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· Fachbeitrag · Praxisangebot

Burn-out-Präventionstraining in der Physiopraxis

von Physiotherapeut/Sportwissenschaftler M. A. Thomas Colshorn, Bremen

| In den letzten Jahren hat die Wissenschaft deutlich erkannt, wie sehr physische Probleme mit psychischen verzahnt sind. Gerade bei Schmerzerkrankungen ist beides kaum voneinander zu trennen. Wer als Physiotherapeut auf dem aktuellen Stand bleiben möchte, sollte sich auch in vermeintlich „fachfremde“ Gebiete einarbeiten. Ein Burn-out-Präventionstraining kann rein physiotherapeutische Behandlungen effizient unterstützen. |

Was ist ein Burn-out-Syndrom?

Das Burn-out-Syndrom ist ein relativ neues Beschwerdebild und erst seit dem Jahr 2019 offiziell als eigenständige Diagnose anerkannt. Betroffene leiden an anhaltendem beruflichen oder privaten Stress, der auf Dauer in einen psychischen Erschöpfungszustand mündet. Im Allgemein wird ein Burn-out vor allem mit einer unverhältnismäßigen Arbeitsbelastung in Verbindung gebracht. Nichtsdestotrotz können auch private Probleme dazu führen.

 

MERKE | Die Symptomatik eines Burn-outs ist eher diffus und kann sich auf die unterschiedlichste Weise ausdrücken: Anzeichen und Symptome für eine Burnout-Erkrankung können von Rückenschmerzen über Ess- und Schlafstörungen bis hin zu immunologischen Problemen reichen. Daher wird dieses Krankheitsbild mitunter ganz übersehen oder erst erkannt, wenn sich die Folgen schon weitgehend manifestiert haben. Die Gefahr liegt dann z. B. im Übergang zur Depression, die eng mit dem Begriff des Burn-out verknüpft ist.

 

Was tut ein Präventionstrainer für Burn-out?

Wichtigstes Ziel als Präventionstrainer für Burn-out ist es also zunächst einmal, die entsprechenden Gefahrensignale beim Klienten überhaupt zu erkennen und einordnen zu können. Dazu gehören Grund- und erweiterte Kenntnisse zur Stressreaktion und Stressbelastung sowie ein gesamttheoretisches Rüstzeug, um auch Anzeichen anderer Krankheitsbilder, wie die erwähnten Depressionen, rechtzeitig wahrzunehmen.

 

Aufgabe eines Präventionstrainers ist es per definitionem nicht, den Betroffenen zu behandeln und zu heilen, sondern vorbeugend gegen einen Burn-out anzuarbeiten. Kernpunkt als Präventionstrainer ist daher, gemeinsam mit dem Klienten Strategien zur Stärkung der eigenen Ressourcen zu erarbeiten, Tipps zum Umgang mit Stresssituationen zu geben und klassische Entspannungstechniken wie z. B. das Autogene Training oder die Progressive Muskelrelaxation zu vermitteln (PP 10/2015, Seite 10).

 

MERKE | Der Präventionstrainer sollte vor allem auch seine eigenen Grenzen kennen und den Klienten im Bedarfsfall an einen Arzt verweisen, wenn deutlich wird, dass professionelle Hilfe gefragt ist. Ein Präventionstraining ersetzt keine ärztliche Behandlung oder Therapie (vgl. PP 03/2020, Seite 9; PP 02/2020, Seite 9)!

 

Welche Fortbildungen kann man machen?

Angesichts der weiter steigenden Fallzahlen und eines entsprechend hohen Bedarfs werden Fortbildungen zum Burn-out-Präventionstrainer mittlerweile von vielen Instituten angeboten. Da es sich um ein ernst zu nehmendes und komplexes Thema handelt, sollten Sie statt einfachen und günstigen Wochenendkursen lieber längere und etwas kostspieligere Kurse wählen.

 

Viele Angebote umfassen eine Woche in Präsenzzeit (biek-ausbildung.de, burnoutnetzwerk.de) bzw. sind als längerfristige Fernlehrgänge über mehrere Wochen konzipiert (ahab-akademie.de, academyofsports.de). Am umfangreichsten und ambitioniertesten erscheint der Lehrgang des Bildungswerks für therapeutische Berufe, der über ein halbes Jahr dauert und zusätzliche Präsenztage beinhaltet (btb.info). Die Fortbildungskosten bewegen sich meist in einem Bereich zwischen 1.000 und 2.000 Euro.

 

MERKE | Feste Ausbildungsrichtlinien gibt es in Deutschland nicht. Informieren Sie sich daher ‒ soweit möglich ‒ vorher gut über das Angebot und holen Sie ggf. weitere Informationen ein (z. B. bei vorherigen Absolventen). Die Deutsche Gesellschaft für Prävention & Gesundheitsförderung (DGPG) bietet eine Zertifizierung an (dg-pg.de/zertifizierung). Inwieweit das einen Vorteil bietet ist diskutabel, zumal die Kosten mindestens 500 Euro betragen. Eine der Zentralen Prüfstelle für Prävention (ZPP) gleichwertige Zertifizierung im Hinblick auf eine eventuelle Förderung durch die gesetzlichen Krankenkassen ist damit nicht gegeben (s. u.).

 

Wie lässt sich die Qualifikation praktisch umsetzen?

Als Setting für eine Burn-out-Prävention bietet sich einerseits ein Kurs an, zum anderen die 1:1-Beratung. Letztere bietet den Vorteil, mehr in die Tiefe gehen sowie Maßnahmen und Strategien individueller auf den Klienten zuschneiden zu können. In einem Kurs-Setting dagegen können mehr Interessenten versorgt werden. Zusätzlich bietet sich diese Form an, wenn es darum geht, Betroffene oder Gefährdete miteinander zu vernetzen.

 

PRAXISTIPP | Gesundheitsdienstleistungen in der Burn-out-Prophylaxe sollten gleichwertig zu anderen Präventionsmaßnahmen angesehen und daher auch entsprechend kalkuliert werden. Rechnen Sie also als Selbstständiger mit einem Stundenumsatz von mindestens 70 Euro ‒ je nach Setting verteilt auf die Gruppenteilnehmer oder als Einzelhonorar (z. B. PP 12/2019, Seite 12).

 

Eine Zertifizierung als Präventionsangebot durch die ZPP ist für Physiotherapeuten nicht möglich, da eine Burn-out-Prophylaxe in den Bereich des multimodalen Stressmanagements fällt, für den Physiotherapeuten nicht die nötige Grundqualifikation mitbringen. Gleichwohl besteht ‒ je nach vorhandener Ausbildung ‒ ggf. die Möglichkeit, im Rahmen eines Kurses auch klassische Entspannungstechniken (s. o.) anzubieten. Einige Institute haben diese Methoden entsprechend den Anforderungen des Leitfadens Prävention in ihre Ausbildung integriert.

Quelle: Seite 14 | ID 46412768