logo logo
Meine Produkte: Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen. Anmelden
Menu Menu
MyIww MyIww
Jetzt testen

05.08.2011 |Der praktische Fall

Vergleich der Nachsteuerrendite bei grenzüberschreitenden Kapitalanlagen

von StB Prof. Dr. Dieter Endres, Frankfurt am Main

Im Zeitalter der Globalisierung bietet sich auch bei der Auswahl von Kapitalanlagen ein deutlich erweitertes Spektrum an Möglichkeiten. Steueraspekte sollten bei Anlageentscheidungen stets frühzeitig mit einbezogen werden, da bereits im nationalen Umfeld keine Entscheidungsneutralität der Besteuerung besteht. Umso mehr ist bei grenzüberschreitenden Investitionen ein Vergleich von Nachsteuerrenditen unerlässlich, um steuerinduzierte Verzerrungen zwischen verschiedenen Anlageformen bereits im Planungsstadium zu berücksichtigen. Im Beispielsfall hat ein Anleger die Wahl zwischen einer unternehmerischen Auslandsbeteiligung, einer ausländischen Immobilieninvestition und einer Fremdkapitalvergabe ins Ausland.  

1. Ausgangssachverhalt

Der konfessionslose Max Anleger, wohnhaft in Mannheim, hat von seiner Tante Olga ein Bankguthaben von 1 Mio. EUR (nach Begleichung der Erbschaftsteuer) geerbt. Nun überlegt er eine geeignete Anlagemöglichkeit. Dabei will er die Nachsteuerrendite möglicher Anlagen ermitteln. Seine Frau Debbie präferiert Anlagen in den USA und kommt mit verschiedenen Anlagealternativen auf Max zu: die Akquisition einer US-Unternehmensbeteiligung durch Eigenkapitalzuführung an die deutsche A-GmbH, Immobilieninvestitionen in Texas und/oder New York oder eine Darlehensvergabe an eine amerikanische Gesellschaft als Darlehensnehmer.  

 

 

Welche der drei Anlageformen verspricht Max Anleger die höchste jährliche Nachsteuerrendite? Wie sind die ermittelten Steuerquoten im Vergleich zu Inlandsanlagen zu beurteilen?  

2. Akquisition einer US-Unternehmensbeteiligung

2.1 Berechnungsgrundlagen

In der ersten Option kann Max Anleger das Geld seiner seit Jahren erfolgreich im Maschinenbau tätigen A-GmbH als zusätzliches Eigenkapital zur Verfügung stellen, womit die bereits lange geplante Akquisition einer 100 %igen Beteiligung an einer US-Kapitalgesellschaft durch die A-GmbH möglich wird. Die US-Gesellschaft soll den Vertrieb der von der A-GmbH produzierten Maschinen fördern. Die US-Gesellschaft erzielt einen Gewinn vor Ertragssteuern von 100.000 EUR (144.300 USD) pro Jahr. Die Gewinne sollen bis zu Max Anleger ausgeschüttet werden. Die US-Körperschaftsteuerbelastung der US-Kapitalgesellschaft beträgt 35 % (keine zusätzlichen Staatssteuern). Die A-GmbH unterliegt einer Gewerbesteuerbelastung von 16 %. Max Anleger befindet sich in der höchsten Progressionsstufe der deutschen Einkommensteuer.  

 

2.2 Lösungshinweise

Gewinne einer US-Kapitalgesellschaft unterliegen zunächst dem US-Körperschaftsteuertarif von 35 % (zu den US-Steuertarifen vgl. Endres/Schreiber, Investitions- und Steuerstandort USA, 108 f.). Werden die nach Abzug der Steuern verbleibenden Nettogewinne an den Alleingesellschafter A-GmbH ausgeschüttet, so kann dies US-Quellensteuerfreiheit nach Art. 10 Abs. 3 i.V.m. Art. 28 Abs. 2 Doppelbuchst. ff) und Abs. 4 DBA D/USA beanspruchen (zu Einzelheiten vgl. Endres, 50 Musterfälle zum Internationalen Steuerrecht, Musterfall 41, 205 ff.).  

