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Inbound-Aktivitäten

Der Unternehmenserwerb durch Auslandsinvestoren

von Steuerberater Dr. Dieter Endres, Frankfurt am Main*

*Dr. Endres ist Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers GmbH in Frankfurt a.M.

In den bisherigen Ausgaben dieser Zeitschriftwurden anhand zweier Musterfälle steuerlicheGestaltungsempfehlungen für das Deutschlandengagement vonSteuerausländern gegeben. Im Mittelpunkt dieser Beiträgestanden die Rechtsformenwahl in Deutschland sowie die Frage nach deroptimalen Finanzausstattung einer Inlandstochtergesellschaft. DieTrilogie zu Inbound-Steuerstrategien wird mit dem folgenden Musterfallzur Akquisition einer deutschen Zielgesellschaft vervollständigt.

Ausgangsfall

Die deutsche Konzern AG verfügt seitüber 10 Jahren über eine 100-prozentige Beteiligung an einerinländischen GmbH (Ziel-GmbH), von der sich die Gruppe im Rahmender notwendigen Konzentration auf das Kerngeschäft trennenmöchte. Kaufinteressent ist das US-Unternehmen ComputerManufacturing Company (ComCo). ComCo ist in Deutschland bereitsüber ihre Tochtergesellschaft High Tech GmbH präsent, diewiederum Alleingesellschafterin der Software GmbH ist.

Nach einer ausführlichenUnternehmensprüfung („Due Diligence“) können sichdie beiden Vertragsparteien auf einen Kaufpreis einigen, der dasausgewiesene Eigenkapital der Ziel-GmbH erheblich übersteigt. DemKäuferwunsch nach einem direkten Erwerb der einzelnenWirtschaftsgüter der Ziel-GmbH („asset deal“) anstelle einer Übertragung der GmbH-Anteile („share deal“)wird von Veräußererseite auf Grund rechtlicherKomplikationen nicht entsprochen. Die ComCo-Gruppe ist jetzt auf derSuche nach einer geeigneten Akquisitionsstruktur.

Lösungshinweise

Aus steuerlicher Sicht hat ein ausländischerErwerber eines deutschen Unternehmens in der Regel zwei vorrangigeZiele, nämlich

  • die Sicherstellung der Abzugsfähigkeit von Finanzierungskosten in Deutschland sowie
  • die Umformung des Kaufpreises in Abschreibungspotenzial.

Daneben gilt es, Transaktionskosten wie etwa dieGrunderwerbsteuer zu minimieren und bereits im Erwerbszeitpunkt dieWeichen für einen eventuellen späteren steuereffizientenAusstieg aus dem Engagement zu stellen („Exit“).

Das Ziel einer steuerlichen Abzugsfähigkeitvon Finanzierungszinsen im Inland setzt den Einsatz eines deutschenAkquisitionsvehikels voraus. Würde der Beteiligungserwerb direktdurch eine ausländische Gesellschaft (z.B. ComCo Inc.) erfolgen,wären die Finanzierungskosten keinem deutschen Steuersubjektzuzuordnen und damit im Inland nicht berücksichtigungsfähig.Wird deshalb eine deutsche GmbH als Akquisitionsvehikelzwischengeschaltet, sind Zinszahlungen (z.B. an deutscheKreditinstitute) als inländische Betriebsausgaben anzuerkennen,wobei im Bereich der Gewerbesteuer Einschränkungen durch diehälftige Hinzurechnung als Dauerschuldzinsen gelten.

Erfolgt die Finanzierung der deutschenAkquisitions-GmbH mit Mitteln der ausländischen ComCo-Gruppe, sokommen die Regelungen des § 8a KStG zurGesellschafterfremdfinanzierung zum Zuge. Diese sehengrundsätzlich ein maximales Verhältnis von Fremd-zuEigenkapital von 3:1 für operative Gesellschaften und einenerhöhten „safe haven“ von 9:1 fürHoldinggesellschaften vor (vgl. die Beschreibung dieser Regelungen inder PIStB 99/60).

