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·Zahlungsindikator

Zahlungsverzug steigt: 1,5 Monate vergehen zwischen Leistungserbringung und Bezahlung

| Die Corona-Wirtschaftskrise beeinträchtigt zunehmend auch das Zahlungsverhalten. Kreditgeber und Gläubiger verzeichnen im B2B-Geschäft eine Verschlechterung der Zahlungsweise. Vermehrt müssen Zahlungsverzögerungen hingenommen werden. So lag die durchschnittliche Verzugsdauer der untersuchten 3,5 Mio. Rechnungsbelege im 1. Halbjahr 2020 bei 10,82 Tagen. Trotz dieser sich verschärfenden Situation bestätigte auch der Bundesrat den Gesetzesvorschlag, dass die Pflicht zum Insolvenzantrag weiter ausgesetzt wird ‒ bis Jahresende. |

 

  • Pflicht zum Insolvenzantrag bleibt ausgesetzt

Der Bundesrat hat am 18. September 2020 die Verlängerung einer Ausnahmeregel für überschuldete Firmen in der Corona-Krise gebilligt, die der Bundestag am Vorabend verabschiedet hatte. Damit bleibt die Pflicht zum Insolvenzantrag bis zum Jahresende ausgesetzt.

Unternehmen, die aufgrund der Corona-Pandemie überschuldet, aber nicht zahlungsunfähig sind, sollen auch weiterhin die Möglichkeit haben, sich unter Inanspruchnahme staatlicher Hilfsangebote oder durch außergerichtliche Verhandlungen zu sanieren und zu finanzieren. Sie müssen daher vorerst keinen Insolvenzantrag stellen.

 

Doch während die Bundesregierung ‒ und jetzt auch die Länderkammer ‒ dem coronabedingten weiteren Aufschub zugestimmt haben, nimmt die Zahlungsmoral in B2B-Geschäften weiter ab.

Unternehmergesellschaft (UG) bleibt Risikokandidat

Bei den einzelnen Rechtsformen sticht die UG haftungsbeschränkt mit einem starken Anstieg des Zahlungsverzugs hervor. Zuletzt erhöhte sich die Verzugsdauer bei Geschäften mit dieser Rechtsform um 1,80 Tage. Der Zahlungsverzug betrug im 1. Halbjahr somit 18,41 Tage. Auch die AG (+ 1,13 Tage) belastete ihre Gläubiger mit einer erhöhten Überfälligkeit. Das zeigt eine Analyse auf Basis des Creditreform Debitorenregisters Deutschland (DRD), für die rund 3,5 Mio. Rechnungsbelege ausgewertet wurden.

 

 

Der durchschnittliche Betrag einer verspätet bezahlten Rechnung im B2B-Geschäft erhöhte sich weiter. Im 1. Halbjahr 2020 lag er bei 2.188 Euro. Seit dem 1. Halbjahr 2016 stieg der Wert einer überfälligen Rechnung deutlich um 23 Prozent bzw. um gut 400 Euro. Für die Gläubiger und Kreditgeber bedeuten diese Entwicklungen erhöhte Risiken beim Forderungsausfall.

 

Auch wenn die Insolvenzentwicklung im bisherigen Jahresverlauf bedingt durch Sondereffekte wie die „Aussetzung der Insolvenzantragspflicht“ das Krisengeschehen bisher nur unzureichend widerspiegelt, so sind die Zahlungsrisiken für die Leistungserbringer zuletzt dennoch gestiegen. Warnsignale ergeben sich beispielsweise aus dem Anstieg der Verzugsdauer und höheren Forderungslaufzeiten in wichtigen Branchen. Auch nahmen die Rechnungswerte in den letzten Jahren deutlich zu, damit einher gingen höhere Liquiditätskosten für Lieferanten.