 

In Deutschland greift bei der A-GmbH die Dividendenbefreiung des § 8b Abs. 1 KStG. Allerdings gelten gemäß § 8b Abs. 5 KStG stets 5 % der zugeflossenen steuerfreien Einnahmen als nichtabzugsfähige Betriebsausgaben. Über die 5 %ige Kostenpauschale hinausgehende Betriebsausgaben können unbegrenzt abgezogen werden. Bei Weiterausschüttung der um die „Wegelagerersteuer“ gekürzten Dividenden greift bei Max Anleger der Abgeltungsteuersatz von 25 % (§ 32d EStG) zzgl. SolZ. Mit diesem Steuerabzug ist die Steuerschuld auf die Einkünfte aus Kapitalvermögen abgegolten. Ein Antrag auf Günstigerprüfung nach § 32d Abs. 6 EStG ist nicht zu stellen, da der persönliche Steuersatz von Max Anleger über 25 % liegt.  

 

Gewinn US-Gesellschaft 

100.000 EUR 

US-Körperschaftsteuer (35 %) 

(35.000) EUR 

Dividende an A-GmbH 

65.000 EUR 

US-Kapitalertragsteuer 

0 EUR 

Einkünfte der A-GmbH 

65.000 EUR 

- davon steuerfrei 95 % (§ 8b Abs. 1 KStG

61.750 EUR 

- davon steuerpflichtig 5 % (§ 8b Abs. 5 KStG

3.250 EUR 

Gewerbesteuer (16 %) 

520 EUR 

Körperschaftsteuer (15 %) 

488 EUR 

Solidaritätszuschlag (5,5 %) 

27 EUR 

Einkünfte A-GmbH nach Steuern 

63.965 EUR 

Dividendenausschüttung an Max Anleger  

63.965 EUR 

Abgeltungsteuer (25 %) 

15.991 EUR 

Solidaritätszuschlag (5,5 %) 

880 EUR 

Dividendenzufluss nach Steuern  

47.094 EUR 

Rendite (47.094 EUR/1 Mio. EUR) 

4,71 % 

 

Bezogen auf die Ausgangsinvestition von 1 Mio. EUR verbleibt Max Anleger bei dieser Investitionsform eine jährliche Nachsteuerrendite von 4,71 %.  

 

Würde sich Max Anleger direkt als Alleingesellschafter an der US-Gesellschaft beteiligen, erhöht sich durch den Wegfall der „Wegelagerersteuer“ bei der A-GmbH die Rendite auf 4,84 %. Die bei dieser Alternative in den USA anfallende 15 %ige Quellensteuer würde auf die Abgeltungsteuer angerechnet (§ 32d Abs. 5 EStG), sodass insoweit das US-Steueraufkommen zulasten der deutschen Steuerschuld ansteigen würde. 

3. Kauf einer US-Immobilie

3.1 Berechnungsgrundlagen

Alternativ überlegt Max Anleger, Gewerbeimmobilien in den USA zu erwerben. Seine Frau Debbie hat bei einem Kaufpreis von 1 Mio. EUR sowohl ein Angebot für eine Immobilie in Dallas/Texas vorliegen, die dort als Bürogebäude an ein Ölexplorationsunternehmen vermietet werden soll, als auch eine Offerte für eine kleinere Immobilie (geeignet für den Betrieb eines Coffee Shop) in Manhattan erhalten. In beiden Fällen würden Max Anleger voraussichtlich jährliche Netto-Mieteinnahmen von 100.000 EUR (144.300 USD) in sein Privatvermögen zufließen.  

 

3.2 Lösungshinweise

Max Anleger unterliegt als US-Nonresident mit US-Quelleneinkünften aus Rental Property der US-Steuerpflicht. Bei einem Einkommen von 100.000 EUR (144.300 USD) ergibt sich für einen verheirateten Steuerpflichtigen eine Steuerschuld bei der US-Bundessteuer von rund 25.000 EUR (36.346 USD). Während Texas keine Staatssteuern erhebt, kommen in New York noch die State und City Tax zur Federal Tax dazu, sodass sich die Gesamtbelastung im Rahmen der beschränkten Steuerpflicht in den USA auf rund 35.000 EUR (50.545 USD) erhöht.  

