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·Fachbeitrag ·Werbungskosten bei nichtselbstständiger Arbeit

Kurios: Verwaltung erkennt Unfallkosten an, Gerichte sagen nein!

| Dass die Finanzverwaltung eine steuerzahlerfreundlichere Sichtweise an den Tag legt als die Rechtsprechung, ist eher selten. Bei Unfallkosten, die einem Arbeitnehmer für die Wege zwischen Wohnung und Arbeitsstätte entstehen, ist das aber der Fall. Denn entgegen der Handhabung der FÄ sind nach der Rechtsprechung (aktuell FG Rheinland-Pfalz 23.2.16, 1 K 2078/15, Abruf-Nr. 146729) sämtliche Aufwendungen durch die Entfernungspauschale abgegolten, also auch Unfallkosten. |

 

Eine Arbeitnehmerin erlitt mit ihrem Pkw auf der Fahrt zur Arbeitsstätte einen Unfall. Die selbst getragenen Reparatur- und Behandlungskosten machte sie als Werbungskosten geltend. Das FA erkannte die Reparaturkosten an, nicht aber die Krankheitskosten, die allenfalls - soweit die zumutbare Eigenbelastung überschritten gewesen wäre - als außergewöhnliche Belastungen berücksichtigungsfähig wären. Auch das FG Rheinland-Pfalz lehnte einen Werbungskostenabzug für die Behandlungskosten ab.

 

Beachten Sie | Da die Entfernungspauschale sämtliche Aufwendungen abdeckt, die durch die Wege zwischen Wohnung und Arbeitsstätte entstehen (so auch BFH 20.3.14, VI R 29/13 zu Kosten einer Falschbetankung), hätte das FA auch die Reparaturkosten nicht zusätzlich als Werbungskosten berücksichtigen dürfen, so das FG in der Urteilsbegründung. Da eine Verböserung im finanzgerichtlichen Verfahren aber nicht in Betracht kommt, blieb es beim Ansatz als Werbungskosten.

 

PRAXISHINWEIS | Solange die Finanzverwaltung an ihrer anderslautenden Sichtweise (vgl. BMF 31.10.13, IV C 5 - S 2351/09/10002: 002, Tz. 4) festhält, sollten Unfallkosten weiterhin als Werbungskosten geltend gemacht werden. Sollte das FA eine Berücksichtigung indes ablehnen, dürfte eine Überprüfung im finanzgerichtlichen Verfahren wenig Erfolg versprechend sein.

 
Quelle: Ausgabe 06 / 2016 | Seite 92 | ID 44070373