 

 

Rechnungen im B2B-Geschäft länger überfällig

Lieferanten und Kreditgeber sehen sich steigenden Risiken gegenüber. Ein erstes Indiz ist der durchschnittliche Zahlungsverzug, der sich im 1. Halbjahr 2020 auf 10,82 Tage erhöht hat (2. Halbjahr 2019: 10,69 Tage). Zugenommen haben die Zahlungsverzögerungen insbesondere bei Geschäftstransaktionen mit der Chemieindustrie und der Grundstoffbranche. Das Logistikgewerbe hat die Gläubiger dagegen weniger belastet und weist geringere Zahlungsverzögerungen auf.

 

Die durchschnittliche Forderungslaufzeit lag in den ersten sechs Monaten (42,88 Tage) leicht unter dem Vorjahreswert (43,11 Tage). Diese Zahl verdeutlicht, dass im Schnitt rund 1,5 Monate vergehen, bis der Erbringer einer Leistung sein Geld erhält. Sie setzt sich aus dem Zahlungsziel und einem eventuellen Zahlungsverzug zusammen. In den zurückliegenden Monaten hat die Kürzung der Zahlungsziele durch die Lieferanten von 32,33 (1. Halbjahr 2019) auf 32,06 Tage (1. Halbjahr 2020) einen Anstieg der Außenstandsdauer verhindert. Debitoren aus industrienahen Bereichen wie Chemie, Grundstoffe und Metall/Elektro, die in der Corona-Krise stark betroffen sind, verursachten gegen den Trend aber längere Forderungslaufzeiten, was die Liquidität ihrer Kreditgeber im Gegenzug belastete.

 

Kreditgeber reagieren mit Kürzung der Zahlungsziele

Insgesamt hat die Krise einen spürbaren Druck auf die Zahlungsfähigkeit erzeugt. Damit droht eine Kettenreaktion insbesondere in stark verflochtenen Wirtschaftsbereichen bis hin zu vermehrten Insolvenzen. Um den gestiegenen Ausfallrisiken entgegen zu wirken, haben Kreditgeber und Lieferanten ihre Zahlungsziele bereits gekürzt. Insbesondere kleineren Unternehmen wurden nicht mehr so lange Zahlungsziele eingeräumt.

 

Großunternehmen (mehr als 250 Beschäftigte) erhielten aber längere Zahlungsziele, die von bereits hohen 34,81 Tagen auf 35,75 Tage nochmals deutlich gestiegen sind. Diese Entwicklung verlängert die Gesamtforderungslaufzeit bei Geschäften mit Großunternehmen auf mittlerweile 45,27 Tage und dürfte den Erhalt der Zahlungsfähigkeit beim Leistungserbringer, der in Vorleistung gehen muss, erschweren. Mit 63,5 Prozent stellen Großunternehmen den Löwenanteil am gesamten Forderungsvolumen.

 

Der wertmäßige Bestand aller verspätet bezahlter Rechnungen in Deutschland beruht zu großen Teilen auf Forderungen gegenüber der Metall- und Elektrobranche (25,7 Prozent), dem Großhandel (15,1 Prozent) und der Branche der Unternehmensdienstleistungen (15,0 Prozent). Dabei sind überdurchschnittlich hohe Rechnungssummen bzw. eine hohe Zahl überfälliger Belege pro Debitor für diese Abhängigkeit verantwortlich. Die Aufmerksamkeit der Kreditgeber bei Geschäften mit diesen sehr wirtschaftsaktiven Branchen dürfte in der aktuellen Krise hoch sein. Das Baugewerbe verliert hingegen offenbar an Bedeutung für die Kreditgeber. Sein Anteil ging auf 7,5 Prozent des gesamten Forderungsbestands zurück.

 

Analysedaten

  • Zu rund 906.000 Unternehmen liegen Zahlungsinformationen im Debitorenregister Deutschland (DRD) vor.
  • Die Zahlen zum Zahlungsindikator beruhen auf überfälligen, aber ausgeglichenen Belegen.
  • Ein Belegvolumen von rd. 63 Mrd. Euro zu 1.157 Branchen wird in Deutschland analysiert.
  • Monatlich gibt es aktuell 7,6 Millionen neue Zahlungsinformationen.

 

Quelle: Creditreform Zahlungsindikator Deutschland

 

(JT mit PM Creditreform)

Quelle: ID 46871735