Neben der Geltendmachung von Finanzierungskostenkann die deutsche Steuerbelastung in der Erwerbergruppe auch durchTransformation des Kaufpreises in Abschreibungspotenzial gesenktwerden. Bei einem Erwerb von Anteilen an einer Kapitalgesellschafterfolgt aus steuerlicher Sicht allerdings eine Aktivierung desKaufpreises auf dem (keiner Regelabschreibung unterliegenden)Beteiligungskonto, aber keine Aufstockung der in der Ziel-GmbHgenutzten Wirtschaftsgüter bzw. kein Ausweis des gezahltenGoodwill.

Um in diesem Szenario dennoch zusätzlichesAbschreibungspotenzial zu erhalten, sind Reorganisationsmaßnahmenim Anschluss an den Erwerb der Anteile unumgänglich. So kann dieZiel-GmbH nach der Akquisition formwechselnd in einePersonenhandelsgesellschaft umgewandelt oder auf einePersonenhandelsgesellschaft verschmolzen werden, um damit einen Step Upin den Wirtschaftsgütern der Personengesellschaft fürKörperschaftsteuerzwecke zu erreichen (zu Einzelheiten vgl.Jacobs, „Internationale Unternehmensbesteuerung“, 675 ff.;Endres/Eckstein „Die steuerliche Gestaltung vonÜbernahmen“ in: DAI 99, 289 ff.).

In unserem Beispielsfall werden nach einigen Überlegungen letztlich drei Erwerbsmodelle gegeneinander abgewogen.

Vorschlag 1: Reines Holdingmodell

Es wird eine neue deutsche Holdinggesellschaftgegründet (HoldCo GmbH). HoldCo GmbH erwirbt die Anteile an derZiel-GmbH, wobei die erforderlichen Finanzmittel von ComCo Inc. zurVerfügung gestellt werden. Zusätzlich bringt ComCo Inc. dieBeteiligung an der High Tech GmbH in HoldCo GmbH ein bzw.veräußert diese Beteiligung an Hold-Co GmbH. Es ergibt sichdie nachstehende Gruppenstruktur.

Die Steuerwirkungen dieses reinen Holdingmodells lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Abzug der Zinsen für den Erwerb der Ziel-GmbH-Beteiligung in Deutschland,
  • 9:1„safe haven“ für das VerhältnisGesellschafterdarlehen/Eigenkapital, da HoldCo GmbH alsHoldinggesellschaft im Sinne von § 8a Abs. 4 KStG qualifiziertwird,
  • Gewinn-/Verlustverrechnung in der gesamten deutschen Gruppedurch Organschaftsverträge,
  • eventuelleZusatzverschuldung und damit zusätzliche Ergebnisminderung inDeutschland durch Verkauf der High Tech GmbH-Beteiligung an HoldCo GmbH(negative Steuerkonsequenzen in den USA sind vermeidbar, indem HoldCoGmbH aus US-Sicht nach den „check-the-box“-Regelungen alsdeutsche Betriebsstätte von Com-Co Inc. qualifiziert wird –vgl. hierzu bereits PIStB 1/99, 7),
  • kein Step Up, d.h. keineTransformation des Kaufpreises für die Ziel-GmbH-Beteiligung inabschreibungsfähigen Goodwill.

Vorschlag 2: Holding- und Step Up-Modell

Die High Tech GmbH gliedert ihren gesamtenGeschäftsbetrieb in eine neue Tochtergesellschaft (Higher TechGmbH) gegen Ausgabe neuer Gesellschaftsrechte aus. Die Software GmbH(99,9 %) und die High Tech GmbH (0,1 %) erwerben die Beteiligung an derZiel-GmbH.