 

Das DBA D/USA regelt das Besteuerungsrecht für Einkünfte aus unbeweglichem Vermögen nach dem Belegenheitsprinzip. Art. 6 Abs. 1 DBA D/USA weist dem Belegenheitsstaat des unbeweglichen Vermögens (hier die USA) ein uneingeschränktes Besteuerungsrecht zu. Gemäß Art. 23 Abs. 3 Buchst. a) des Abkommens vermeidet der Wohnsitzstaat Deutschland bei Einkünften aus in den USA belegenen Immobilien die Doppelbesteuerung im Wege der Freistellung der Einkünfte. Es ist Deutschland als Ansässigkeitsstaat nach Art. 23 Abs. 3 Buchst. a) S. 2 DBA D/USA allerdings erlaubt, die zu befreienden Einkünfte bei der Festsetzung des Einkommensteuersatzes von Max Anleger zu berücksichtigen. Da Max Anleger mit seinen inländischen Einkünften aber bereits dem Spitzensteuersatz unterliegt, hat dieser Progressionsvorbehalt im Beispiel keine materiellen Auswirkungen.  

 

Im Ergebnis bleibt es somit bei der US-Quellenbesteuerung von 25 % beim Kauf der Immobilie in Texas und von 35 % beim Erwerb der Immobilie in New York. Bezogen auf den Kaufpreis von 1 Mio. EUR und die Mieterträge von 100.000 EUR ergeben sich Nachsteuerrenditen von 7,5 % (75.000 EUR Nachsteuerertrag) respektive 6,5 % (65.000 EUR Nachsteuerertrag).  

4. Fremdkapitalvergabe an eine US-Gesellschaft

4.1 Berechnungsgrundlagen

Debbie Anleger bringt ihren Mann Max mit einem Anlageberater in Kontakt, der hochverzinsliche (und damit auch höher risikobehaftete) Darlehen vermittelt. Der Anlageberater offeriert Max Anleger die Vergabe eines Privatdarlehens von 1 Mio. EUR an eine US-Gesellschaft zu einem Zinssatz von 10 %. Alternativ könne er auch ein Darlehen an eine Gesellschaft in China zu den gleichen Konditionen vermitteln. Dies sei aber - obwohl mit einem besseren Rating ausgestattet - nicht empfehlenswert, da in diesem Falle chinesische Quellensteuerbelastungen zu tragen wären.  

 

4.2 Lösungshinweise

In den USA unterliegen Zinszahlungen an Steuerausländer grundsätzlich dem allgemeinen Quellensteuersatz von 30 %, sofern sie als aus US-Quellen stammend gelten. Letzteres ist (wie im Beispielsfall) zu bejahen, wenn der Schuldner eine in den USA ansässige Person oder Gesellschaft ist (zu Einzelheiten vgl. Gohr, in: Endres/Jacob/Gohr/Klein, DBA Deutschland/USA, Rz 29 ff. zu Art. 28).  

 

Allerdings können nach Art. 11 Abs. 1 DBA D/USA Zinsen, die eine in Deutschland ansässige Person als Nutzungsberechtigter bezieht, nur in Deutschland besteuert werden. Damit wird dem Wohnsitzstaat das alleinige Besteuerungsrecht zugewiesen, d.h. eine Besteuerung im Quellenstaat USA scheidet aus.  

 

Max Anleger erzielt Einkünfte aus Kapitalvermögen nach § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG in Höhe von 100.000 EUR. Gemäß § 32d Abs. 1 EStG beträgt die Einkommensteuer (Abgeltungsteuer) 25 %. Die Günstigerprüfung nach § 32d Abs. 6 EStG führt bei dem sich in der obersten Progressionsstufe befindlichen Max Anleger nicht zu einer Option für die tarifliche Einkommensteuer. Entsprechend fällt auf die Zinserträge von 100.000 EUR Einkommensteuer von 25.000 EUR zzgl. SolZ von 1.375 EUR an. Die Rendite nach Steuern beträgt bei einem Darlehensbetrag von 1 Mio. EUR und einem Nettozinsertrag von 73.625 EUR 7,36 %.  

