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· Fachbeitrag · Medizinwissen

COPD - wenn die Luft zum Atmen ausgeht

von Dr. Marianne Schoppmeyer, Ärztin und Medizinjournalistin, Nordhorn

| COPD steht für „chronic obstructive pulmonary disease“ - auf Deutsch: chronisch obstruktive Lungenerkrankung. Obwohl die Zahl der Patienten in Deutschland auf mehr als sechs Mio. Menschen geschätzt wird, weiß kaum ein Patient etwas mit der Diagnose COPD anzufangen. PPA fasst zusammen, was Sie als MFA für die Betreuung von COPD-Patienten wissen müssen. |

Was ist eine COPD?

Die COPD führt zur schleichenden Zerstörung des Lungengewebes. Durch Schadstoffe der Luft - vor allem Zigarettenrauch - kommt es zur Entzündung der Bronchien. Deren Schleimhaut schwillt an und sondert ein zähes Sekret ab, was sich beim Patienten als Husten und Auswurf äußert. Aufgrund der anhaltenden Entzündungsreaktionen verengen sich die Bronchien, der Mediziner spricht von einer Atemwegsobstruktion. Die Aufnahme von Sauerstoff in die Lunge und die Abgabe von Kohlendioxid ist behindert, sodass Atemnot auftritt. Im Volksmund wird eine COPD auch als Raucherlunge bezeichnet.

Welche Symptome treten auf?

Typische Beschwerden einer COPD sind chronischer Husten, Auswurf und Atemnot bei körperlicher Belastung. Ist die Erkrankung bereits weiter fortgeschritten, tritt Atemnot bereits in Ruhe auf. Viele Patienten merken erst spät, dass sich ihre Lungenfunktion verschlechtert hat. Andere Patienten - vor allem Raucher - bagatellisieren oder verdrängen ihre Beschwerden und vermeiden es, den Arzt aufzusuchen. Das führt dazu, dass die COPD häufig erst spät diagnostiziert wird und dann bereits entsprechend weit fortgeschritten sein kann.

Verfahren zur Diagnose

Bei Patienten mit den typischen Symptomen, wird der Arzt schnell an eine COPD denken und entsprechende Untersuchungen in die Wege leiten.

 

COP-Assessment-Test (CAT-Test)

Neben einer ausführlichen Anamnese und einer körperlichen Untersuchung hat sich der sogenannte COPD-Assessment-Test (CAT-Test) zur Beurteilung des Schweregrads der Erkrankung etabliert. Der Test enthält acht Fragen zu Symptomen, häuslichen und außerhäuslichen Aktivitäten, Schlafgewohnheiten sowie zur Leistungsfähigkeit (Fragebogen als PDF zum Download unter http://tinyurl.com/ntrayad). Pro Frage wird die Ausprägung der Beschwerden auf einer Skala von 0 bis 5 Punkten bewertet. Die maximale Punktzahl ist 40.

 

Lungenfunktionsprüfung (LuFu)

Eine wichtige apparative Untersuchung bei COPD ist die Lungenfunktionsprüfung (kurz LuFu) oder Spirometrie, die Sie als MFA durchführen (siehe PPA 06/2011, Seite 15). Die Spirometrie ist eine sehr einfache und für den Patienten wenig belastende Methode, um die Leistungsfähigkeit der Lunge zu prüfen. Gemessen werden verschiedene Lungenvolumina sowie die Atemstromstärke.

 

Anzahl der Exazerbationen

Um den Schweregrad einer COPD beurteilen zu können, ist neben CAT-Test und LuFu und auch die Anzahl der jährlichen Exazerbationen wichtig. Darunter versteht man meist plötzlich auftretende Atemnot-Attacken. Die Beschwerden verschlechtern sich dabei über das für den Patienten bekannte Maß hinaus.

Therapie ist vor allem Verhaltensänderung

Bis heute gibt es keine Medikamente, die die Entzündung der Bronchialschleimhaut positiv beeinflussen können. Sie können nur die Symptome lindern. Die Therapie der COPD ist daher vor allem Verhaltensänderung.

 

Rauchstopp

Die wichtigste, oft auch die schwierigste Aufgabe für den Patienten ist es, mit dem Rauchen aufzuhören. Eine Nikotinersatztherapie mit Pflaster, Kaugummi und Medikamenten sollte regelmäßig durch motivierende Gespräche begleitet werden (siehe PPA 12/2011, Seite 13). Die E-Zigarette ist medizinisch nicht allgemein zu empfehlen, da noch keine Langzeitdaten vorliegen.

 

Körperliche Aktivität

Aus Angst vor Atemnot-Attacken reduzieren COPD-Patienten ihre körperliche Aktivität immer mehr. Dies führt jedoch zur weiteren Verschlechterung der Lungenfunktion. Auch Herz, Kreislauf und Muskulatur werden nicht mehr trainiert und damit nimmt auch die Lebensqualität des Patienten spürbar ab. Empfehlen Sie daher Ihren Patienten unbedingt, sich regelmäßig zu bewegen, oder - noch besser - sich einer Lungensportgruppe anzuschließen (Adressen online unter http://tinyurl.com/o9adqhe).

