bestmöglichen Fördervarianten auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene auf.
Man darf aber eben nicht nur die Erstinvestition betrachten, sondern auch die laufenden Kosten für die Instandhaltung – und diese sind eben durch die doppelt so hohe Lebensdauer nur halb so hoch. Besonders wirtschaftliche Konditionen können wir dann anbieten, wenn wir ganze Gebäuderiegel sanieren, da wir dann die Planungsgrundlagen auf mehrere Gebäude übertragen und seriell fertigen können.
Frage: Das überzeugt Ihre Kunden unmittelbar?
Antwort: Nun, ein neues, innovatives Produkt benötigt zunächst Beratung und Aufklärung. Die Gründe, weshalb sich die Kunden für uns entscheiden, sind unterschiedlich: Für viele ist es die Qualität und Langlebigkeit, manchmal liegt der Fokus auf der Bewohnerperspektive, und eine dritte Gruppe findet die Schonung der eigenen Ressourcen im Vergleich zur Einzelvergabe aller Gewerke überzeugend.
Frage: Wie wichtig ist Nachhaltigkeit als Argument?
Antwort: Sie ist ein Kernbestandteil der gemeinwohlorientierten Wohnungswirtschaft und auch darüber hinaus, insofern wird sie quasi vorausgesetzt für zukunftsfähige Investitionen. In einigen Projekten geht es auch um den Nachweis der Nachhaltigkeit bei etwaigen Stakeholdern oder für das Erreichen zusätzlicher Förder-Boni, so haben wir in Nürnberg gerade für eine energetische Bestandssanierung die DGNB-Zertifizierung in Silber sowie das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) erhalten.
Frage: Was sind Ihre nächsten Schritte?
Antwort: Nachdem wir inzwischen bundesweit eine zweistellige Anzahl von großen Projekten abgewickelt haben, skalieren wir unser Produktportfolio. Wir haben unser Kernprodukt, die Fassadenelemente verfeinert, sodass wir unterschiedliche energetische Standards abbilden können. Falls die Gebäudestrategie keine vollumfängliche Sanierung zum Effizienzhaus fordert, können wir den Umfang und die energetische Auslegung der Bauteile anpassen. So bieten wir unser Fassadensystem nicht mehr nur im Rahmen einer vollumfänglichen Sanierung, sondern auch als Einzelprodukt an.
Frage: Wie war Ihr persönlicher Weg ins Unternehmen?
Antwort: Ich habe die klassische Ausbildung zum Immobilienkaufmann absolviert, später berufsbegleitend studiert, während ich bei kommunalen Wohnungsunternehmen tätig war. Für die VBW Bauen und Wohnen GmbH in Bochum habe ich den Klimapfad entwickelt und mich mit zukunftsgerichteten Sanierungslösungen beschäftigt. 2022 habe ich in dieser Funktion ein Sanierungsprojekt mit ecoworks durchgeführt, wurde so auf das Unternehmen aufmerksam und berate nun seit 2023 deutschlandweit Wohnungsunternehmen zu den Potenzialen rund um die zukunftsorientierte Sanierung für ecoworks.
Über ecoworks — ecoworks ist der Partner der Wohnungswirtschaft für bezahlbare energetische Sanierung. Als Generalunternehmer begleitet ecoworks Wohnungsunternehmen von der Erstidee bis zur massenfähigen, seriellen Umsetzung. Mit einem Vorfertigungsgrad von 80 % plant, konstruiert und installiert ecoworks Fassaden- und Dachelemente, um Mehrfamilienhäuser innerhalb weniger Wochen auf NetZero-Standard zu sanieren. Das Berliner Unternehmen gilt als Pionier und Innovationsführer für serielle Sanierungen in Deutschland und arbeitet aktuell an mehr als 20 Projekten im Bundesgebiet.