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· Fachbeitrag · Versicherung

Vermögensschadenhaftpflicht: Für welches Planungsbüro lohnt sich eine D&O-Versicherung?

von RA Franz M. Held, Mitglied der Geschäftsleitung VOV GmbH, Köln

| Architekten und Ingenieure müssen eine Betriebshaftpflichtversicherung haben. Die meisten von Ihnen werden zusätzlich über eine private Haftpflichtversicherung verfügen. Brauchen Sie dann auch noch eine Vermögensschadenhaftpflicht in Form einer Directors & Officers Versicherung? Entscheiden Sie selbst. |

Gängige Versicherungen decken nicht alle Risiken ab

Die D&O-Versicherung wurde entwickelt, weil die oben genannten Versicherungen nicht alle Risiken abdecken, denen sich Führungskräfte in Unternehmen (auch in Planungsbüros) ausgesetzt sehen. Das gilt selbst dann, wenn Sie Ihr Büro in einer haftungsbeschränkten Rechtsform führen, etwa als GmbH. Denn unabhängig von der Haftung der GmbH können Fälle auftreten, in denen Sie als Gesellschafter oder Geschäftsführer unbegrenzt persönlich haften.

Typische D&O-relevante Haftungsfälle in Planungsbüros

Sicherlich wollen Sie wissen, welche Fälle es denn konkret sind, in denen die oben genannten Versicherungen nicht leisten und Ihre persönliche Haftungsinanspruchnahme droht. Es gibt unterschiedliche Szenarien.

 

  • Beispiele
  • Der häufigste Anwendungsfall ist die Innenhaftung. Dabei nimmt die Gesellschaft selbst, also zum Beispiel das Planungsbüro, den jeweiligen Geschäftsführer auf Schadenersatz in Anspruch, weil er seine Pflichten aus dem Anstellungsvertrag und/oder seiner Organstellung verletzt hat. Ein solcher Pflichtenverstoß kann vorliegen, wenn Sie einen für Ihr Planungsbüro nachteiligen Vertrag abgeschlossen haben und Ihr Büro aufgrund einer Vertragsklausel so lange und ohne „Deckelung“ Planungsleistungen erbringen muss, bis der Kunde zufrieden ist. Schließt ein solcher Vertrag mit roten Zahlen ab, kann es passieren, dass das Planungsbüro versucht, sich bei dem für den Vertragsabschluss verantwortlichen Geschäftsführer schadlos zu halten und ihn persönlich in Anspruch zu nehmen.

 

  • Jede unternehmerische Tätigkeit beinhaltet die Gefahr von Fehlbeurteilungen und Fehleinschätzungen. Dies gilt umso mehr in der Unternehmenskrise. Gelingt es dem Geschäftsführer nicht, das Unternehmen aus der Krise wieder heraus zu führen, erhebt der Insolvenzverwalter regelmäßig (berechtigte und unberechtigte) Ansprüche gegen den/die aus seiner Sicht für die Insolvenz des Unternehmens verantwortlichen Geschäftsleiter. Hierbei geht es meistens um Ansprüche wegen Sorgfaltspflichtverletzungen oder um die Verletzung der Pflicht zur rechtzeitigen Stellung eines Insolvenzantrags.
 
  • Daneben besteht auch eine persönliche Haftung gegenüber Dritten, wie zum Beispiel Finanzbehörden oder Sozialversicherungsträgern. Der Geschäftsführer haftet in diesen Fällen persönlich mit seinem gesamten Privatvermögen und dies schon für einfach fahrlässig begangene Pflichtverstöße.
 

In den Fällen würde eine D&O-Versicherung einspringen und die Ansprüche, wenn sie denn gerechtfertigt sind, regulieren.

Was Sie zur D&O-Versicherung sonst noch wissen sollten

Bei der D&O-Versicherung handelt es sich also - einfach formuliert - um eine „freiwillige Berufshaftpflichtversicherung für Geschäftsführer“. Versicherungsnehmer ist das Unternehmen - die Rechte aus dem Vertrag stehen den versicherten Personen zu. Durch den Abschluss einer D&O-Versicherung wird dem Geschäftsführer das Risiko einer privaten Insolvenz genommen und dem Unternehmen gleichzeitig ein wichtiger Bilanzschutz gewährt.

 

Empfehlenswert ist die Absicherung von geschäftsführenden Gesellschaftern, Fremdgeschäftsführern, Prokuristen und leitenden Angestellten von Planungsbüros, wobei der wesentliche Absicherungsbedarf sicherlich auf der Geschäftsführer-Ebene besteht.

 

Bedingungswerke der Anbieter sind unterschiedlich

In Deutschland existieren keine standardisierten Bedingungswerke für D&O-Versicherungen. Jeder Anbieter bietet also durchaus unterschiedlichen Versicherungsschutz, sodass es für Sie schon sinnvoll ist, auf Anbieter mit ausgewiesener Fachexpertise zuzugehen und auch zwei Anbieter zu vergleichen.

 

Mit welcher Versicherungsprämie müssen Sie rechnen?