Im Anschluss an die Akquisition wird die Ziel-GmbHformwechselnd in eine Ziel-KG umgewandelt, wobei die High Tech GmbH dieKomplementärfunktion übernimmt. Die Endstruktur ist demnachwie folgt:

Im Hinblick auf die Steuerwirkungen ergibt sich folgendes Bild:

  • Durch die steuerlich erfolgsneutrale Ausgliederung desGeschäftsbetriebs der High Tech GmbH in die Higher Tech GmbH(§ 20 UmwStG) wandelt sich die High Tech GmbH von einer operativenGesellschaft in eine Holdinggesellschaft nach § 8a Abs. 4 KStG.
  • DieHigh Tech GmbH kann die an ComCo Inc. gezahlten Darlehenszinsen unterNutzung eines 9:1 „safen haven“ steuerlich absetzen. Dieerhaltenen Darlehensbeträge leitet sie als Eigen- oderFremdkapital an die Software GmbH weiter, die sie für dieAkquisition der Ziel-GmbH-Beteiligung einsetzt.
  • Der Formwechselder Ziel-GmbH in die Ziel-KG führt zu einemkörperschaftsteuerlichen Step Up und damit zu zusätzlichemAbschreibungspotenzial.
  • Da eine Personengesellschaftgrundsätzlich zumindest zwei Gesellschafter benötigt, ist dieEinschaltung der Software GmbH und der High Tech GmbH in denAkquisitionsprozess erforderlich (wobei eine höhere Beteiligungder High Tech GmbH an der Personengesellschaft nicht erwünschtist, um den Holdingstatus der High Tech GmbH nicht zu gefährden.Hinweis: Um als Holding qualifiziert zu werden, muss dieHaupttätigkeit der Kapitalgesellschaft darin bestehen,Beteiligungen an Kapitalgesellschaften zu halten und dieKapitalgesellschaften zu finanzieren, oder das Vermögen derKapitalgesellschaft muss zu mehr als 75 Prozent ausKapitalgesellschaftsbeteiligungen bestehen).
  • Abschluss vonOrganschaftsverträgen zwischen den drei deutschenKapitalgesellschaften, aber keine Gewinn-/Verlustpoolung mit derZiel-KG für Gewerbesteuerzwecke (da Personengesellschaft eigenesGewerbesteuersubjekt).

Vorschlag 3: Reines Step Up-Modell

Die ComCo-Gruppe kann sich durchaus vorstellen,die Beteiligung an der Ziel-GmbH bald wieder Gewinn bringendweiterzuveräußern. Deshalb wird folgende Struktur angedacht:ComCo Inc. gründet eine New-Co GmbH. NewCo GmbH und ComCo Inc.erwerben die Beteiligung an der Ziel-GmbH und wandeln dieseanschließend formwechselnd in eine KG um, so dass sich folgenderGruppenchart ergibt:

Die Steuerattribute dieser Struktur sind:

  • Falls das Zielunternehmen später veräußertwerden soll, kann dies durch Veräußerung der100-Prozent-Beteiligung an der NewCo GmbH – nebst derPersonengesellschafts-Minibeteiligung – erfolgen, da die NewCoGmbH (im Gegensatz zu den Strukturen 1 und 2) über keine weiterenBeteiligungen verfügt. Erzielt ComCo Inc. diesbezüglich einenVeräußerungsgewinn, ist ein deutsches Besteuerungsrecht nachArt. 13 Abs. 5 DBA D/USA ausgeschlossen (vgl. Debatin/Endres „Dasneue Doppelbesteuerungsabkommen USA/ Bundesrepublik Deutschland“,312 ff.).
  • Die Umwandlung in eine Personengesellschaftermöglicht für Körperschaftsteuerzwecke einen Step Upder Buchwerte des Zielunternehmens auf den Kaufpreis bzw. den Ausweiseines Goodwill.
  • Die von NewCo GmbH gezahlten Zinsen könnenim Rahmen der einheitlichen und gesonderten Gewinnfeststellung derPersonengesellschaft als Sonderbetriebsausgaben abgezogen werden, wobeiein „safe haven“ von 3:1 greift (wird diese Restriktion alszu eng empfunden, kann gegebenenfalls auf ein Verschmelzungsmodellzurückgegriffen werden – vgl. Jacobs „InternationaleUnternehmensbesteuerung“, 694 f.)