 

Entgegen der Annahme des Anlageberaters ergibt sich - unter vergleichbaren Konditionen - die gleiche Rendite auch bei einer Fremdkapitalvergabe nach China. Zwar erhebt China auf Zinszahlungen an nicht ansässige natürliche Personen nach nationalem Recht eine 20 %ige Quellensteuer, die durch das DBA D/China nicht eliminiert, sondern nach Art. 11 Abs. 2 DBA D/China lediglich auf 10 % begrenzt wird. Die verbleibende chinesische Quellensteuer (im Beispielsfall 10.000 EUR) wird allerdings nach § 32d Abs. 5 EStG i.V.m. Art. 24 Abs. 2 Buchst. b) DBA D/China vollumfänglich auf die deutsche Steuer angerechnet. 

 

Insoweit wird der Steuerzufluss auf beide Staaten aufgeteilt (China 10.000 EUR, Deutschland 16.375 EUR). Für den Steuerpflichtigen bleibt es aber bei der Nachsteuerrendite von 7,36 %.  

5. Resümee

Der Vergleich der Nachsteuerrenditen verschiedener Kapitalanlageformen bringt für die von Max Anleger untersuchten Optionen folgende Ergebnisse:  

 

  • Unternehmensbeteiligung in den USA

  • über die A-GmbH

4,7 % 

  • Direktbeteiligung

4,8 % 

 

  • Kauf einer US-Immobilie

  • in Texas

7,5 % 

  • in New York

6,5 % 

 

  • Fremdkapitalvergabe

  • an eine US-Gesellschaft

7,4 % 

  • an eine Gesellschaft in China

7,4 % 

 

Die höchste Rendite ergibt sich somit bei einer Immobilieninvestition in Texas. Insoweit profitiert Max Anleger durch die deutsche Freistellung der Mieterträge vom Steuersatzgefälle zu den USA, wo in Texas nur ein Einkommensteuersatz von 25 % gilt. Wegen der Zusatzerhebung von New York State und City Taxes ist die Anlage in eine Immobilie in Manhattan steuerlich weniger attraktiv.  

 

Die deutlichen Belastungsunterschiede zwischen der Eigenkapitalzuführung (Alt. 1) und der Fremdkapitalvergabe (Alt. 3) haben ihre maßgebliche Ursache indes nicht im grenzüberschreitenden Sachverhalt. Vergleicht man auch bei rein nationalen Anlagen die Eigenkapitalfinanzierung einer Kapitalgesellschaft mit der Fremdkapitalvergabe, so ergibt sich unter Beachtung der Abgeltungsteuer ein deutliches Belastungsgefälle zugunsten der Darlehensvergabe. Diese Verzerrungen im Hinblick auf die Finanzierungsneutralität der Besteuerung zeigen sich bei den Ausgangsfällen in einer wesentlich höheren Rentabilität der Fremdkapitalvergabe (7,4 % Nachsteuerrendite unabhängig von der Ansässigkeit des Darlehensnehmers) im Vergleich zu einer Unternehmensbeteiligung (4,7 % bzw. 4,8 %).  

 

Allerdings werden sich die unterschiedlichen Steuerkonsequenzen der verschiedenen Anlageoptionen auch in den erzielbaren Renditen niederschlagen. So ist die hier für Vergleichszwecke unterstellte Ausgangssituation identischer Vorsteuerrenditen bei Eigenkapital-, Darlehens- oder Immobilienanlagen sicherlich nicht sachgerecht. In der Praxis werden die Konditionen variieren, wobei die Höhe der erzielbaren Rendite natürlich maßgeblich durch Bonität und Risiken bestimmt wird. Und insoweit gilt für die (auch steuerinduzierte) Kapitalanlage der alte Lehrsatz von Börsen-Guru Andre Kostelany: „Wer viel Geld hat, kann spekulieren, wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren, wer kein Geld hat, muss spekulieren.“  

Quelle: Ausgabe 08 / 2011 | Seite 218 | ID 147607