 

Medikamentöse Therapie

Die Therapie der COPD besteht aus einer Langzeittherapie mit Medikamenten, welche die Bronchien erweitern, damit die Atemnot lindern und die Zahl der Atemnot-Attacken reduzieren. Sie stehen als Pulverinhalatoren oder als Dosieraerosole zur Verfügung und werden ein- oder zweimal täglich inhaliert:

 

  • Beta-2-Mimetika: Neben kurzwirksamen Beta-2-Mimetika (SABA), die im Bedarfsfall und bei Notfällen eingesetzt werden, gibt es langwirksame Beta-2-Mimetika (LABA) für die Dauertherapie. Zu dieser Medikamentengruppe gehören Formoterol, Salmeterol, Indacaterol und Oldaterol.

 

  • Anticholinergika/Parasympatholytika: Auch hier wird zwischen kurzwirksamen (SAMA) und langwirksamen (LAMA) Formen unterschieden. Zu den Anticholinergika gehören Tiotropium, Aclidinium und Glycopyrronium.

 

Beide Substanzgruppen können kombiniert werden. Patienten im fortgeschrittenen Stadium der COPD sollten zusätzlich mit inhalativen Kortikosteroiden therapiert werden. Diese gibt es auch in fixen Kombinationen mit einem Beta-2-Mimetikum, was die Anwendung für den Patienten wesentlich erleichtert.

Komplikationen: Inhalationsfehler und Infekte vermeiden

Die Erfahrung hat gezeigt, dass viele Patienten - auch nach langer Therapiedauer - ihre Inhalationshilfen fehlerhaft bedienen und das Medikament daher nicht richtig wirken kann. Als MFA sollten Sie sich regelmäßig von den Patienten die Inhalationstechnik vorführen lassen. Sie werden erstaunt sein, wie viele und welche Fehler bei der Inhalation auftreten können (zur korrekten Anwendung siehe PPA 09/2015, Seite 7).

 

PRAXISHINWEIS | Prüfen Sie auch den Abstand der Rezeptierungen. Patienten, die in kurzen Abständen um neue Rezepte bitten, wenden ihre Inhalationshilfe wahrscheinlich zu häufig und fehlerhaft an. Seltene Folgeverordnungen sprechen für einen unregelmäßigen Gebrauch.

 

COPD-Patienten sollten jeden Infekt der Atemwege vermeiden. Jeder noch so kleine Infekt kann bei COPD-Patienten zu einer akuten Atemnot-Attacke führen und die Lungenfunktion weiter verschlechtern. Erinnern Sie Ihre Patienten im Herbst daher unbedingt an die jährliche Grippeimpfung, die von der STIKO für COPD-Patienten empfohlen wird. Sie reduziert das Risiko einer akuten Atemnot-Attacke. Auch eine Impfung gegen Pneumokokken sollte erfolgen.

Disease-Management-Programm (DMP)

Aus vielen Praxen sind sie nicht mehr wegzudenken: Die Disease-Managment-Programme (DMP). Auch für die COPD gibt es ein solches strukturiertes Behandlungsprogramm. Für COPD-Patienten bedeutet die Einschreibung in das DMP häufig eine regelmäßigere und konsequentere Betreuung, auch wenn es ihnen gut geht. Voraussetzung für eine Einschreibung ist:

 

  • Gesicherte Diagnose einer COPD
  • Bereitschaft des Patienten, aktiv an der Behandlung mitzuwirken
  • Teilnahme an Patientenschulungen
  • Verbesserung der Lebensqualität durch Teilnahme am DMP

 

Der Krankheitsverlauf muss bei Patienten, die im DMP eingeschrieben sind, systematisch und lückenlos dokumentiert werden. In den Praxismanualen der Programme finden Sie detaillierte Anleitungen für das Ausfüllen der Erst- sowie der Folgedokumentationen.

 

Fester Bestandteil des DMP COPD sind auch Patientenschulungen wie etwa obstruktiver Bronchitis und Lungenemphysem (AFBE). Hierfür ist eine besondere Qualifikation des Arztes sowie des Praxisteams notwendig. In den Schulungen lernen die Patienten, besser mit ihrer Erkrankung umzugehen. Sie erfahren, wie sie ihre Medikamente korrekt anwenden, wie sie sich bei einer akuten Atemnot-Attacke verhalten sollen, wann sie den Notarzt rufen müssen, welche atemerleichternden Körperhaltungen es gibt und wie sie eingenommen werden. Die Teilnahme am DMP ist sowohl für die Patienten als auch für die Arztpraxis freiwillig. Die Aufwendungen für die Koordination, Dokumentation und Schulung werden dem Arzt extrabudgetär erstattet.

Quelle: Ausgabe 09 / 2015 | Seite 4 | ID 43500863