Bei einer Diskussion der Alternativstrukturen inder ComCo-Gruppe kommt noch eine Zusatzidee auf: Zwar war die KonzernAG als Veräußerer in den Verhandlungen nicht zu einem„asset deal“ bereit, sondern wollte Anteile an derZiel-GmbH verkaufen. Denkbar wäre aber, dass die Konzern AG selbstdie Ziel-GmbH noch in eine Ziel-KG formwechselt und anschließenddie Anteile an der Personengesellschaft an die Erwerbergruppeveräußert. Dies würde für die Konzern AG keineSteuernachteile auslösen, gleichzeitig aber dem Erwerber auch dieMöglichkeit für einen gewerbesteuerlichen Step Up bieten, daaus steuerlicher Sicht der Erwerb von Personengesellschaftsanteileneben wie ein „asset deal“ behandelt wird. Im Musterfallscheitert diese Idee aber daran, dass die Konzern AG ihre Beteiligungumgehend veräußern und keine Reorganisationsmaßnahmenmehr vornehmen will.

Schlussfolgerung

Die obige Diskussion der Fallvarianten machtdeutlich, dass es Patentrezepte für die optimaleAkquisitionsstruktur nicht geben kann. Die Wahl zwischen denzahlreichen Gestaltungsmöglichkeiten muss letztlich immer von denUmständen des Einzelfalls abhängig gemacht werden, wobei dieSteuerziele des Erwerbers, die budgetierte Ergebnissituation derZielgesellschaft und insbesondere auch die Steuersituation desVeräußerers (ggf. Step Up-Beschränkungen nach §50c EStG) maßgebliche Strukturdeterminanten sind. In der Praxisfindet es sich nicht selten, dass die durch die Akquisition bedingtenZinskosten und Zusatzabschreibungen die tatsächliche spätereErtragsbasis der Zielgesellschaft deutlich überschreiten undVerlustvorträge verursachen – hier scheint häufig mehrAugenmaß im Hinblick auf eine effektive Erwerbsstruktur angezeigt.

Im Beispielsfall entscheidet sich die ComCo-Gruppefür ein reines Holdingmodell, das eine volle Ergebnisverrechnungin der deutschen Gruppe erlaubt. Den Nachteil eines fehlenden Step Upwill man durch zusätzliche Zinskosten auffangen, die beim Kauf derHigh Tech GmbH-Beteiligung durch die neue HoldCo GmbH anfallen. ImHinblick auf die fehlende Exit-Flexibilität vertraut dieErwerbergruppe auf die jüngsten Steuerpläne desBundesfinanzministers, nach der die Steuerfreiheit vonVeräußerungsgewinnen nach § 8b Abs. 2 KStG ab dem1.1.2001 auch auf Inlandsbeteiligungen ausgedehnt werden soll. ImÜbrigen ist sich ComCo durchaus darüber bewusst, dass aufGrund der geplanten Steuerreform auch mit Einschnitten bei den Eigen-/Fremdkapitalrelationen des § 8a KStG zu rechnen ist (nach denersten Reformvorschlägen sollen die „safe haven“ beiHoldinggesellschaften von 9:1 auf 3:1 und bei operativen Gesellschaftenvon 3:1 auf 1,5:1 reduziert werden).

Nach der sorgfältigen Ausarbeitung vonSteuer- und Gewährleistungsklauseln und der nachfolgendenUnterzeichnung des Anteilskaufvertrages zwischen der Konzern AG und derHoldCo GmbH ist die Com-Co–Gruppe bereits wieder auf der Suchenach neuen Akquisitionskandidaten. Mit der angekündigten Senkungder Beteiligungsgrenze für wesentliche Beteiligungen (§ 17EStG) von zehn auf ein Prozent dürften betroffene Gesellschaftervon Kapitalgesellschaften versuchen, Veräußerungsgewinnenoch im Jahr 2000 zu realisieren. Zusätzlich dürfte dasTransaktionsgeschäft angeheizt werden, falls die Ausweitung des§ 8b Abs. 2 KStG auf Inlandsbeteiligungen tatsächlich Gesetzwird. ComCo ist bereit, an dem zu erwartenden M&A-Boom zupartizipieren.

Quelle: Praxis Internationale Steuerberatung - Ausgabe 02/2000, Seite 37

Quelle: Ausgabe 02 / 2000 | Seite 37 | ID 105048