Die Höhe der Versicherungsprämie hängt - wie bei allen Versicherungen - vom Anbieter und vom zu versichernden Unternehmen und dessen Risikostruktur ab. Als grober Anhaltspunkt lässt sich sagen, dass auf ein Planungsbüro für eine D&O-Police mit einer Versicherungssumme von 5 Mio. Euro im Jahr zwischen 5.000 und 7.500 Euro Prämie zukommen dürften.

 

Wichtig | Dabei handelt es sich nicht um eine „pro-Kopf“-Prämie. In dem Betrag sind vielmehr sämtliche Mitglieder der Führungs- und Aufsichtsgremien des versicherungsnehmenden Unternehmens (zum Beispiel der Planungsbüro GmbH) und darüber hinaus sogar die Organmitglieder gegebenenfalls vorhandener Tochterunternehmen mitversichert.

 

D&O-Versicherung und anderweitiger Versicherungsschutz

Die D&O-Versicherung bietet weitreichend Versicherungsschutz. Deswegen kann es zu Überschneidungen mit anderen Versicherungen kommen, etwa einer Rechtschutzversicherung. D&O-Policen sind im Vergleich dazu die Versicherungsform zum Schutz der persönlichen Existenz der Manager bei Schadenersatzansprüchen wegen Vermögenschäden. Sie haben insbesondere bei Innenhaftungsansprüchen, den in der Praxis am häufigsten anzutreffenden Ansprüchen des eigenen Unternehmens gegen den jeweiligen Geschäftsführer, auch die erwähnte Bilanzschutz-Funktion für das Unternehmen, da je nach Schadenhöhe eine Erstattung aus Mitteln des Privatvermögens sonst nur zum Teil oder gar nicht möglich sein würde.

 

Diese Freistellungsfunktion, das heißt die Befriedigung berechtigter Managerhaftungsansprüche, stellt das Alleinstellungsmerkmal der D&O-Versicherung in Abgrenzung zur Rechtsschutzversicherung dar. Aber auch die Funktion der Rechtsverteidigung hat im Schutzkonzept der D&O-Police wesentliche Bedeutung. Eine Privathaftpflichtversicherung deckt hingegen nur solche Ansprüche, die im privaten Bereich entstanden sind. Über die Betriebshaftpflichtversicherung sind üblicherweise nur Personen- und Sachschäden abgesichert, die aus dem Betrieb entstehen.

 

Wann leistet die D&O-Versicherung (und wann nicht)?

Der D&O-Versicherungsschutz ist sehr umfangreich. Mit dem zentralen Ausschlusstatbestand der „wissentlichen Pflichtverletzung“ sind nämlich nicht nur leicht fahrlässig begangene Pflichtverstöße versichert, sondern es ist auch die grobe Fahrlässigkeit vollumfänglich vom Versicherungsschutz umfasst.

 

Der Versicherer muss außerdem beweisen, dass ein Ausschlusstatbestand vorliegt. Daraus wird deutlich, welch hohe Hürde die „wissentliche Pflichtverletzung“ für den Versicherer darstellt, um die Leistung zu versagen.

 

Individueller Versicherungsschutz nach dem Ausscheiden

Häufiger Auslöser für Versicherungsfälle sind Trennungssituationen. Es geht hier überwiegend um Ansprüche, die erst im Zusammenhang mit dem Ausscheiden des Managers aus dem Unternehmen entstehen, weil sie einerseits zeitlich mit dem Ausscheiden im Zusammenhang stehen, andererseits um Vorgänge aus der Vergangenheit, die sich erst zum Zeitpunkt des Ausscheidens oder später als problematisch herausstellen. Es ist auch nicht auszuschließen, dass ein nachfolgender Geschäftsführer ganz bewusst in seinem eigenen Interesse Geschäftsvorgänge aus der Vergangenheit „problematisiert“, damit sie ihm nicht später selbst als seine eigenen Pflichtverletzungen vorgehalten werden können.

 

Um nach dem ordentlichen Ausscheiden auch weiterhin ruhig schlafen zu können, sollte sich ein solcher Geschäftsführer eines Planungsbüros über entsprechende Angebote für eine auf diese Fälle zugeschnittene höchstpersönliche D&O-Police mit einer eigenen Versicherungssumme informieren.

 

FAZIT | Jedes Planungsbüro, das als Kapitalgesellschaft geführt wird, sollte prüfen, ob es sinnvoll ist, eine Unternehmens-D&O-Deckung abzuschließen. Einen D&O-Versicherungsstandard gibt es nicht - vielmehr gibt es eine Vielzahl von Anbietern. Entsprechend unterschiedlich ist die Qualität der angebotenen Produkte und die fachliche Expertise bei der Schadensbearbeitung. Der Teufel steckt hier im Detail. Lassen Sie sich deshalb vor einem Vertragsabschluss fundiert beraten, am besten nicht nur von einem Anbieter.

 
Quelle: Ausgabe 11 / 2014 | Seite 19 | ID 43004517